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Medizin

AML: Orale Version von Azacitidin verlängert in Studie das Leben der Patienten

Mittwoch, 27. Januar 2021

/picture alliance, blickwinkel/fotototo

Melbourne – Eine Erhaltungstherapie mit dem Wirkstoff CC-486, einer oralen Version des zugelassenen Zytostatikums Azacitidin, hat in einer Phase-3-Studie bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML), die unter einer Chemotherapie eine Remission erzielt hatten, das rezidivfreie und das Gesamt­überleben verlängert. Die jetzt im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 383: 2526-2537) vorgestellten Ergebnisse haben in den USA bereits zur Zulassung geführt, die für Europa in absehbarer Zeit zu erwarten ist.

Die AML, mit jährlich 3,5 Neudiagnosen auf 100.000 Einwohnern die häufigste akute Leukämie in Deutschland, tritt überwiegend bei älteren Menschen auf, für die eine kurative Stammzelltherapie zu riskant wäre. Die Behandlung beschränkt sich bisher auf eine kurzfristige Chemotherapie. Diese erzielt zwar bei etwa der Hälfte der Patienten eine komplette Remission, die jedoch nicht von Dauer ist. Auch nach weiteren Konsolidierungstherapien kommt es in der Regel wieder zu Rezidiven, die die Prognose der Patienten bestimmen.

Der Nutzen einer Erhaltungstherapie, die ein erneutes Rezidiv hinausschieben kann, konnte bisher nicht belegt werden. Dies hat hat sich mit den Ergebnissen der Studie „QUAZAR AML-001“ geändert. An der weltweiten Studie hatten zwischen Mai 2013 und Oktober 2017 insgesamt 472 Patienten teilgenommen, bei denen mit einer intensiven Chemotherapie (mit oder ohne Konsolidierungstherapie) eine komplette Remission erzielt worden war. Die median 68 Jahre alten Patienten waren danach auf eine Erhaltungs­therapie mit CC-486 oder Placebo randomisiert worden.

CC-486 ist eine orale Version des älteren Krebsmedikamentes Azacitidin, das in den 1970er Jahren in der damaligen Tschechoslowakei entwickelt worden war und in der Europäischen Union 2009 eingeführt wurde. Dem chemischen Analogon der Nukleinbase Cytidin wird heute neben einer zytostatischen auch eine hypomethylierende Wirkung zugeschrieben. Es soll in den Krebszellen, die die Chemotherapie überlebt haben, die normale Funktion von Genen wiederherstellen und damit eine erneute Proliferation verhindern.

Dazu ist eine Erhaltungstherapie notwendig, die durch die orale Verfügbarkeit von CC-486 (im Gegensatz zu Azacitidin) praktikabel ist. Die Patienten nahmen in der Studie täglich 300 mg CC-486 oder ein Pla­cebo ein – zusätzlich zu einer bestmöglichen supportiven Behandlung. Die Einnahme von CC-486 wurde, soweit sie vertragen wurde, bis zur Krankheitsprogression fortgesetzt, die ein sekundärer Endpunkt der Studie war. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben.

Wie Andrew Wei und Mitarbeiter von der Monash Universität in Melbourne jetzt erneut berichten (die wesentlichen Ergebnisse waren bereits im letzten Jahr auf der Jahrestagung der American Society of Hematology vorgestellt worden), lebten die Patienten in der CC-486-Gruppe median noch 24,7 Monate gegenüber 14,8 Monaten in der Placebogruppe. Die Hazard Ratio auf einen Tod betrug 0,69 und war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,55 bis 0,86 statistisch signifikant. Das rezidivfreie Überleben konnte ebenfalls signifikant von 4,8 auf 10,2 Monate verlängert werden.

Die Behandlung mit CC-486 hat zahlreiche Nebenwirkungen. Laut den Angaben in der US-Fachinforma­tion kommt es bei mehr als 10 % der Patienten zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Müdigkeit/Asthenie, Verstopfung, Lungenentzündung, Bauchschmerzen, Arthralgie, vermindertem Appetit, Schwindel und Schmerzen in den Extremitäten. Die Nebenwirkungen sind jedoch meist milde und sie haben in der Studie die Lebensqualität der Patienten nicht beeinträchtigt, wenn auch Therapieabbrüche mit 13 % deutlich häufiger waren als in der Placebogruppe mit 4 %.

Die häufigsten Nebenwirkungen vom Grad 3 oder 4 waren eine Neutropenie (41 %) und eine Thrombo­zytopenie (22 %), die jedoch auch in der Placebogruppe häufig auftraten (24 und 21 %) und deshalb teils auf die Grunderkrankung zurückzuführen sein dürften.

CC-486 wurde aufgrund der Ergebnisse der Studie bereits Anfang September als Onureg in den USA zugelassen. Es ist das erste Medikament, für das in der Erhaltungstherapie eine lebensverlängernde Wirkung belegt wurde. Wei ist in der Pressemitteilung seiner Klinik davon überzeugt, dass das Mittel einen neuen Versorgungsstandard für ältere Patienten mit AML etablieren werde. © rme/aerzteblatt.de

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