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Medizin

USA: Behandlungs­ergebnisse liegen auch in reicheren Landesteilen unter dem Durchschnitt

Freitag, 15. Januar 2021

/picture alliance, ZUMAPRESS.com | Marie Le Ble

Philadelphia – Ein teures Gesundheitswesen ist keine Garantie für eine optimale Gesundheitsvorsorge. Die Einwohner der einkommensstärksten Countys der USA erzielten laut einer Vergleichsstudie in JAMA Internal Medicine (2020; DOI: 10.1001/jamainternmed.2020.7484) zwar in 6 Indikatoren bessere Ergeb­nisse als der Rest des Landes. Im Vergleich zu 12 anderen Ländern, die weitaus weniger Geld für ihr Gesundheitswesen ausgeben, sind reiche Amerikaner jedoch keineswegs privilegiert.

Die Pro-Kopf-Ausgaben für das Gesundheitswesen lagen laut OECD in den USA zuletzt bei 11.072 US-Dollar. Das ist deutlich mehr als in der Schweiz (Platz 2: 7.732 US-Dollar) oder in Deutschland (Platz 4: 6.646 US-Dollar).

Dafür kommen die US-Amerikaner jedoch in den Genuss des besten Gesundheitswesens der Welt – jeden­falls der Teil, der ausreichend über den Arbeitgeber versichert ist oder sich die teuren Arztrech­nungen leisten kann. So lautet jedenfalls die allgemeine Meinung im Land, und die Ranglisten des Nachrichtenmagazins U.S. News & World Report zeigen den Reichen des Landes, wo sie im Krankheits­fall die beste Behandlung erhalten.

Die Vergleichslisten, die Ezekiel Emanuel von der Perelman School of Medicine in Philadelphia vorstellt, ergeben ein anderes Bild. Der Forscher hat die Ergebnisse zu 6 Gesundheitsindikatoren in den 32 und 157 einkommensstärksten Countys des Landes ausgewertet (das sind die obersten 1 und 5 %), die überwiegend von „weißen“ Amerikanern bewohnt werden, den Nachfahren europäischer Einwanderer. Das durch­schnittliche Jahreseinkommen liegt dort bei über 100.000 beziehungsweise 83.000 US-Dollar im Vergleich zu 46.409 in Deutschland.

Man sollte erwarten, dass die Säuglings- und Müttersterblichkeit und die Sterblichkeit an Dickdarm- und Brustkrebs niedriger ist, Kinder eine akute lymphatische Leukämie und Erwachsene einen akuten Myokardinfarkt häufiger überleben als in Australien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Japan, Kanada, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, der Schweiz oder Österreich, in denen das Pro-Kopf-Einkommen nur halb so hoch ist wie in den Countys der reichen Amerikaner.

Der Vergleich von Emanuel ergibt hier ein differenziertes Bild. Die Säuglingssterblichkeit liegt in den USA landesweit bei 5,90 auf 1.000 Geburten, in den reichsten 5 % der Countys bei 4,01/1.000 und den reichsten 1 % bei 3,54/1.000. In Norwegen sterben dagegen von 1.000 Kindern nur 2,3 und in Finnland nur 1,7 Kinder im Säuglingsalter (Deutschland 3,0 auf 1.000 Geburten). Nur in 2 Countys der USA ist die Säuglingssterblichkeit niedriger als in Norwegen, mit Finnland kann sich kein County messen.

Die Müttersterblichkeit liegt in den USA bei 26,40 auf 100.000 Lebendgeburten, in den obersten 1 % und 5 % sind es nur 10,05 und 10,85 auf 100.000 Lebendgeburten. Das ist mehr als in allen Vergleichslän­dern, von denen Kanada mit 6,00 Todesfällen und Frankreich mit 5,10 Todesfällen bei Müttern pro 100.000 Lebendgeburten noch am schlechtesten abschnitten. Aus Norwegen und Dänemark wurden gar keine Todesfälle gemeldet (in Deutschland 3,30 auf 100.000 Lebendgeburten).

Anders ist die Situation bei Krebserkrankungen. Die 5-Jahres-Überlebensrate beim Darmkrebs beträgt in den USA landesweit bei 64,9 %, in den oberen 5 % der Countys sind es mit 67,2 % etwas mehr. Bessere Ergebnisse wurden nur in Australien mit 70,7 % erzielt (Deutschland 64,8 %). Beim Mammakarzinom ist die 5-Jahres-Überlebensrate bereits im US-Landesdurchschnitt mit 90,2 % weltweit führend, in den oberen 5 % der Countys sind es sogar 92,0 %. Diese Werte erreichen andere Länder nicht (Deutschland 86,0 %).

Eine ALL überleben in den USA 89,5 % der Kinder, bei „weißen“ Kindern in den oberen 5 % der Countys sogar 92,6 %. In Finnland beträgt die Überlebensrate 95,2 %, in Dänemark 94,0 %, in Deutschland 91,1 %.

Auch beim Herzinfarkt sind die Überlebenschancen in den USA geringer. Von 100 Patienten, die lebend die Klinik erreichen, sterben im Landesdurchschnitt 13,45 in den ersten 30 Tagen. In den oberen 5 % der Countys sind es 12,76 und damit mehr als landesweit in Dänemark (10,73) oder Norwegen (10,73). Hier gibt es keine Daten zu Deutschland oder anderen Ländern.

Insgesamt sind die Behandlungsergebnisse für die überwiegend „weißen“ Amerikaner der wohlhabenden Countys damit schlechter als in anderen Ländern, darunter auch in den Herkunftsländern ihrer Vorfahren (mit ähnlichem genetischen Hintergrund). Privilegierte Amerikaner erhalten im Krankheitsfall zwar eine teurere, aber nicht unbedingt eine bessere Behandlung.

Die Ausnahme bildet das Mammakarzinom. Die besseren Ergebnisse hier könnten laut Emanuel auf der stärkeren Inanspruchnahme des Mammographiescreenings beruhen. In diesem Fall müsste vom Vor­sprung eine unbekannte Zahl der Frauen abgezogen werden, bei denen bei der Mammographie Tumore entdeckt wurden, die niemals zum Tode geführt hätten. Ein gewisser Anteil an Überdiagnosen gilt derzeit als erwiesen.

Bei den anderen Erkrankungen könnten die besseren Ergebnisse in den Vergleichsländern darauf zurückzuführen sein, dass das Gesundheitswesen besser organisiert ist, vermutet Emanuel. Bei einem Herzinfarkt rette nicht der individuelle Arzt mit der besten Bewertung laut U.S. News & World Report das Leben des Patienten, sondern die am besten koordinierte Arbeit von Rettungssanitätern, Notärzten, dem auf perkutane Herzinterventionen geschulten Spezialisten sowie die Zusammenarbeit mit Kranken­schwestern und anderen Klinikern auf den Koronarstationen.

Zu den Schwächen der Studie gehört sicherlich, dass sie die unterschiedlichen Ausgangsrisiken der Patienten nicht berücksichtigt. Auch das beste Gesundheitswesen kann nicht glänzen, wenn die Patien­ten aufgrund von Adipositas, Diabetes oder anderen Risikofaktoren größere Vorschäden aufweisen. © rme/aerzteblatt.de

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