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Labore bereiten sich auf Sequenzierungen vor

Dienstag, 12. Januar 2021

/ktsdesign, stock.adobe.com

Berlin – Die Labore in Deutschland verfügen über ausreichend Kapazitäten, um künftig fünf Prozent aller PCR-positiv getesteten Proben auch zu sequenzieren. Das teilte der Verein der akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) heute mit. Gestern war ein Verordnungsentwurf des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums (BMG) bekannt geworden, in dem diese Fünf-Prozent-Marke definiert wurde.

Mit der Verordnung will das BMG die Labore dazu verpflichten, mehr Sequenzierungen durchzuführen. Die Daten sollen beim Robert-Koch-Institut (RKI) gesammelt werden. Das soll die molekulare Surveil­lan­ce, die Verfolgung von Mutationen, verbessern. Die Labore bekommen dafür pro Sequenzierung 200 Euro.

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Bisher wurden in Deutschland mehr als 3.000 verschiedene SARS-CoV-2-Sequenzen in die internationa­len Genomdatenbanken eingepflegt. Die Proben wurden meist im Konsiliarlabor für Coronaviren an der Charité oder vom Labor des RKI entschlüsselt.

Mit mehr Sequenzdaten aus Deutschland könne nicht nur die Verbreitung hierzulande besser verfolgt werden. Auch europäische Nachbarländer würden von mehr Sequenzierungen profitieren, sagte Michael Müller, der erste Vorstandsvorsitzende der ALM. Daher begrüße der Verein die Verordnung des BMG.

„Mehrere unserer Labore sind darauf vorbereitet, diese wichtige Arbeit zu leisten und die Daten aus ihrer Sequenzierung beizusteuern“, erklärte Evangelos Kotsopoulos, Vorstandsmitglied der ALM. Ausreichend Geräte sowie Personal seien vorhanden. Der Flaschenhals sei jedoch die aufwendige bioinformatische Bearbeitung der großen Datenmengen.

Auch viele Forschungslabore und universitäre Laboratorien können in Deutschland Genome sequenzie­ren. Doch deren Kapazitäten seien weniger skalierbar, meinte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der ALM, Jan Kramer. Zudem seien die Kosten für die Sequenzierung einzelner Proben sehr hoch, wes­halb es sich lohnen würde, Proben über einige Tage aufzubewahren und dann gesammelt zu ent­schlüsseln, so Kramer weiter.

Eine Bewertung ob die angestrebte Sequenzierung von fünf Prozent aller positiven Proben für die mole­kulare Surveillance ausreiche, müssten Virologen und Epidemiologen in den kommenden Wochen klä­ren, so die ALM.

Laborverbände weiter gegen Selbsttests für Zuhause

Darüber hinaus gab der Verein auch die Testzahlen der vergangenen ersten Kalenderwoche bekannt. Demnach seien in den 169 Laboren, deren Ergebnisse die ALM regelmäßig auswertet, mit etwas mehr als einer Million so viele PCR-Tests durchgeführt worden, wie zuletzt im Oktober. Die Positivrate lag dabei mit 13,68 Prozent etwas niedriger, als in den letzten Wochen des Jahres 2020.

Durchschnittlich seien rund 60 Prozent der Laborkapazitäten ausgelastet. Knapp 1,8 Millionen mögliche PCR-Tests pro Tag weist die ALM für ganz Deutschland aus. Doch in einigen Bundesländern wie bei­spiels­weise Sachsen-Anhalt und Thüringen könne das Testaufkommen kaum bewältigt werden. Hier liege die Auslastung zeitweise über 100 Prozent.

Zur Entlastung werden vielerorts Antigentests eingesetzt. Der erste ALM-Vorsitzende Müller wiederholte dazu: „Coronatests sind medizinische Leistungen, die in eine ärztliche Gesamtverantwortung gehören“ und sprach sich damit erneut gegen Antigenselbsttests für zuhause aus.

Problematisch sei zudem, dass weiterhin keine Daten über die Durchführung der Antigenschnelltests ge­sammelt würden. „Die Ergebnisse aller Antigentests müssten ebenfalls in der Teststatistik erfasst wer­den, damit wir das Pandemiegeschehen in Deutschland wirklich beobachten und auch besser einordnen können“, so Kramer.

Kritik an den Schnelltests äußerten auch der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL). Denn weder die Testzahlen der Schnelltestdurchführenden, noch die Positivrate könnten auf der derzeitigen Rechts­grund­lage überwacht werden.

„Gewerbliche Testzentren sind ein Dammbruch, der durch eine neue Testverordnung schnellstmöglich aufgehalten werden muss“, sagte dazu der Vorsitzende des BDL Andreas Bobrowski. Gewerbliche Anbie­ter hätten die Chance ergriffen, medizinische Leistungen zu kommerzialisieren, kritisierte er.

Der Lübecker Facharzt für Laboratoriumsmedizin sieht daher auch den Bundestag in der Pflicht, diese Praxis zu stoppen. Zusätzlich sollten die Behörden bei gewerblichen Testern Mindestanforderungen defi­nieren, so Bobrowski weiter. Dazu gehöre unter anderem die Sicherstellung der Testsicherheit und die Aufklärung der Patienten über die notwendige PCR-Bestätigung positiver Antigentest-Ergebnisse.

Wer im Schnelltestverfahren positiv getestet werde und sich dann nicht beim Gesundheitsamt oder beim Hausarzt melde, werde weder erfasst, noch auf die Einhaltung der Infektionsschutzbestimmungen hin kontrolliert, schrieb der BDL dazu heute. Vergleichszahlen anderer Länder wiesen darauf hin, dass sich so in Deutschland bis zu der Hälfte aller SARS-CoV-2-Infektionstests unter dem Radar der Gesundheits­ämter bewegen könnten. © jff/aerzteblatt.de

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