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Ausland

Corona: Warum die EU bei Biontech und Moderna weniger Impfstoff orderte

Montag, 4. Januar 2021

/picture alliance, NurPhoto, Jakub Porzycki

Berlin – Zu zögerlich, zu geizig, strategisch falsch – diese Vorwürfe muss die EU sich derzeit in Bezug auf die Beschaffung von Impfstoffen gegen COVID-19 gefallen lassen. Politiker und Wissenschaftler mo­nieren, es sei zu wenig von dem Impfstoff der Hersteller Biontech und Pfizer bestellt worden.

Von der US-Firma Moderna, deren Vakzin heute als zweiter Impfstoff durch die Europäische Arzenimittel­agentur (EMA) zugelassen werden könnte, orderte die EU bislang sogar nur halb so viel wie bei Biontech. Dabei sei zum Zeitpunkt der EU-Order absehbar gewesen, dass die beiden erbgutbasierten Impfstoffe zu den aussichtsreichsten Kandidaten zählten, so Kritiker.

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Die für Verhandlungen mit den Herstellern zuständige Europäische Kommission weist die Vorwürfe von sich. „Das Nadelöhr ist derzeit nicht die Zahl der Bestellungen, sondern der weltweite Engpass an Pro­duk­tionskapazitäten“, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides in Brüssel.

Kyriakides versicherte, man habe die Verhandlungen etwa mit Biontech früh aufgenommen und der Firma mit 100 Millionen Euro beim Aufbau der jetzigen Produktionskapazitäten geholfen. Gleichzeitig habe man mit anderen Herstellern Verträge geschlossen. „Wir waren uns in der EU einig, dass wir nicht alles auf eine Karte setzen dürfen“, betonte die Kommissarin. Sonst hätten die EU-Staaten womöglich ohne wirksamen Impfstoff dagestanden.

EU setzt weiter auf Sanofi

Zudem sei die bislang gelieferte Menge selbst bei Abzug der Dosen für eine zweite Impfung noch längst nicht verimpft worden, hieß es heute aus Kommissionskreisen. In Deutschland kamen Regierungsanga­ben zufolge bislang 1,3 Millionen des Biontech-Impfstoffs an, weitere 670.000 würden gegen Ende der Woche erwartet. Verimpft seien bislang aber erst 265.000 Dosen.

Insgesamt hat die EU 300 Millionen Impfdosen bei Pfizer und Biontech vorbestellt. „Alleine davon könn­ten bis zu 28 Millionen Deutsche geimpft werden“, betonte Kyriakides. 160 Millionen Dosen bestellte die EU darüber hinaus bei Moderna. Tatsächlich liegen die Margen dieser beiden Hersteller damit jedoch niedriger als bei anderen Unternehmen, die von der Zulassung teils noch weit entfernt sind.

So sollen der US-Pharmariese Johnson und Johnson sowie das britische Unternehmen Astrazeneca der EU jeweils 400 Millionen Dosen liefern, Biontechs deutsche Konkurrenz Curevac sogar 405 Millionen. Im sogenannten Rolling-Review-Verfahren für eine schnellsmögliche Zulassung in der EU befinden sich derzeit aber nur die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson und Johnson, wie die EMA auf Anfrage mitteilt.

Astrazeneca ist, wie zuvor auch der Impfstoff von Biontech, in Großbritannien bereits per Notzulassung im Einsatz. Die EMA verkündete indes vergangene Woche, dass noch wichtige Informationen zu Qualität, Sicherheit und Effizienz fehlten, die nun von dem Unternehmen angefordert worden seien. Weitere Studienergeb­nis­­se aus den USA für den Impfstoff erwarte man innerhalb des ersten Quartals 2021. Dazu, auf welchem Stand des Verfahrens das Vakzin von Johnson und Johnson sich befindet, machte die EMA bislang keine ausführlichen Angaben.

Zu den insgesamt zwei Milliarden von Brüssel gesicherten Impfstoffdosen zählt die EU auch weiterhin die 300 Millionen mit dem französischen Hersteller Sanofi vereinbarten Dosen. Dieser hatte im Dezember Rückschläge in der Erprobungsphase seines Impfstoffes publik gemacht und diesen erst für Ende 2021 in Aussicht gestellt.

Dennoch sei Sanofi „ein bewährter und namhafter Hersteller, der seine Impfstoffe nach traditionellem Verfahren in Europa produziert. Dieses Verfahren sei etwas langsamer, aber dafür sehr sicher“, heißt es aus der Kommission. Das Sanofi Produkt sei nur bedingt mit einem Impfstoff nach dem neuen Verfahren von Biontech, Curevac oder Moderna vergleichbar. Die Anzahl der vertraglich vereinbarten Dosen lasse sich auf diese Faktoren zurückführen.

Wissenschaftler lange sketisch gegenüber mRNA-Impfstoffen

Dass ausgerechnet Biontech und Moderna niedrigere Zuschläge erhielten, obwohl beide Unternehmen der EU größere Mengen angeboten haben sollen, könnte unter anderem an mangelndem Vertrauen in die neuartigen erbgutbasierten Impfstoffe gelegen haben. Noch bis Ende Oktober habe es unter den Wissenschaftlern in Europa noch Skeptiker gegeben, die den mRNA-Impfstoffen kritisch gegenüberstan­den, wie das Deutsche Ärzteblatt aus Kommissionskreisen erfuhr.

In Deutschland gab es womöglich ein größeres Zutrauen in die neue Technologie, denn die Bundesrepu­blik hat sich von der EU-Gesamtbestellung laut Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) mit knapp 50 Millionen Impfstoffdosen fast ein Drittel der Moderna-Marge gesichert.

Neben den Erfolgsprognosen seien aber auch die nachgewiesene Fähigkeit zur sicheren Massenproduk­tion und Verteilung sowie nicht zuletzt der Preis entscheidende Punkte gewesen, so die Kommission.

So ist Curevac von den Herstellern der mRNA-Impfstoffen wahrscheinlich der günstigste. Das geht aus einer Preisliste hervor, die die belgische Politikerin Eva DeBleeker im Dezember versehentlich bei Twitter veröffentlicht hatte. Pro Dosis soll das Curevac-Vakzin demnach zehn Euro kosten, Biontech zwölf Euro und Moderna mit umgerechnet etwa 14,70 Euro auch insgesamt am teuersten sein.

Das 2020 zunächst zur Verfügung stehende Volumen von zwei Milliarden Euro für die Vertragsverhand­lungen sei durch die Vorfinanzierung voll ausgeschöpft worden, berichten Kommissionskreise. Weitere Verhandlungen laufen nach Angaben von EU-Kommissarin Kyriakides bereits.

„Die Situation wird sich Schritt für Schritt bessern“, versprach Kyriakides. Die Kommission verhandele über zusätzlichen Impfstoff von Biontech und sei bereit, die Ausweitung der Produktionskapazitäten zu unterstützen. Das Unternehmen befinde sich „in fortgeschrittenen Diskussionen, ob und wie wir weitere Impf­stoffdosen aus Europa für Europa in diesem Jahr zur Verfügung stellen können“, teilte Unternehmen­schef Ugur Sahin mit.

„Dafür, dass im Herbst 2020 noch niemand sicher sagen konnte, welcher Impfstoff überhaupt Erfolg ha­ben würde, steht die EU mit ihrer Auswahl der Impfstoffhersteller sehr gut da“, erklärte die Kommissarin. „Und darum geht es doch: Europa ist vernetzt und wir kommen am schnellsten gemeinsam aus dieser Krise. Daran hat auch Deutschland ein großes Interesse.“ © alir mit dpa/aerzteblatt.de

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