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Ausland

Aufklärungsmission: China blockiert WHO-Experten in letzter Minute

Mittwoch, 6. Januar 2021

/picture alliance, Andy Wong

Genf – China hat in letzter Minute die Einreise von Experten verhindert, die im Auftrag der Weltgesund­heitsorganisation (WHO) die Ursprünge des Coronavirus SARS-CoV-2 erkunden sollen. „Ich bin sehr ent­täuscht über diese Nachricht“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus gestern in Genf in einer ungewöhnlich deutlichen Kritik an China. „Das ist sehr frustrierend“, meinte Nothilfekoordinator Michael Ryan.

Zwei Experten hätten die Reise gestern schon angetreten gehabt, zwei weitere hätten ihre Abreise in letzter Minute stoppen müssen, sagte Tedros. Einer der bereits Abgereisten sei nach Hause zurück­gekehrt, der zweite habe die Reise in einem Drittland unterbrochen, sagte Ryan.

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Entgegen den Absprachen habe Peking kurzfristig mitgeteilt, dass die nötigen Einreisepapiere noch nicht vorlägen. Tedros habe den chinesischen Behörden die Dringlichkeit der Mission erneut in Erinnerung ge­rufen, sagte Ryan. Die Behörden hatten versichert, dass die Papiere nun zügig bereitgestellt würden.

Aus China hieß es, bei der anhaltenden Prüfung der Mission gehe es „nicht nur um Visa-Probleme“, sagte die chinesische Außenamtssprecherin Hua Chunying in Peking. Die Gespräche „über das genaue Datum und die genaue Gestaltung des Besuchs der Expertengruppe“ dauerten an. „Die Pandemie in der Welt ist noch sehr schlimm und auch China tut sein Möglichstes, um ihr vorzubeugen und sie in den Griff zu bekommen“, versicherte die Außenamtssprecherin.

Die WHO verhandelt seit Monaten mit China über diese Expertenmission. Die Diskussionen kamen nur zäh voran. Jeder einzelne Experte muss von chinesischer Seite abgesegnet werden, bevor das Team die Arbeit aufnehmen kann. Die Experten wollen unter anderem in die zentralchinesische Metropole Wuhan reisen, wo das Virus im Umfeld eines Marktes zuerst nachgewiesen worden war.

Chinesische Behörden streuen seit Monaten Zweifel daran, dass das Virus überhaupt aus China stammt. Staatsmedien verwiesen auf unbestätigte Berichte, dass es mögliche SARS-CoV-2-Infektionen vor der Entdeckung der ersten Fälle Anfang Dezember 2019 in Wuhan schon in anderen Ländern gab.

Die Mission gilt als politisch äußerst heikel. Die Regierungen mehrerer Länder werfen den chinesischen Behörden Vertuschungsversuche am Anfang der Pandemie vor. Zunächst hatte Peking eine unabhängige internationale Untersuchung der Ursprünge des Virus verweigert.

Unterdessen haben die Behörden in China nach dem Nachweis von mehr als hundert Infektionen mit SARS-CoV-2 im chinesischen Shijiazhuang die Millionenmetropole abgeriegelt. Die Hauptzufahrts­stra­ßen zu der Hauptstadt der Provinz Hebei wurden heute blockiert. Außer den zehn Autobahnen war auch ein Busbahnhof von den Maßnahmen betroffen. Zudem wurden in Shijiazhuang alle Schulen geschloss­en.

Die Stadt liegt 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Peking. Im Großraum Shijiazhuang leben etwa elf Millionen Menschen. In den vergangenen Tagen hatten die Behörden 117 Coronainfektionen festgestellt, davon 63 allein heute. In 78 Fällen traten bei den Infizierten keine Symptome auf.

Der Stadtbezirk Gaocheng wurde zum Hochrisikogebiet erklärt und abgeriegelt. Das Viertel mit 40.000 Einwohnern ist derzeit das einzige Gebiet in China, das als Hochrisikogebiet eingestuft ist. Alle Einwoh­ner von Gaocheng wurden auf Corona getestet, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. In der nahe­ge­legenen Stadt Nangong wurden mehr als 400.000 Einwohner getestet.

Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von Polizeikontrollen an Straßensperren und Gesundheitspersonal, das in Schutzkleidung Abstriche bei den Einwohnern von Shijiazhuang nahm. Die Bilder erinnern an die Abriegelung der Millionenmetropole Wuhan vor einem Jahr, als dort die Coronapandemie ihren Ausgang genommen hatte.

Mit strikten Maßnahmen wie der Abriegelung mehrerer Städte und Massentests hatte China das Infekti­onsgeschehen bis zum Frühjahr unter Kontrolle gebracht. In den vergangenen Wochen gab es aber einzelne Ausbrüche in der Volksrepublik , so dass die Fallzahlen stiegen.

Auch wenn die täglichen Infektionszahlen bei Weitem nicht so hoch sind wie etwa in Europa, sind die Behörden alarmiert. Schließlich wird am 12. Februar das chinesische Neujahrsfest gefeiert und aus diesem Anlass sind üblicherweise hunderte Millionen Menschen im ganzen Land unterwegs. Die chi­nesischen Behörden sind daher bemüht, möglichst schnell möglichst viele Menschen zu impfen. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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