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Medizin

Prädiabetes: Studie findet 6 Subtypen mit unterschiedlichem Gefährdungspotenzial

Dienstag, 5. Januar 2021

/picture alliance, Peter Byrne

Tübingen – Nicht jeder Mensch mit erhöhten Blutzuckerwerten entwickelt sofort einen Typ-2-Diabetes. In einer Langzeitstudie schritt die Stoffwechselstörung nur bei 3 von 6 Subtypen rasch zum manifesten Diabetes voran. Bei einem Subtyp kam es trotz normaler Blutzuckerwerte frühzeitig zu Spätkomplikationen der Erkrankung, wie aus den jetzt in Nature Medicine (2021; DOI: 10.1101/2020.10.12.20210062) publizierten Ergebnissen hervorgeht.

Zum Typ-2-Diabetes kommt es, wenn die Betazellen des Pankreas nicht mehr genügend Insulin produ­zieren, um die zunehmende Insulinresistenz auszugleichen. Dies ist in den meisten Ländern bei einer zunehmenden Anzahl der Bevölkerung der Fall. In Deutschland haben derzeit schätzungsweise 7 Millionen Menschen einen Typ-2-Diabetes, bis 2040 könnte die Zahl auf 12 Millionen ansteigen.

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Bei den meisten Menschen kommt es nicht gleich zum Typ-2-Diabetes, da die Betazellen die Insulin­resistenz lange kompensieren können. Die Blutzuckerwerte sind dann allenfalls leicht erhöht. Diabeto­logen der Universität Tübingen begleiten seit 2003 eine Gruppe von 899 Personen, die aufgrund von auffälligen Blutzuckerwerten, einer positiven Familienanamnese, einem erhöhten Body-Mass-Index (BMI) oder einem Schwangerschaftsdiabetes in der Vorgeschichte ein erhöhtes Diabetesrisiko haben.

Bei den Teilnehmern der TUEF/TULIP-Studie (Tübinger Familienstudie/Tübinger-Lebenstil-Interventions-Programm) wurde zu Beginn ein oraler Glukosebelastungstest, eine MRT-basierte Bestimmung des Körperfetts und eine Protonen-MR-Spektroskopie zum Fettgehalt der Leber durchgeführt.

Die jetzt von Robert Wagner, dem Leiter der Endokrinologischen Ambulanz in Tübingen, vorgestellten Ergebnisse einer Cluster-Analyse zeigen, dass sich der Prädiabetes in den folgenden Jahren in unterschied­liche Richtungen entwickelt hat. Die Forscher unterscheiden 6 Subtypen, von denen 3 (die Subtypen 1, 2 und 4) ein niedriges Diabetesrisiko hatten.

Die Teilnehmer mit den Subtypen 1 und 2 unterschieden sich durch den BMI. Subtyp 1 war mit durchschnitt­­lich 26,82 kg/m2 übergewichtig, der Subtyp 2 mit 23,45 kg/m2 normalgewichtig. Beim Subtyp 3, der mit einem BMI von 29,15 kg/m2 ebenfalls übergewichtig bis adipös war, produzierten die Betazellen nicht mehr genügend Insulin, um den Blutzucker im Normalbereich zu halten.

Wagner bringt dies mit Fettablagerungen im Bauchbereich und im Pankreas in Verbindung, die die verminderte Insulinsekretion erklären könnten. Eine erhöhte Intima-Media-Dichte in der Halsschlagader wies bei diesen Patienten auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko hin.

Der Subtyp 4 war mit einem mittleren BMI von 31,54 kg/m2 ebenfalls adipös, die Fettablagerungen befanden sich jedoch überwiegend im subkutanen Gewebe und nicht im Bauchbereich. In dieser Gruppe wies der Glukosestoffwechsel keine Störungen auf. Dieser Zustand wird auch als metabolisch gesunde Adipositas bezeichnet.

Der adipöse Subtyp 5 (BMI 34,45 kg/m2) zeichnete sich durch einen sehr hohen Fettgehalt der Leber und eine ausgeprägte Insulinresistenz aus. Diese Patienten haben laut Prof. Wagner das größte Diabetesrisiko, und auch die Gefahr von Nieren- und Gefäßkrankheiten ist am höchsten.

Der Subtyp 6 (BMI 34,94 kg/m2) wies bereits Folgeschäden an den Nieren auf, bevor sich der Typ-2-Diabetes manifestierte. Die Betroffenen hatten eine ausgeprägte viszerale Adipositas, aber selten eine Fettleber. Die Insulinproduktion der Betazellen war deutlich gesteigert, sie reichte aber aus, um die Insulinresistenz zu kompensieren. Die Hyperinsulinämie könnte neben Fettablagerungen in den Organen für die Nierenschäden verantwortlich sein, die durch eine Mikroalbuminurie angezeigt wurde.

Die Forscher konnten die Ergebnisse an 6.810 Teilnehmern der britischen Whitehall 2-Kohorte bestätigen. Die Studie hatte Angestellte des Londoner Regierungsviertels über mehr als 16 Jahre begleitet. Auch hier ließen sich die 6 Subtypen unterscheiden. Von den metabolisch gesunden Teilnehmern mit den Subtypen 1, 2 und 4 erkrankten nur wenige an einem Typ-2-Diabetes (5,9 %, 2,4 % und 4,5 %). Beim Subtyp 6 lag der Anteil bei 57 %.

Die Einteilung in die verschiedenen Subtypen könnte laut Prof. Wagner Auswirkungen auf die Behandlung haben. Personen mit Subtyp 5 haben ein unmittelbares Risiko auf einen Diabetes. Sie könnten von einer intensiven Diät- und/oder Lebensstilintervention profitieren, die auf eine Gewichtsabnahme und eine Leberfettreduzierung abzielen.

Beim Subtyp 3 könnte Ausdauersport und eine Kalorienreduktion durch den Abbau des viszeralen Fettgewebes den Diabetes verhindern. Beim Subtyp 6 sind laut Prof. Wagner trotz des fehlenden Anstiegs des Blutzuckers frühzeitig therapeutische Maßnahmen angezeigt. © rme/aerzteblatt.de

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