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Politik

SARS-CoV-2: Genom-Sequenzierung wird ausgeweitet

Montag, 11. Januar 2021

3D-Darstellung der Coronavirus-Mutation B117/ Jezper, stock.adobe.com

Berlin – Fünf Prozent aller PCR-positiven SARS-CoV-2-Proben sollen künftig einer Genomanalyse unterzogen werden. Verbreitete Virusvarianten könnten so in Deutschland früher erkannt und dem Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet werden. Das geht aus dem Referentenentwurf des Bundesgesundheits­ministeriums (BMG) hervor, der dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt. Der Entwurf zur Verordnung geht nun in die Abstimmung mit den weiteren Ressorts und den betroffenen Verbänden.

Mithilfe der Verordnung soll die sogenannte molekulare Surveillance, also die genetische Überwachung von Krankheitserregern, ausgebaut werden. Besonders im Vergleich zu Großbritannien und Dänemark, die deutlich häufiger Proben sequenzieren, war Deutschland zuletzt in die Kritik geraten, zu wenig zu sequenzieren.

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Bei fünf Prozent aller per PCR positiv getesteten Proben pro Woche soll die Gensequenz erfasst und an das RKI übermittelt werden. Ergänzende Daten, wie der Zeitpunkt der Probeentnahme oder die Postleitzahl der Patienten, sollen, ergänzt werden.

Dafür sollen nun Labore und andere Gesundheitseinrichtungen, die die technischen sowie personellen Möglichkeiten haben, zur Sequenzierung von SARS-CoV-2-Proben verpflichtet werden. Je vollzogener Genomentschlüsselung können sie anschließend 200 Euro bei den jeweilig zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) abrechnen. Die Gelder dafür kommen aus dem Bundeshaushalt und werden über das Amt für Soziale Sicherung (BAS) abgerechnet. Dies geschieht bereits ähnlich mit den Kosten für die PCR-Tests.

Praxen und Einrichtungen, die keine eigenen Sequenzierungen durchführen, dürfen bis zu fünf Prozent ihrer positiven Proben in die Labore und Einrichtungen einschicken und dafür 20 Euro Versandkosten geltend machen. Die Zahl der versendeten Proben kann sich erhöhen, wenn sich die Inzidenzen vor Ort deutlich verändern. Wenn in einer Region ein Ausbruchsgeschehen von besonderem Interesse für die Landesgesundheitsministerien oder für das RKI ist, dann können auch weitere Kosten für Proben erstattet werden.

Die genaueren Details soll die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) dem Entwurf zufolge festlegen: Dabei geht es um Dokumentation, Abrechnung sowie den Pflichten der berechtigten Leistungserbringer gegenüber den KVen. Die Verordnung soll zunächst bis Ende Juli 2021 gelten.

Nach dem verstärkten Auftreten der hoch ansteckenden Coronavirusvariante B.1.1.7 in Deutschland wurde Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) dafür kritisiert, dass es hierzulande bisher kaum gezielte Laboruntersuchungen dazu gibt.

„Die geringe Datenbasis zur Verbreitung von Coronamutationen in Deutschland ist eine große Gefahr“, sagte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner dem Berliner Tagesspiegel. Die Bundesregierung habe die systematische Sequenzierung von Coronatestproben, also die Untersuchung auf Mutationen, zu lange schleifen lassen, kritisierte er.

Während in Deutschland nur etwa jeder 900. positive Coronatest so einer Analyse unterzogen wird, ge­schieht das in Großbritannien mit etwa jedem 20. Test. Deshalb gibt es dort genauere Zahlen zum Aus­maß der Verbreitung. In Großbritannien sind die Infektions­zahlen zuletzt explodiert. Die mutierte Virus­variante gilt als besonders ansteckend.

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sagte dem Tagesspiegel mit Blick auf Spahn: „Es ist absolut sein Versäumnis.“ Er verwies auf deutliche Warnungen der Wissenschaft schon vor Ausbruch der Pandemie, dass Deutschland erhebliche Defizite bei der Genom-Sequenzierung habe.

Schon 2019, vor dem Bekanntwerden von einem SARS-CoV-2-Ausbruch, habe sich unter anderem die Ge­sellschaft für Virologie an Spahn gewandt und vergeblich einen Ausbau der Sequenzierungen gefordert. „Wir haben eine völlige Blackbox bei der Bedrohungslage“, sagt Dahmen.

Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Christine Aschenberg-Dugnus, betonte: „Aktuell haben wir eine brandgefährliche Wissenslücke, welche Mutationen in welchem Umfang in Deutschland im Umlauf sind.“ © jff/bee/afp/aerzteblatt.de

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