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Medizin

Kasus: Mütter übertrugen Zervixkarzinom unter der Geburt auf ihr Kind

Freitag, 22. Januar 2021

/warrior3d, stock.adobe.com

Tokio – Schwangere mit einem Zervixkarzinom können bei einer vaginalen Entbindung ihre Kinder mit den Krebszellen infizieren. Japanische Mediziner können dies im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2030391) anhand eines Genvergleichs zwischen den Tumoren von Mutter und Kind bele­gen. In den Lungentumoren beider Kinder wurden auch die Gene der Viren nachgewiesen, die bei der Mutter den Krebs ausgelöst hatten.

Dass Mütter eine Krebserkrankung auf ihr Kind übertragen, ist vermutlich sehr selten. Ayumu Arakawa vom Nationalen Krebszentrum in Tokio und Mitarbeiter fanden bei ihrer Literaturrecherche nur 18 zuvor publi­zierte Fallberichte. Bei allen hatten die Krebszellen das Kind vermutlich über die Plazenta erreicht. Bei den beiden Kindern, die die japanischen Krebsforscher jetzt vorstellen, erfolgte die Übertragung höchstwahr­schein­lich unter der Geburt bei einer vaginalen Entbindung.

Beide Mütter waren nachweislich an einem Zervixkarzinom erkrankt, an dem beide auch starben. Bei der ersten Frau war 7 Monate vor der Geburt des Kindes noch ein Zervixabstrich negativ ausgefallen. Der Krebs wurde 3 Monate nach der Geburt entdeckt. Die Chemotherapie war nur teilweise erfolgreich und auch eine spätere Behandlung mit Nivolumab konnte den Tumor nicht stoppen. Ihr Sohn erkrankte im Alter von 23 Monaten. Im CT wurden mehrere Tumore in der Nähe der Bronchien gefunden. Aufgrund einer Histologie wurde zunächst ein neuroendokriner Tumor vermutet.

Eine auffällige Ähnlichkeit mit dem histologischen Befund bei der Mutter veranlasste das Team zu einer genaueren Genomanalyse. Dabei wurde entdeckt, dass beide Tumore die gleichen pathogenen Punkt­muta­tionen in den Onkogenen KRAS und TP53 hatten. Auch an 47 anderen Stellen des Genoms hatten die Tumore von Mutter und Kind dieselben Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP).

Im Tumor des Kindes fehlte zudem das Y-Chromosom, und in beiden Tumoren wurden Gene des Typ 18 des humanen Papillomvirus (HPV) gefunden, der zu den Auslösern des Zervixkarzinoms zählt. Anders als die Mutter sprach das Kind auf eine Behandlung mit Nivolumab an, nachdem es vorher schon Zeichen einer spontanen Remission gab. Das Immunsystem hatte den Tumor am Ende besiegt.

Bei der Mutter des zweiten Kindes war während der Schwangerschaft ein Tumor in der Zervix beobachtet worden. Da ein Zervixabstrich negativ war und der Tumor sich in der Schwangerschaft nicht veränderte, wurde er ignoriert. 3 Monate nach der Entbindung wurde dann ein aggressives Zervixkarzinom entdeckt, an dem die Frau 2 Jahre später trotz radikaler Operation starb.

Als der Tumor beim Sohn im Alter von 6 Jahren entdeckt wurde, war es für eine Operation zu spät. Nach mehreren Chemotherapien konnte der Krebs so weit verkleinert werden, dass eine einseitige Pneumonek­tomie möglich wurde. Das Kind ist 15 Monate nach der Operation ohne Rezidiv.

Auch in dem 2. Kasus konnten die Forscher identische Punktmutationen in 2 Onkogenen (KRAS und STK121) und 38 gleiche SNP nachweisen. Im Tumor des Sohnes fehlte ebenfalls das Y-Chromosom. Ein Test auf HPV 16 fiel in den Tumoren von Mutter und Kind positiv aus.

Die japanischen Onkologen sind überzeugt, dass beide Kinder die Krebszellen der Mutter bei der vaginalen Entbindung aufgenommen und dann vermutlich aspiriert haben. Auch wenn es sich vermutlich um sehr seltene Ereignisse handelt, raten sie dazu, Schwangere mit Verdacht auf Zervixkarzinom vorsichtshalber per Kaiserschnitt von ihrem Kind zu entbinden. © rme/aerzteblatt.de

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