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Medizin

Long COVID: 3 von 4 Patienten haben nach 6 Monaten noch Beschwerden

Montag, 11. Januar 2021

/sdecoret, stock.adobe.com

Wuhan – Viele Patienten erholen sich nur langsam von COVID-19, einige könnten dauerhafte gesund­heitliche Schäden davon tragen. Dies lassen die im Lancet (2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)32656-8) publizierten Nachuntersuchungen von Patienten befürchten, die im letzten Frühjahr in einer Klinik in Wuhan behandelt wurden.

Die Jin Yin-tan Klinik in Wuhan konnte bis Ende Mai letzten Jahres 2.469 Patienten nach einer Behand­lung von COVID-19 lebend entlassen. Der Mediziner Chaolin Huang und Mitarbeiter konnten bis Anfang September 1.733 Patienten nach ihrem Gesundheitszustand befragen, 390 Patienten wurden eingehend medizinisch untersucht.

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Insgesamt 76 % der Patienten gaben bei der Befragung an, dass sie etwa 6 Monate nach der Entlassung aus der Klinik weiter unter Beschwerden litten, wobei Müdigkeit oder Muskelschwäche mit 63 % das am häufigsten berichtete Symptom war. Über Schlafstörungen beklagten sich 26 % und in dem Fragebogen EQ-5D gaben 23 % an, unter Angst oder Depressionen zu leiden. Da es keine Informationen zum Gesund­heitszustand vor der Erkrankung gab, bleibt unklar, welcher Anteil auf die Nachwirkungen von COVID-19 zurückzuführen ist. An der Existenz eines „Long COVID“ dürfte jedoch nicht zu zweifeln sein.

Etwa 1/4 der Patienten erreichte in einem 6-Minuten-Gehtest subnormale Werte. Der Anteil betrug 24 % bei den Patienten, die bei dem Klinikaufenthalt 6 Monate zuvor keinen zusätzlichen Sauerstoff benö­tigten (Schweregrad 3), 22 % bei den Patienten, die Sauerstoff erhalten hatten (Schweregrad 4) und 29 % bei den Patienten, die Sauerstoff über HFNC („High Flow Nasal Cannula“) erhalten hatten oder beatmet werden mussten (Schweregrad 5 und 6).

In den Lungenfunktionstests wurde auch 6 Monate nach der Genesung noch häufig eine verminderte Diffusionskapazität gemessen. Der Anteil mit einem Kohlenmonoxid-Transferfaktor (TLCO) von unter 80 % betrug beim Schweregrad 3 22 %, beim Schweregrad 4 29 % und beim Schweregrad 5 oder 6 sogar 56 %. Im CT wurden bei mehr als der Hälfte der Patienten noch Veränderungen beobachtet: In den meisten Fällen waren dies Milchglastrübungen oder unregelmäßige Zeichnungen, die darauf hindeuten, dass die Lungenentzündung noch nicht restlos ausgeheilt war.

Bei 13 % der Patienten, die in der Klinik keine Nierenschädigung aufwiesen, wurde bei der Nach­untersuchung ein Abfall der geschätzten glomerulären Filtrationsrate auf unter 90 ml/min/1,73 m2 festgestellt. Dies deutet auf eine mögliche permanente Nierenschädigung hin. Es wurden allerdings keine Messungen mit der Plasma-Clearance von Iohexol oder Iothalamat durchgeführt, die dies eindeutig belegt hätten.

Bei 94 Patienten wurden genaue Antikörperuntersuchungen durchgeführt. Die Seropositivität war von 96,2 % auf 58,5 % zurückgegangen und der mediane Titer der neutralisierenden Antikörper von 19,0 auf 10,0 gefallen. Huang hält es für möglich, dass bei einigen Patienten der Immunschutz so weit gefallen ist, dass sie sich erneut mit SARS-CoV-2 infizieren könnten. Die Forscher machen keine Angaben zu Reinfektionen, die allerdings derzeit in China wegen der sehr geringen Prävalenz nicht zu erwarten wären. © rme/aerzteblatt.de

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