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Medizin

REMAP-CAP-Studie: Tocilizumab und Sarilumab senken Sterberisiko bei schwerem COVID-19

Freitag, 8. Januar 2021

/Tobias Arhelger, stock.adobe.com

London – Die beiden Antikörper Tocilizumab und Sarilumab, die die Rezeptoren von Interleukin-6 neu­trali­sieren und damit einer Hyperinflammation entgegen wirken, haben in einer internationalen Studie die Sterblichkeit von Patienten mit schwerem COVID-19 signifikant gesenkt. Laut den in medRxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.01.07.21249390) vorveröffentlichten Ergebnissen könnten die Medikamente die Wirkung von Steroiden verbessern, für die in einer früheren Studie eine lebensverlängernde Wirkung nachgewiesen wurde.

Interleukin-6 hat eine wichtige Rolle in der angeborenen Immunabwehr. Das Zytokin wird relativ früh im Verlauf einer Infektion freigesetzt. Es mobilisiert die Makrophagen und neutrophilen Granulozyten, die Krankheitserreger mit relativ groben Methoden abwehren. Bei schweren Infektionen mit SARS-CoV-2 kommt es zu einer Hyperinflammation, die dem Körper mehr schadet als nutzt.

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Der Antikörper Tocilizumab, der eigentlich zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis entwickelt wurde, hat sich in solchen Situationen als hilfreich erwiesen. Bei der Krebsimmuntherapie wird er zur Behand­lung des „Zytokinsturms“ eingesetzt. Sarilumab hat den gleichen Wirkmechanismus.

Beide Wirkstoffe gelten seit einigen Monaten als aussichtsreiche Medikamente für die Behandlung schwe­rer Verlaufsformen von COVID-19. Die Ergebnisse bisheriger Studien waren jedoch nicht eindeutig. Die neue Analyse der Studie REMAP-CAP könnte dies jetzt ändern. Die internationale Studie (mit starker deu­tscher Beteiligung) untersucht seit 2016 verschiedene Therapiestrategien bei ambulant erworbenen Pneu­monien. Ursprünglich lag der Schwerpunkt auf Grippeerkrankungen. Derzeit werden vor allem Patienten mit COVID-19 behandelt.

Zum Zeitpunkt einer Zwischenauswertung waren 353 Patienten mit Tocilizumab und 48 Patienten mit Sarilumab behandelt worden. Die Ergebnisse wurden mit 402 Patienten einer Kontrollgruppe verglichen. Fast alle Patienten (93 %) waren zusätzlich mit einem Steroid behandelt worden, das seit der Publikation der RECOVERY-Studie zum Behandlungsstandard bei schweren COVID-19-Verläufen gehört.

Zu den Einschlusskriterien der Studie gehört die Notwendigkeit einer Atemunterstützung. Dies war bei 41,5 % der Patienten eine nicht-invasive und bei 29,4 % eine mechanische Beatmung. Die übrigen Patien­ten erhielten zumeist Sauerstoff über eine Sonde.

Der erste primäre Endpunkt war die Zahl der Tage, an denen die Patienten ohne Atemunterstützung aus­kamen. Dies war in der Tocilizumab-Gruppe an median 10 Tagen und in der Sarilumab-Gruppe an median 11 Tagen der Fall gegenüber keinem einzigen Tag in der Kontrollgruppe. Das Team um Anthony Gordon vom Imperial College London ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 1,64 (95-%-Konfidenzintervall 1,25 bis 21,4) für ein besseres Ergebnis mit Tocilizumab und von 1,76 (1,17 bis 2,91) für ein besseres Ergebnis mit Sarilumab. Die Ergebnisse waren mit einer Wahrscheinlichkeit von über 99,5 % statistisch signifikant.

Die Krankenhausmortalität, der zweite primäre Endpunkt der Studie, betrug in der Tocilizumab-Gruppe 28,0 % (98 von 350 Patienten) und in der Sarilumab-Gruppe 22,2 % (10 von 45 Patienten) gegenüber 35,8 % (142 von 397 Patienten) in der Kontrollgruppe. Der absolute Rückgang der Sterblichkeit beträgt (für beide Medikamente zusammengenommen) laut Gordon 8,5 %. Dies ergäbe eine Number Needed to Treat von 11,76, die für einen beachtlichen klinischen Nutzen der Behandlung spricht. Eine Überprüfung durch externe Gutachter (Peer-Review) steht jedoch noch aus.

Nach den Berechnungen von Gordon erhöhte die Behandlung mit Tocilizumab die Überlebenswahr­schein­lichkeit um 64 % (Odds Ratio 1,64; 1,14 bis 2,35). Patienten, die mit Sarilumab behandelt wurden, hatten sogar eine zweifach höhere Überlebenschance (Odds Ratio 2,01; 1,18 bis 4,71). Die im Vergleich zu Tocilizumab besseren Ergebnisse von Sarilumab müssen nicht echt sein. Sie könnten auch zufällig als Folge der kleineren Zahl der Patienten aufgetreten sein.

Die Behandlung mit den Interleukin-6-Blockern war laut Gordon nicht mit einer vermehrten Zahl von Neben­wirkungen verbunden. Dies entspricht den Erfahrungen, die mit Tocilizumab in früheren Studien zur kurzfristigen Behandlung eines Zytokinsturms gemacht wurden.

Die Ergebnisse der Studie wurden von den britischen Experten überwiegend positiv bewertet. Peter Horby von der Universität Oxford sprach von einer qualitativ hochwertigen Studie. Andere Experten wiesen darauf hin, dass die Behandlung die Intensivstationen entlasten könnte, wenn die Patienten eine Woche früher entlassen werden könnten.

Die Behandlung bietet jedoch keine Garantie für ein Überleben der Erkrankung. Auch bei einer optimalen intensivmedizinischen Betreuung in der Behandlung mit Steroiden plus einem Interleukin-6-Blocker endete die Erkrankung für jeden vierten Patienten mit dem Tod. © rme/aerzteblatt.de

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