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Politik

Erneute Debatte um Inzidenz und Lockdown

Mittwoch, 30. Dezember 2020

/kristina rütten, stock.adobe.com

Berlin – Die Politik schielt für mögliche Lockerungen als Orientierungsmarke auf einen Inzidenzwert von 50 je 100.000 Einwohner und Woche. Es wird davon ausgegangen, dass die Gesundheitsämter dann noch Infektionsketten verfolgen können und die Lage beherrschbar bleibt. Die Zahl ist nun erneut in die Diskussion geraten.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält den Infektionsgrenzwert von 50 für zu leichtsinnig. Der Mediziner sprach sich heute erneut für einen Grenzwert unter 25 Neuinfektionen je 100.000 Ein­woh­ner und Woche aus. Auch eine Reihe internationaler Experten hat bereits einen niedrigeren Orien­tierungswert gefordert.

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Lauterbach begründete seine Forderung mit der Gefahr weiterer Mutationen des Coronavirus, nachdem bereits aus Großbritannien eine veränderte Virusvariante nach Deutschland gekommen ist. „Wenn die Fallzahlen hoch bleiben, wird diese gefährliche Variante sich ausbreiten. Die ist so ansteckend, dass wahrscheinlich selbst unter Lockdownbedingungen wahrscheinlich zusätzliche Ansteckungen erfolgen“, erklärte er im ZDF-„Morgenmagazin“.

Die Gefahr sei, dass weitere Mutationen entstünden, gegen die die Impfungen nicht mehr wirkten. Der­zeit sei dies noch nicht geschehen. Aber: „Man darf nicht mit dem Feuer spielen“, sagte Lauterbach. „Wir müssen endlich wieder die Kontrolle über die Pandemie gewinnen.“

Die Diskussion über eine Benachteiligung von Nicht-Geimpften etwa in Fluggesellschaften, Hotels oder bei anderen privaten Dienstleistern hält er derzeit für verfehlt. „Das ist doch eine Luxusdebatte, wenn man so will, im Moment sterben uns die Leute“, sagte Lauterbach. „Wir müssen diese Debatte führen, aber ehrlich gesagt, wenn es an der Zeit ist. Das ist doch im Moment überhaupt nicht das Problem.“

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Klaus Reinhardt, rief Bund und Länder auf, bei der Ent­schei­dung über eine Verlängerung des harten Lockdowns die Zielmarke von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner pro Woche zu überdenken.

„Ob wir uns strikt an der Inzidenz von 50 orientieren, muss man mit Blick auf andere wichtige Faktoren, wie zum Beispiel die psychosozialen Folgen der Schulschließungen, genau abwägen“, sagte Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer verlangte zudem, endlich eine Langfriststrategie zum Schutz der besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen umzusetzen. Flankierend zu den Impfungen seien bundes­weit einheitliche Maßnahmen zur Kontaktminimierung gerade für ältere und vorerkrankte Menschen nötig. „Warum ist es so schwer, deutschlandweit feste Seniorenzeitfenster für Einkäufe im Einzelhandel zu schaffen oder spezielle Terminslots in öffentlichen Einrichtungen?", sagte Reinhardt.

Der BÄK-Chef forderte zudem nicht nur für Pflegeheime, sondern auch für pflegende Angehörige ausrei­chende Testmöglichkeiten und Schutzmaterial. „Das alles kostet Geld und die Umsetzung ist nicht trivial, aber mit solchen Mitteln können unter Umständen Menschenleben gerettet und Lockdowns verhindert werden“, sagte Reinhardt zu seinen Vorschlägen für eine Langfriststrategie. Da wünsche er sich mehr Kreativität von Ländern und Kommunen.

Nach Ansicht von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) müssen die einschneidenden staatlichen Coronabeschränkungen auch nach Fristablauf am 10. Januar zumindest teilweise verlängert werden. Bei der Eindämmung der Pandemie sei Deutschland „bei weitem noch nicht da, wo wir hin müssen“, sagte der CDU-Politiker gestern in den ARD-„Tagesthemen“. Deshalb werde es nach dem 10. Januar „ohne Zweifel Maßnahmen geben“. In welchem Umfang, müssten Bund und Länder bei ihrer geplanten Konferenz am kommenden Dienstag entscheiden. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #621415
najtt
am Montag, 4. Januar 2021, 07:02

Re: Zensur im Ärzteblatt

Das kann ich bestätigen. So wurden z. Bsp. u.a. im Zeitraum März bis einschließlich Juni 2020 sämtliche Beiträge des Users 'Andre B.' kommentarlos entfernt. Eine Email-Nachfrage meinerseits beim DÄ diesbezüglich blieb bis jetzt unbeantwortet.
Avatar #745246
Andre B.
am Samstag, 2. Januar 2021, 22:15

Covid-19 in schoolchildren - Schweden vs. Finnland

Es gibt keine positiven Auswirkungen von Schulschließungen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der schwedischen Gesundheitsbehörde, der in Zusammenarbeit mit dem Finnischen Institut für Gesundheit und Wohlfahrt veröffentlicht wurde.

Aus der Zusammenfassung des Berichts:

»Dieser Bericht ist ein Vergleich zwischen Finnland und Schweden, zwei in vielerlei Hinsicht ähnlichen Ländern, die während der Covid-19-Pandemie unterschiedliche Maßnahmen in Bezug auf Schulen angewendet haben.

Es gibt keinen Unterschied in der Gesamtinzidenz der laborbestätigten Covid-19-Fälle in der Altersgruppe 1–19 Jahre in den beiden Ländern und die Anzahl der laborbestätigten Fälle schwankt nicht mit der Schließung von Schulen oder der Änderung der Testpolitik in Finnland. In Schweden wird die Zahl der laborbestätigten Fälle durch eine Änderung der Testpolitik beeinflusst.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Schließung von Schulen keinen messbaren direkten Einfluss auf die Anzahl der im Labor bestätigten Fälle bei Kindern im Schulalter in Finnland oder Schweden hatte. Die negativen Auswirkungen der Schulschließung müssen gegen die positiven indirekten Auswirkungen abgewogen werden, die sie auf die Eindämmung der Covid-19-Pandemie haben könnte«

>>> https://www.folkhalsomyndigheten.se/contentassets/c1b78bffbfde4a7899eb0d8ffdb57b09/covid-19-school-aged-children.pdf
Avatar #745246
Andre B.
am Freitag, 1. Januar 2021, 18:17

Wolfgang Schäuble ruft vor Gipfel zu "ausgewogenen Entscheidungen" auf

Bundespräsident Wolfgang Schäuble mahnt in der Osnabrücker Zeitung und bei tagesschau.de:

»Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat vor dem anstehenden Corona-Gipfel von Bund und Ländern "ausgewogene Entscheidungen" angemahnt. Bei den Corona-Maßnahmen "bleibt es zentral, dass die Exekutive die Verantwortung des Einzelnen fest im Blick hält und auf so viel Freiheit wie möglich setzt", sagte Schäuble der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

"Es ist schier unmöglich, per Gesetz jeden Corona-Todesfall zu verhindern." Es sei daher seine "Grundüberzeugung", dass die Politik die Abwägung zwischen dem Schutz des Lebens und den Nachteilen der Corona-Maßnahmen "nicht komplett per Verordnung oder Gesetz auflösen kann, sondern dass die Verantwortung auch in den Händen der Ärzteschaft, von Wissenschaft und Ethikern liegt".«

>>> https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-freitag-185.html#Schaeuble-ruft-vor-Gipfel-zu-ausgewogenen-Entscheidungen-auf
Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 31. Dezember 2020, 02:09

Der Beipackzettel-Inhalt

in den USA und dem UK ist auf die dortige NOTFALLZULASSUNG abgestimmt, wogegen der Inhalt de EU-Beipackzettels für einen regulär zugelassenen Impfstoff von der europäischen Arzneimittelagentur redigiert wurde. Im englischen Beipackzettel müssen also auch alle hypothetisch möglichen UAW genannt werden, egal ob ein Zusammenhang mit dem Impfstoff anzunehmen ist oder nicht. Vor dem Posten bitte nachdenken!
Avatar #795594
Corporesanum
am Donnerstag, 31. Dezember 2020, 00:32

Beipackzettel zur Covid19 Impfung

Rechtsanwalt Holger Fischer hat auf höchst widersprüchliche Informationen des RKI und der englischen Original-Version der Fa. Pfizer hingewiesen bezüglich der möglichen schwerwiegenden Nebenwirkungen. Genau genommen werden diese vom RKI verschwiegen und die Impfungen in den Altenheimen sollen einfach durchgepeitscht werden ohne angemessene Aufklärung. Hausärzte sollen für die multimorbiden Hochbetagten Impfprobanden jeweils Impfunbedenklichkeits- Bescheinigungen ausstellen. Meiner Meinung nach kann das kein gewissenhafter Arzt tun. Was ist wohl die Folge, wenn es der Hausarzt tut und es kommt zu schweren Impfschäden?
Avatar #789658
2haeschen
am Mittwoch, 30. Dezember 2020, 18:57

@Mafey

Ihr Beitrag wurde schon wieder verschoben.
Schade, ich verstehe nicht, weshalb ständig über Transparenz gesprochen wird, allerdings alle Beiträge, die auch nur ansatzweise kritisch sein könnten, sofort gelöscht werden.
Gäbe es denn "den Schadenersatz"? Ich bezweifle es, ich bezweifle auch, dass, sollten neue oder weitere, evtl. seltene Nebenw. auftreten, dass man davon überhaupt erfährt. Immerhin bestätigte sich diese Überlegung doch bereits in der vergangenen, sehr kurzen Zeit jetzt. Tag 1 und 2 erfährt "die Welt" etwas, anschließend ist alles ruhig und "ganz toll". 2 allergische Reaktionen an Tag 1 und danach alles prima? Das ist genauso wahrscheinlich, wie die Tatsache, dass es Impfschä. bei heute verwendeten I.-stoffen nicht mehr gibt. Es ist blamabel für uns alle, vorallem aber für die zahlreichen Ärzte, die bei diesem Spiel, ohne mit der Wimper zu zucken, mitspielen. (Entschuldigung, aber es ist eine Tatsache).
Avatar #860373
Mafey
am Mittwoch, 30. Dezember 2020, 17:38

Impfung und Schadenersatz

Präklinische Tierversuche zu immunologischen und toxikologischen Fragen wurden unterlassen. Die klinischen Studien dauern noch an. Die Letalität von Covid19 beträgt im Schnitt nur 0,2 %. Für Menschen unter 70 ohne Nebenerkrankungen deutlich weniger. Die Verharmlosung der Impf-Risiken bei höchst strittiger Notfallzulassung ist unverantwortlich. Herr Prof. Höckertz hat vollkommen recht. Wer dennoch zu dieser unverantwortlichen Impfung rät, sollte sich warm anziehen. Die Schadensersatzforderungen werden kommen. Eine korrekte Aufklärung vor dieser gentherapeutischen Massenbehandlung findet nicht statt. Die Ärzteschaft wird man mit persönlichem Haftungsrisiko Belangen, da ja die Produzenten davon ausgenommen wurden. Ich kann nur allen KollegInnen zur Vorsicht raten.
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