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Medizin

SARS-CoV-2: ACE-Hemmer könnten Risiko auf schweren Krankheitsverlauf senken

Montag, 4. Januar 2021

/picture alliance, Frank May

Berlin – Die Behandlung mit einem ACE-Hemmer, nicht aber mit einem Sartan, könnte die erhöhte An­fälligkeit von Hypertonikern auf einen schweren Verlauf von COVID-19 vermindern. Dies kam in einer Transkriptom-Analyse in Nature Biotechnology (2020; DOI: 10.1038/s41587-020-00796-1) heraus, deren klinische Relevanz jedoch unklar ist.

Die arterielle Hypertonie gehört neben einem hohen Alter und der Adipositas zu den wichtigsten Risiko­faktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19. Da SARS-CoV-2 über den ACE2-Rezeptor in die Zellen gelangt, gerieten ACE-Hemmer und andere Medikamente, die den Blutdruck über das Renin-Angioten­sin-Aldosteron-System senken, anfangs in Verdacht, für das erhöhte Risiko verantwortlich zu sein.

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Dies gilt mittlerweile als widerlegt. Der Einfluss der verschiedenen Hochdruckmedikamente ist jedoch weiter Gegenstand klinischer Studien. Die kanadische Studie „COVID-RASi“ vergleicht beispielsweise den Einfluss von ACE-Hemmern und Angiotensin-Rezeptorblockern („Sartanen“) auf das Sterberisiko. Die brasilianische Studie SWITCH-COVID untersucht, ob der Wechsel auf andere Antihypertonika den Verlauf der Erkrankungen beeinflusst.

In der deutschen COVIDAL-Studie wird geprüft, ob eine Umstellung von ACE-Hemmern auf ein Sartan oder der Verzicht auf Sartane sinnvoll sein kann. Bis die Ergebnisse der Studien vorliegen, bleibt es bei den Empfehlungen der Deutschen Hochdruckliga, nach denen Hochdruckpatienten im Fall einer Infektion mit SARS-CoV-2 ihre Medikation nicht verändern sollten.

Vor diesem Hintergrund könnten die jetzt von einem Team um Prof. Irina Lehmann von der Berliner Charité vorgestellten Ergebnisse für Diskussionen sorgen. Die Forscher haben die RNA in 114.71 einzelnen Zellen sequenziert, die sie aus den Nasopharyngeal-Abstrichen von 32 COVID-19-Patienten und 16 gesunden Kontrollen isoliert hatten. Von den COVID-19-Patienten hatten 25 eine arterielle Hypertonie, die 10 mit einem ACE-Hemmer und 15 mit einem Sartan behandelten.

Da die Boten-RNA den Hauptanteil der RNA ausmacht, zeigt ihre Sequenzierung, die auch als Trans­kriptom-Analyse bezeichnet wird, welche Gene aktuell in den Zellen aktiv sind.

Anlass für die Studie war wohl die Beobachtung, dass die Viruskonzentration in den Abstrichen der Patienten, die mit ACE-Hemmern behandelt wurden, schneller zurückging und die Patienten sich auch früher von COVID-19 erholten als die Patienten, deren Blutdruck mit Sartanen gesenkt wurde.

Die Transkriptom-Analyse liefert hierfür eine mögliche Erklärung. Zunächst zeigte sich, dass bestimmte Immunzellen aus den Abstrichen bei Patienten mit Bluthochdruck grundsätzlich eine leichte Vorakti­vierung aufwiesen. Dies könnte im Fall einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu einem schwereren Verlauf der Erkrankung führen.

Die Behandlung mit ACE-Hemmern und Sartanen scheint sich unterschiedlich auf diese Prädisposition auszuwirken. Während ACE-Hemmer die COVID-19-bedingte Hyperinflammation dämpften und die antiviralen Reaktionen verstärkten, zeigte sich unter einer Sartanbehandlung eine entgegengesetzte und damit eher ungünstige Reaktion. Es kam zur verstärkten Aktivierung von Makrophagen und neutrophilen Granulozyten, die bei Virusinfektionen an der Erstabwehr durch das sogenannte angeborene Immun­system beteiligt sind.

Sie sollen die Zeit überbrücken, bis mit Antikörpern und T-Zellen eine gezielte Abwehr der Viren möglich ist. Eine Überaktivität des angeborenen Immunsystems gilt als eine mögliche Ursache für schwere Verläufe. Eine Verstärkung durch Sartane könnte sich dann ungünstig auswirken. ACE-Hemmer könnten dagegen die (schädliche) Abwehrbereitschaft des Immunsystems normalisieren.

Die Forscher betonen allerdings, dass es sich um eine reine Grundlagenstudie handelt, aus der sich keine Therapieempfehlungen ableiten lassen. Dieser Ansicht ist auch die Deutsche Hochdruckliga. Die Zahl der Studienteilnehmer sei zu klein und die Studie auch gar nicht dafür ausgelegt, um verschiedene blutdrucksenkende Therapien im Hinblick auf ihr „Anti-COVID-19-Potenzial“ vergleichen zu können, heißt es in einer Stellungnahme.

Die wesentliche Erkenntnis der Untersuchung sei, dass der Bluthochdruck ein eigenständiger Risiko­faktor für schwere COVID-19-Verläufe sei, wenn er nicht behandelt werde. Die in der Studie gefundene verstärkte Entzündungsreaktion könnte dafür verantwortlich sein. Patienten sollten die Studie keines­falls zum Anlass nehmen, ihre Medikation abzusetzen. Ohne Medikamente sei das Risiko von Hyperto­nikern auf einen schweren Verlauf deutlich erhöht. © rme/aerzteblatt.de

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