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Politik

Zwei Drittel der Geburtskliniken schreiben rote Zahlen

Dienstag, 12. Januar 2021

/picture alliance, dpa, Jochen Lübke

Düsseldorf – 48 Prozent der deutschen Krankenhäuser mit einer geburtshilflichen Abteilung haben Prob­leme, offene Stellen im Bereich der fest angestellten Hebammen zu besetzen. 2014 waren es noch 20 Prozent und 41 Prozent im Jahr 2018. Das geht aus dem Krankenhaus Barometer 2020 des Deutschen Krankenhausinsituts (DKI) hervor, an dem sich zwischen Ende Juni und Ende August des vergangenen Jahres 438 Akutkrankenhäuser mit mehr als 100 Betten beteiligt haben.

Auch bei Ärzten und Pflegenden ist die Zahl der offenen Stellen in der Geburtshilfe angestiegen. So konnten 2020 39 Prozent der Krankenhäuser offene Stellen im ärztlichen Dienst nicht besetzen. 2018 waren es noch 28 Prozent. Und die Zahl der Krankenhäuser, die offene Stellen im pflegerischen Dienst nicht besetzen konnten, stieg von 17 Prozent im Jahr 2018 auf 33 Prozent im vergangenen Jahr.

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Probleme im ländlichen Bereich

„Nach Bettengrößenklassen gibt es bei der Stellenbesetzung eindeutige Unterschiede zwischen dem ärztlichen Dienst und nicht-ärztlichen Berufen“, schreibt das DKI. „Kleine Krankenhäuser (zwischen 100 und 299 Betten) haben mehr Probleme als größere Einrichtungen, Arztstellen im Gebiet Frauenheil­kun­de und Geburtshilfe zu besetzen.“ Bei Pflegekräften und Hebammen zeige sich der Trend genau umge­kehrt: Hier hätten insbesondere die großen Kliniken ab 600 Betten deutlich mehr Stellen­besetzungs­prob­leme.

„Die größten Probleme, offene Stellen für Ärzte mit abgeschlossener Weiterbildung im Gebiet der Frau­en­heilkunde und Geburtshilfe zu besetzen, haben Krankenhäuser in dünn besiedelten ländlichen Räu­men“, so das DKI weiter. „Fast zwei Drittel der Krankenhäuser in diesen Regionen kämpfen mit dieser Problematik. Deutlich weniger Krankenhäuser haben Probleme, Ärzte mit abgeschlossener Weiterbildung zu finden, wenn sie in Großstädten liegen.“

Krankenhäuser mit Stellenbesetzungsproblemen haben dem Krankenhaus Barometer zufolge im Mittel 1,4 Vollzeitstellen im ärztlichen Dienst unbesetzt. Gegenüber 2018 gab es hier kaum Veränderungen.

Zahl der Beleghebammen sinkt

Beleghebammen arbeiten in 38 Prozent der geburtshilflichen Abteilungen. 2018 waren es noch 44 Pro­zent. „Der entsprechende Anteil der geburtshilflichen Abteilungen mit Beleghebammen unterscheidet sich stark je nach Größe der Krankenhäuser“, erklärt das DKI. „So sind in 51 Prozent der Krankenhäuser mit bis zu 299 Betten Beleghebammen tätig, während in den großen Einrichtungen ab 600 Betten nur noch gut jede vierte Geburtsabteilung Beleghebammen hat.“

Jede dritte Einrichtung, die zurzeit schon Beleghebammen beschäftigt, ist auf der Suche nach weiteren freiberuflichen Hebammen. Fast alle geburtshilflichen Abteilungen, die nach Beleghebammen suchen, haben jedoch Probleme, Beleghebammen zu finden. Im Mittel werden 2,2 Beleghebammen je geburts­hilflicher Abteilung gesucht. „Rechnet man die Zahl der gesuchten Beleghebammen auf alle geburts­hilflichen Abteilungen hoch, so werden 144 Beleghebammen deutschlandweit gesucht“, heißt es im Krankenhaus Barometer.

„Gemäß Statistischem Bundesamt waren 2018 1.324 Beleghebammen in den Allgemeinkran­­­ken­­­­­häusern tätig. Damit soll der derzeitige Bestand an Beleghebammen um rund elf Prozent aufgestockt werden.“

Geburtshilfe temporär geschlossen

65 Prozent der Krankenhäuser, die sich an der Umfrage beteiligt haben, gaben an, dass im Jahr 2020 die Erlöse in der Geburtshilfe niedriger waren als die Kosten. 2017 lag diese Zahl noch bei 57 Prozent.

Fünf Prozent der teilnehmenden Krankenhäuser mussten im Jahr 2020 ihre geburtshilfliche Abteilung temporär schließen. 2017 lag dieser Wert bei vier Prozent. 89 Prozent der Krankenhäuser gehen davon aus, dass sie ihre Geburtshilfe auch in drei Jahren noch betreiben können. Drei Prozent der Häuser gehen davon aus, dass sie ihre Abteilung in diesem Zeitraum schließen müssen. Sieben Prozent erklärten, es sei keine Angabe möglich.

Keine Geburtshilfe im Umkreis von 20 km

„Problematisch ist die Schließung von geburtshilflichen Abteilungen immer dann, wenn die Versor­gungs­­­­dichte an Geburtshilfen im Umkreis gering ist“, heißt es in dem Krankenhaus Barometer. „Aus diesem Grund wurde nach anderen geburtshilflichen Abteilungen in der Nähe des eigenen Kranken­hauses gefragt.“

Dabei gaben 30 Prozent der Häuser an, dass sich im Umkreis von 20 Kilometern keine weitere geburts­hilfliche Abteilung befindet. Bei gut einem Drittel der Häuser gab es in diesem Radius zwei bis vier ent­sprech­ende Abteilungen. Jedes fünfte Krankenhaus hatte in seiner Nähe mehr als vier Geburtshilfen.

Die Krankenhäuser wurden auch nach den möglichen Gründen für eine Schließung von Geburtshilfen gefragt. 88 Prozent nannten die wirtschaftliche Lage der Geburtshilfe, 80 Prozent nannten die fehlenden Hebammen und 70 Prozent eine zu geringe Zahl von Geburten. © fos/aerzteblatt.de

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Avatar #651910
thyriris
am Dienstag, 12. Januar 2021, 19:24

Katastrophe mit Ansage

In den Flächenbundesländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ist die Unterversorgung größtenteils bereits Realität.
Geburtshilfe,wie auch Kinderheilkunde, lohnt sich nicht. Da beides Nicht zur Grundsicherung zählt, gibt es keine Handhabe ggü. privaten Trägern. Die machen die Abteilungen einfach nach und nach dicht. In MV isteein Großteilder GH in privater Hand.
Ich schau mir das schon seit 2011 an, und es wird nur zunehmend schlimmer.
Solange die beiden Bereiche Geburtshilfe und Pädiatrie nicht zur Grundsicherung gehören, wird sich nichts ändern.
Wohnortnahe Geburtshilfe ist unverzichtbar.
Man stelle sich eine akute PlazentaAblösung vor und die nächste Geburtshilfe ist 45min entfernt.
Dramatisch.Interessiert nur niemanden, denn es geht ja "nur" um Frauen und Kinder.
LNS
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