szmtag Weitere Reiserückkehrer tragen Virusmutante B.1.1.7 nach Deutschland
NewsPolitikWeitere Reiserückkehrer tragen Virusmutante B.1.1.7 nach Deutschland
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Weitere Reiserückkehrer tragen Virusmutante B.1.1.7 nach Deutschland

Freitag, 8. Januar 2021

/picture alliance, Clara Margais

Berlin – Nach dem ersten Auftreten der Coronavirus-Mutante B.1.1.7 in Baden-Württemberg haben diese Woche Sachsen, Berlin und Bayern weitere Nachweise des mutierten Virus in Deutschland gemeldet. Die infizierten Personen seien aus Großbritannien eingereist, wo die Mutation im September erstmals identi­fiziert worden sei, teilten die Landesgesundheitsministerien mit.

Erste Modellierungen aus Großbritannien hatten der Virusmutation mit dem Namen B.1.1.7 eine schnel­le­re Übertragung zugeschrieben. Im Südosten der englischen Insel habe sie bereits das Wildtypvirus ver­drängt. Experten sind daher zunehmend besorgt über die Auswirkungen der veränderten Eigenschaften von B.1.1.7 auf die bisherigen Erfolge und weitere Bekämpfung der Pandemie.

Anzeige

Das zuständige Gesundheitsamt in Dresden sehe jedoch keine akute Gefahr der Weiterverbreitung der Mutante. Die betroffene Person habe sich sofort nach ihrer Ankunft aus Großbritannien in Quarantäne begeben, hieß es. Die Mutation war anschließend bei einer stichprobenartigen Untersuchung positiver Proben durch das Robert-Koch-Institut (RKI) nachgewiesen worden.

In Berlin seien die betroffene Person und weitere erkrankte Kontaktpersonen inzwischen genesen, teilte die Berliner Senstsverwaltung für Gesundheit mit. Es bestehe Kenntnis von einem vorherigen Aufenthalt in Großbritannien. Zurzeit werde dem Verdacht nachgegangen, dass es vor der Isolierung des Indexfalls zwei mögliche weitere Kontaktpersonen gegeben haben könnte.

In Bayern war es bereits der zweite Fall der Coronavariante B.1.1.7. Am vergangenen Mittwoch hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) über den ersten Fall berichtet – ebenfalls eine Reiserück­keh­rerin aus Großbritannien.

„Der betroffene Passagier wurde direkt nach der Einreise am Flughafen München positiv auf SARS-CoV-2 getestet“, hieß es gestern aus dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Das Konsiliarlabor für Coronaviren an der Charité in Berlin hätte die neue Variante nachgewiesen. Der­zeit werde dort noch eine dritte Probe aus Bayern auf B.1.1.7 untersucht, so das Ministerium. Auch diese stamme von einem Reisenden aus Großbritannien.

Suche nach Mutanten beginnt

Wie verbreitet die B.1.1.7-Mutation bereits in Deutschland ist, lässt sich nicht genau beziffern. Doch auch ohne konkrete Daten müsse man politische Entscheidungen zur Eindämmung treffen, sagte die Epidemi­ologieprofessorin Isabella Eckerle von der Universität Genf bei einem Expertengespräch des Science Media Centers (SMC) heute.

„Wenn sich die neue Variante tatsächlich auch bei uns durchsetzt, dann haben wir ein Problem“, meinte sie. Denn Deutschland schaffe es schon mit den aktuell kursierenden Virusvarianten nicht, die Fallzahlen maßgeblich zu senken. Eine ansteckendere Variante würde die Umsetzung der Schutzmaßnahmen weiter massiv erschweren, so Eckerle weiter.

Deshalb müsse Deutschland dringend beginnen, mehr positive Proben zu sequenzieren, also die genaue Basenabfolge der RNA der Viren zu bestimmen, erklärte sie. So könnten auch andere Mutationen frühzei­tig erkannt werden.

„Das wird nicht die letzte Mutation sein, die uns begegnet“, sagte dazu Andreas Bergthaler, Leiter der For­schungsgruppe Virale Pathogenese und antivirale Immunantworten am Forschungsinstitut für Mole­kulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Seiner Ansicht nach sollten europäi­sche Länder bei der Sequenzierung stärker zusammenarbeiten, da diese zeit- und kostenaufwendig sei. Zudem sei für jedes Land relevant, welche Mutationen in den Nachbarländern auftreten, erläuterte er bei der SMC-Expertenrunde.

Bislang wird in Deutschland etwa jede 900. positive Probe sequenziert. Rund 2.000 SARS-CoV-2-Genome aus Deutschland wurden in internationale Genomdatenbanken eingespeist. Aus Großbritannien hinge­gen wurden bereits etwa 170.000 Virusgenome entschlüsselt.

Etwa jede 15. positive Probe sequenziert dort ein Konsortium aus öffentlichen Gesundheitseinrichtungen und Forschungsinstituten, finanziert von der britischen Regierung. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) hatte diese Woche angekündigt, die Sequenzierung in Deutschland mit einer neuen Rechtsverord­nung regeln zu wollen. © jff/dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER