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Ärzte begrüßen neue Coronabeschlüsse von Bund und Ländern

Mittwoch, 6. Januar 2021

/picture alliance, Fotostand

Berlin – Bundes­ärzte­kammer, Marburger Bund und Intensivmediziner haben sich hin­ter die neuen Coro­nabeschlüsse von Bund und Ländern gestellt. Diese hatten gestern unter anderem eine Verlängerung der ursprünglich bis zum 10. Januar vereinbarten Lockdownregeln bis zum Monatsende sowie noch strenge­re Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich vereinbart.

Menschen in Landkreisen, in denen binnen sieben Tagen mehr als 200 Neu­infektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet wurden, sollen sich zudem ohne triftigen Grund nicht mehr als 15 Kilometer von ihrem Wohnort entfernen dürfen.

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Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Klaus Reinhardt, sprach bei der Einschränkung des Bewe­gungs­radius an Orten mit vielen Coronaneuinfektionen von einer „sinnvollen Vorsichtsmaßnahme“. „Wir müssen die Infektionsdynamik verringern, um unser Gesundheitswesen vor Überlastung zu schüt­zen“, sagte Reinhardt.

Die Versorgung in den deutschen Kliniken und Praxen müsse voll aufrechterhalten werden. Das sei nicht nur für die vielen schwer an COVID-19 erkrankten Menschen essenziell – „sondern auch für alle anderen behandlungsbedürftigen Patientinnen und Patienten in Deutschland“, stellte Reinhardt klar.

„Die Begrenzung des Bewegungsradius ist ein tiefgreifender Eingriff in die in die Freiheitsrechte eines jeden Einzelnen“, so der Ärztepräsident weiter. „Dass Bund und Länder eine solche Entscheidung nicht leichtfertig getroffen haben, sondern unter Hinzuziehung der Wissenschaft und differenziert nach Regio­nen mit einer besonders hohen Inzidenz, wird die Akzeptanz dieser Regelung in der Bevölkerung sicher erhöhen.“

Reinhardt sagte, damit das Gesundheitswesen vor Überlastung geschützt wird, sei auch die ebenfalls beschlossene Verlängerung der bisher bereits geltenden Lockdownmaßnahmen richtig und unaus­weich­lich.

Er sei „sehr froh über diese Entscheidung – die Kliniken sind wirklich voll und die Intensivstationen auch“, sagte auch der neue Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfall­medizin (DIVI), Gernot Marx, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Derzeit seien weit über 22.000 Intensivbetten und damit mehr als 80 Prozent der Kapazitäten in den Kliniken belegt.

„Durch die kontinuierlich hohe Anzahl von rund 6.000 COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen sind die Ärzte und Pfleger inzwischen wirklich am Anschlag", sagte Marx. Eine weitere Belastung mit wesentlich mehr Patienten wäre wirklich schwierig. Es sei das wichtigste Ziel, jetzt die Fallzahlen und den R-Wert deutlich unter die Sieben-Tage-Inzidenz von 50 zu senken. „So gewinnen wir Zeit und können währenddessen möglichst viele Menschen impfen“, sagte der DIVI-Präsident.

Ob die gestern beschlossenen Maßnahmen ausreichten, um die Kliniken in diesem Winter zumindest ein Stück zu entlasten, sei gegenwärtig schwer zu beurteilen. „Wir wissen im Moment eigentlich überhaupt nicht, wo wir stehen“, sagt Marx. „Wegen weniger Testungen über Weihnachten und Silvester ist erst ab Anfang nächster Woche wieder mit verlässlicheren Prognosen zu Fallzahlen und Erkrankungen zu rechnen.“

Auch die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hält die Verschärfungen für notwendig, um eine Überlas­tung des Gesundheitssystems zu verhindern. „Es ist richtig, die Bremse weiter anzuziehen. Der Bund-Länder-Beschluss ist deshalb nur konsequent“, sagte die Vorsitzende, Susanne Johna, der Rheinischen Post. Wo immer möglich, sollten Menschen Kontakte vermeiden. „Mit der Verfügung von Maßnahmen allein ist es aber nicht getan – sie müssen auch durchgesetzt werden“, sagte Johna.

Sie betonte, dass das Klinikpersonal seit Wochen im absoluten Dauerstress sei. Eine Lockerung von Kon­taktbeschränkungen würde zu dieser Jahreszeit zwangsläufig zu noch stärker steigenden Infektionszah­len führen und die medizinische Versorgung insgesamt gefährden, sagte sie. „Das dürfen wir nicht zu­lassen.“

Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, kritisierte hingegen die Verlängerung der Schulschließungen. Wo das Infektionsgeschehen besonders dramatisch sei, müssten „natürlich“ Ausnahmen gemacht werden, dann müsse auch mal im Grundschulunterricht eine Maske getragen werden. „Aber flächendeckend dicht? Das ist und bleibt aus Sicht der Pädiater eindeutig der falsche Weg“, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. © dpa/afp/kna/aerzteblatt.de

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Avatar #823488
Susanna Winter
am Donnerstag, 7. Januar 2021, 13:17

Ende der Fallpauschale und der Kosten Leistung Rechnung sinnvoller

Lockdown als Alternative zum steuerfinanzierten Gesundheitswesen ohne Fallpauschale halte ich für eine ganz schlechte Lösung. Solange stellen gestrichen und Betten abgebaut werden wird es Überlastung geben.
Avatar #863123
Mittenwald01
am Donnerstag, 7. Januar 2021, 11:01

Aussage der Hr. Dr. Reinhardt hinterfragenswert

Die Wissenschaft, die zur Entscheidung hinzugezogen wurde sieht so aus:

Prof. Dr. Lothar Wieler (Präsident RKI)
Prof. Dr. Christian Drosten (Institutsdirektor für Virologie der Berliner Charite)
Prof. Dr. Heyo Kroemer (Vorstandsvorsitzender der Berliner Charite)
Prof. Dr. Michael Meyer-Hermann (Leiter der Abteilung System Immunologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig
Dr. Viola Priesemann (Max-Planck-Institut Göttingen)
Prof. Dr. Reinhard Berner (Uni Klinikum Dresden)

Somit ist klar: Es war kein ausgewiesener Kritiker des Corona-Kurses unter den Wissenschaftlern, deren Expertise für die Verlängerung des Lockdowns entscheidend war. Dem Grundsatz, immer auch die andere Seite anzuhören, wurde damit nicht Rechnung getragen. Lediglich Berner steht etwa bei der Frage von Schulschließungen auf einem Kurs, der von dem der anderen Wissenschaftler abweicht.

Noch wichtiger und besonders bezeichnend: Es sind ein Tierarzt, ein Kinderarzt, ein Virologe, ein Pharmakologe sowie zwei Physiker, die hier die Regierung beraten haben und damit maßgeblich bestimmten, wie 83 Millionen Menschen weiter leben werden. Kein einziger Soziologe, Psychologe, Wirtschaftswissenschaftler, Sozialpädagoge, Erziehungswissenschaftler oder Wissenschaftler aus anderen Bereichen, auf die der Lockdown massive Auswirkungen hat. Zudem ist Wieler Leiter einer Behörde und damit weisungsgebunden.

Wie konnten die Regierenden abwägen zwischen Nutzen und Kollateralschaden eines Lockdowns, wenn kein einziger Wissenschaftler bei den entscheidenden Beratungen dabei war, der eben auf die Bereiche spezialisiert ist, in denen die Kollateralschäden entstehen? Wer hat für die Kinder und Eltern gesprochen? Wer für die psychisch belasteten Menschen? Für Unternehmer, die um ihre Existenz zittern? Hätten deren Vertreter nicht genauso mit am (digitalen) Tisch sitzen müssen wie die Vertreter eines harten Lockdowns?

War bei dieser Besetzung der Runde nicht schon vorab klar, dass es Verschärfungen statt Lockerungen geben würde?
Avatar #745246
Andre B.
am Donnerstag, 7. Januar 2021, 08:06

@jc.ulshoefer

Danke für Ihre Einschätzungen!

Zur Quellenangabe:

>>> https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/download-data-hospital-and-icu-admission-rates-and-current-occupancy-covid-19; https://covidtracking.com/data/download; https://api.covid19tracker.ca

"Raw data on hospitalization and Intensive Care Unit (ICU) admission rates and current occupancy for COVID-19 is sourced from the European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), the COVID Tracking Project, and the COVID-19 Tracker.

Our complete COVID-19 dataset is a collection of the COVID-19 data maintained by Our World in Data. It is updated daily and includes data on confirmed cases, deaths, and testing.

We have created a new description of all our data sources. You find it at our GitHub repository here. There you can download all of our data." >>> https://github.com/owid/covid-19-data/tree/master/public/data/

Zu Ihren Ausführungen:

Den von Ihnen korrekt inkludierten Zeitintervall von 2 -3 Wochen hatte ich in meine Überlegungen bereits miteinbezogen, aber auch damit lassen sich die ingesamt 6 Wochen seit denen ein massives Auseinanderlaufen der Kurven festzustellen ist nicht zufriedenstellend erklären.

Um aber nun auch meine Theorie miteinzubringen, so liegt in meinen Augen hier der Verdacht nahe, das Personen die eigentlich wegen ganz anderer Erkrankungen auf die Intensivstation gelangt sind, aufgrund eines meines Wissens zwingend durchgeführten PCR-Tests, der dann mitunter noch flasch-postiv ausgefallen ist, in Folge dessen zu Covid-19 ICU-Patienten umdeklariert oder Intensivpatienten auch ohne positivem PCR-Test und nur mit Verdachtsdiagnose einer COVID-19-Erkrankung, dann trotzdem als Covid-19 Fälle erfasst wurden.

Die Initiative-Qualitätsmedizin stelle dazu ebenfalls fest:

"Wir fanden mit insgesamt 48.673 eine höhere Zahl von stationären Patienten, die mit der Verdachtsdiagnose einer COVID-19-Erkrankung, allerdings ohne Labornachweis der Infektion, behandelt wurden (U07.2). Die U07.2 Fälle weisen eine Sterblichkeit von 6,2% auf. Ganz offensichtlich handelte es sich bei diesen Patienten um eine andere Population als bei den nachgewiesenen COVID-19-Fällen."

>>> https://www.initiative-qualitaetsmedizin.de/covid-19-pandemie

Weiter zu klären wäre dabei ebenfalls noch, warum Deutschland in den Grafiken eine absolute Ausnahmestellung einimmt und auch nur hier solch ein Auseinanderdriften und ebenfalls massiver Anstieg der ICU-Belegungszahlen zu registrieren ist. In allen anderen aufgeführten Ländern verhalten bzw. entwickeln sich beide Graphen im etwa gleichen Verhältnis zueinander rückläufig.
Avatar #55321
jc.ulshoefer
am Donnerstag, 7. Januar 2021, 07:20

Datenquelle

Welche Quelle wird denn für die Grafik verwendet? Hab mich versucht durchzuklicken bin aber nicht fündig geworden. Bei uns steigt die Zahl der stationären COVID-19 Fälle jedenfalls konstant, und die Neuinfizierten von vor 2-3 Wochen trudeln langsam auf der ICU ein mit dem üblichen Zeitintervall bei schweren Verläufen.
Bezieht sich Einweisung hier auf alle Neuaufnahmen oder auf die „regulär“ Eingewiesenen? (Nur geraten) Abgesehen davon geht ja nicht jeder von der KH Tür direkt zur ICU, da können ja durchaus einige Tage reguläre COVID Station zwischen liegen.
Bei bekannten Infektionszahlen der letzten Wochen (auf der gleichen Seite zu finden), insbesondere in der +70 und +80 jährigen, ist ja ein Anstieg von stationären und Intensiv Fällen zwingend. Es sei den man glaubt an die Weltverschwörung, dann ist einem sowieso nicht zu helfen.
Avatar #745246
Andre B.
am Donnerstag, 7. Januar 2021, 05:59

Statistisches Artefakt

Vorweg möchte ich unbedingt noch erwähnen, das ich hiermit die Grundaussage von Herrn Dr. Reinhardt grundsätzlich NICHT in Frage stellen möchte, obwohl ich selbst einer anderen Interpreation der Gesamtlage anhängig bin.

Ich zitiere dazu aus dem Artikel:

"Reinhardt sagte, damit das Gesundheitswesen vor Überlastung geschützt wird, sei auch die ebenfalls beschlossene Verlängerung der bisher bereits geltenden Lockdownmaßnahmen richtig und unaus­weich­lich."

Wie genau ist es denn eigentlich wohl zu erklären, das seit 15. November die Krankhauseinweisungen aufgrund von Covid-19 quasi stagnieren und ab dem 13. Dezember sogar im steilen Tiefflug nach unten sind ( >>> https://ourworldindata.org/grapher/weekly-hospital-admissions-covid?tab=chart&stackMode=absolute&country=GBR~FRA~ESP~DEU~BEL~NLD~USA~ITA ), aber gleichzeitig und bis zum heutige Tage, die Anzahl der dt. Covid-19 ICU-Patienten konstant weiter ansteigen soll? >>> https://ourworldindata.org/grapher/current-covid-patients-icu?tab=chart&stackMode=absolute&time=2020-03-18..latest&country=DEU~FRA~SWE~ESP~GBR~NLD~BEL~AUT

Ich perönlich habe zwar schon eine eigene Idee dazu entwickelt, aber vielleicht hat ja hier auch wer anders eine in sich schlüssige Theorie dazu auf Lager?!
Avatar #81975
wafl
am Mittwoch, 6. Januar 2021, 20:03

Pauschalisierende Headline

Es steht den einzelnen Sprechern der Verbände zu, ihre Meinung zu der Regierungspolitik kundzutun. Aber sicherlich begrüßt nicht die gesamte Ärzteschaft Deutschlands solch gravierende Einschnitte in die Rechte jedes Einzelnen. Insbesondere wenn die Evidenz für einzelne Maßnahmen fraglich ist. (siehe J. M. Brauner et al., Science. 10.1126/science.abd9338 (2020). Eine etwas differenzierte Sicht der Dinge wäre bei einem gewählten Ärztekammerpräsidenten wünschenswert.
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