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Politik

Behinderten­beauftragter kritisiert Barrierefreiheit für Arztpraxen

Freitag, 15. Januar 2021

/cunaplus, stock.adobe.com

Berlin – Nach Ansicht des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Jürgen Dusel, ist das Recht auf freie Arztwahl für Menschen mit Behinderungen in Deutschland eingeschränkt. Zu wenige Arztpraxen seien bisher barrierefrei, kritisierte er diese Woche bei einer Onlinefortbildung zu inklusiver Architektur der Bundesarchitektenkammer und der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen.

Rund 26 Prozent der Haus- und Facharztpraxen hätten einen „uneingeschränkt barrierefreien“ Zugang, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion vom Oktober 2020 hervorgeht.

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Ein mindestens „begrenzt barrierefreier“ Zugang werde von knapp 29 Prozent der Hausarztpraxen und 28 Prozent der fachärztlichen Praxen gewährleistet. Die Daten stammen aus einem Auszug des Bundesärz­te­registers aus sieben Bundesländern. Eine „uneingeschränkt barrierefreie“ Praxis benötigt nach bundes­einheitlicher Systematik einen ebenerdigen Zugang, einen rollstuhlgerechten Aufzug sowie breite Türen und größere Bewegungsflächen.

„Die wenigsten ärztlichen Praxen geben an, zumindest teilweise barrierefrei zu sein. Das ist ein Quali­täts­problem im Gesundheitsbereich und definitiv nicht akzeptabel“, sagte Dusel. Daher wolle er Ärzte künftig bei der Übernahme bestehender Praxen stärker in die Pflicht nehmen, die Barrierefreiheit sicher­zustellen. Zudem wünsche er sich ein finanzielles Förderprogramm speziell für den barrierefreien Umbau von Arztpraxen.

Ideen zur Finanzierung hatte auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in vergangenen Jahren vorgebracht. Bisher gibt es solch eine zugeschnittene Förderung nicht. Die Vorschriften bei Praxisüber­nahmen würden zudem die Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder festlegen, so die KBV.

Auf ihren Informationsseiten zur Barrierefreiheit in Arztpraxen weitere sinnvolle Hilfen aufgeführt, wie beispielsweise eine verständliche Ausschilderung der Wege sowohl außerhalb als auch im Inneren der Praxis, die Möglichkeit zur Anmeldung per Fax, SMS oder E-Mail oder eine nicht blendende Beleuchtung.

Besonders für Menschen mit Seh-, Hör- oder geistiger Behinderung sei es zudem oftmals schwierig, sich verständlich zu machen. Entsprechende Sprach- und Kommunikationskenntnisse des Praxisteams wür­den den Zugang für Menschen mit Behinderungen weiter verbessern.

Doch komplett barrierefreie Praxis gebe es nur selten, räumt die KBV ein. Denn Barrierefreiheit habe Gren­zen, beispielsweise wenn es in alten Häusern keinen Fahrstuhl gebe oder die Praxisräume sehr ver­winkelt seien. Patienten sollten sich aber nicht scheuen, ihre Ärzte auf Verbesserungsvorschläge hinzu­wei­sen, so die KBV.

„Barrierefreiheit ist keine Nettigkeit, sondern ein Menschenrecht – und darüber hinaus auch ein Wettbe­werbsvorteil“, erklärte Dusel. Dafür brauche es kreative und intelligente Ideen seitens der Architekten, ergänzte Martin Müller, Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer, „um mit guten Beispielen auch die Barrieren in den Köpfen abzubauen und den Weg zu einer inklusiven Umwelt maßgeblich mitzugestal­ten.“ © jff/aerzteblatt.de

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Avatar #722321
Hennighausen
am Samstag, 16. Januar 2021, 23:12

Barrierefreiheit, eine Frage des Geistes und des Geldes

Manche Fragen der Barrierefreiheit, ein Gebot, ein Auftrag unserer Zeit, lassen sich vergleichsweise einfach umsetzten, z. B. eine gut lesbare Beschilderung in der Praxis und Informationsbögen mit großer Schrift und in leichter Sprache verfasst. Sobald aber bauliche Veränderungen angezeigt sind, ist es in erster Linie eine Frage des Geldes, und dieses oft genug verdammt knapp: Bei ca. 20 € pro Patient und Quartal f. eine durch das Budget begrenzte Anzahl an Patienten - abgesehen von einem Teil der Nachsorgen nach Operationen - , in einer eher wirtschaftsschwachen Region mit vergleichsweise wenigen IGel und wenigen Privatversicherten, muss eine Praxis sehen wie sie durchkommt, dann ist für aufwändige Umbaumaßnahmen kein Geld übrig. Der Gedanke des Wettbewerbsvorteils einer barrierefreien Praxis ist theoretisch richtig,
greift aber in unserem GKV-System nur begrenzt, da das GKV-System aufgrund der Budgetierung eher der Plan-als der Marktwirtschaft zuzuordnen ist. Staatliche Hilfen f. d. Umbau von Praxen, wie oben dargelegt, wären zu begrüßen.
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