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Medizin

Bildung schützt vielleicht doch nicht vor Demenz

Dienstag, 19. Januar 2021

/picture alliance, Sven Hoppe

Duisburg/Essen – Bildung gilt als vielversprechender Faktor, mit dem sich das Risiko einer Demenz­er­­kran­kung aktiv verringern lässt. Wissenschaftler um Martin Karlsson von der Universität Duisburg-Essen melden daran jetzt Zweifel an. Ihre Arbeit beruht auf Daten einer Schulreform in Schweden, die 80 Jahre zurückliegt. Das American Journal of Epidemiology berichtet über die Ergebnisse (2020; DOI: 10.1093/aje/kwaa255).

Die Arbeitsgruppe hat in verschiedenen Archiven Informationen zur Reform der schwedischen Volks­schu­le zwischen 1930 und 1950 gesammelt. Damals wurde nach und nach landesweit die Schulpflicht von 6 auf 7 Jahre verlängert. „Sie war verpflichtend für alle 13-Jährigen, unabhängig von Intelligenz, Charakter, sozialem Umfeld oder anderen Faktoren, die normalerweise die Entscheidung beeinflussen, wie lange man zur Schule geht“, erklärt Karlsson.

Die Forscher verfolgten 18 Geburtskohorten (n=1.341.842) von 1985 bis 2016 (bis zum Alter von 79 bis 96 Jahren) für Demenzdiagnosen in den nationalen Kranken- und Todesursachenregistern. Die Analysen zeigten sehr kleine oder vernachlässigbare kausale Effekte der Bildung auf das Demenzrisiko. Mehrfache Sensitivitätsprüfungen, die Unterschiede im Gesundheitsverhalten und anderes berücksichtigten, ließen die Ergebnisse im Wesentlichen unverändert.

Eine parallele Studie zum Arbeitsmarkterfolg zeigte, dass die verlängerte Ausbildung keinen nennens­werten Einfluss auf den Status im späteren Leben hatte – Berufswahl und Einkommen veränderten sich nach der Reform im Durchschnitt nicht, damit ebenso wenig die Möglichkeiten zur gesunden Ernährung oder Krankenversorgung.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Bildung ohne Mediation durch die sozioökonomische Position der Erwachsenen nicht unkritisch als modifizierbarer Risikofaktor für Demenz betrachtet werden kann“, lautet das Fazit der Forscher.

An der internationalen Studie unter Karlssons Leitung waren auch das Karolinska-Institut in Stockholm, die Universität Lund sowie das Irving Medical Centre der Columbia University in New York beteiligt. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 20. Januar 2021, 12:52

Klassischer Denkfehler!

Nur weil in: "Does prolonged education causally affect dementia risk when adult socioeconomic status is not altered? A Swedish natural experiment on 1.3 million individuals" von Dominika Seblova et al. im American Journal of Epidemiology, https://doi.org/10.1093/aje/kwaa255
am 23.11.2020 festgestellt wurde: "Analyses indicated very small or negligible causal effects of education on dementia risk", soll jetzt geringer Bildungsgrad aus dem Kanon der Demenz Ursachen gestrichen werden?

In einer geradezu kindisch anmutenden Argumentation wollen die Autoren/-innen/* das ausgerechnet mit einer für 70% der schwedischen Bevölkerung lediglich um 1 Jahr verlängerten schulische Erziehungsphase von insgesamt 10 bis 13 Jahren begründen? Weiterbildung, Schulung, Studium, berufliches und psychosozialen, kulturelles Lernen wurden dabei ausgeblendet! Wie dumm ist das denn?

Vom Konzept des lebenslangen Lernens und der Erziehungsbildung, von denen schulische Bildung nur eine Teiletappe darstellt, habe die Autoren wohl noch nie etwas gehört?

Wohltuend dagegen die Elite der internationalen Demenz-Forscher, welche 12 entscheidende Risikofaktoren für die krankhafte Entwicklung zu einer fortschreitenden Demenz sieht:

- Gerigerer Bildungsgrad

- Zunehmende Schwerhörigkeit

- Einfache/mehrfache Schädel-Hirn-Traumata

- Hypertonie und hypertensive Herzkrankheit

- Übermäßiger bis exzessiver Alkoholkonsum

- Adipositas und starkes Übergewicht

- Rauchen von Zigaretten, Zigarre, Pfeife...

- Depressionen/psychischer Stress/seelische Krankheit

- Soziale Isolation und Vereinsamung

- Luftverschmutzung mit Staub/Schadstoffen/Schwefel

- Körperliche Inaktivität und Immobilität

- Altersdiabetes und metabolisches Syndrom

Nach "Dementia prevention, intervention, and care: 2020 report of the Lancet Commission" von Prof Gill Livingston et al. - Published: July 30, 2020

DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30367-6

"Overall, a growing body of evidence supports the nine potentially modifiable risk factors for dementia modelled by the 2017 Lancet Commission on dementia prevention, intervention, and care: less education, hypertension, hearing impairment, smoking, obesity, depression, physical inactivity, diabetes, and low social contact. We now add three more risk factors for dementia with newer, convincing evidence. These factors are excessive alcohol consumption, traumatic brain injury, and air pollution."

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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