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Medizin

Ernährung: Metabolom-Studie bringt Darmflora mit Krankheitsrisiken in Verbindung

Mittwoch, 27. Januar 2021

3D-Darstellung von Mikroben im Darm. /Nathan Devery com, stock.adobe.com

Trient – Die Ernährung eines Menschen könnte über die Darmflora die Gesundheit beeinflussen. Zu diesem Ergebnis kommt eine metagenomische Studie in Nature Medicine (2021; DOI: 10.1038/s41591-020-01183-8), die das Erbgut der Darmbakterien bei mehr als tausend Menschen sequenziert hat und die Ergebnisse einmal mit den Ernährungsgewohnheiten und zum anderen mit den medizinischen Befunden der Teilnehmer in Verbindung gesetzt hat.

Die Möglichkeit, das Erbgut einer Vielzahl von Organismen gleichzeitig zu sequenzieren, hat die Darmflora in den Blickpunkt der Wissenschaft gerückt. Die zuvor unüberschaubare Vielfalt der Darmbakterien, die die Zellen eines Menschen um das zehnfache übertreffen soll, lässt sich mit der Metagenomik erstmals katalogisieren.

Der „Personalised Responses to Dietary Composition Trial“ (PREDICT) hat sich zum Ziel gesetzt, den Einfluss der Ernährung auf die Darmflora zu untersuchen. Ein Team um Nicola Segata von der Universität Trient hat bisher die Darmflora von 1.098 Personen sequenziert und mit den Ernährungsgewohnheiten verglichen, die in Fragebögen ermittelt wurden.

Dabei zeigte sich, was Ernährungswissenschaftler seit längerem vermuten. Die Wahl der Nahrungsmittel hat einen deutlichen Einfluss auf die Darmflora. Er war sogar größer als der Einfluss der Gene, wie die Ergebnisse bei eineiigen Zwillingen zeigte. Bei ihnen war die Übereinstimmung der Darmflora nicht größer als bei genetisch nicht verwandten Personen, die sich aber ähnlich ernährten.

Eine pflanzenbasierte Ernährung mit viel Gemüse, Nüssen und Meeresfrüchten führte zu einer anderen Zusammensetzung der Darmflora als eine westlich orientierte Kost mit zuckerhaltigen Süßgetränken, raffiniertem Getreide und verarbeitetem Fleisch. Die naturnahe Kost führte zu einem höheren Anteil an bestimmten Darmbakterien wie Prevotella copri und Blastocystis-Arten, bei einer von Fastfood und Fertiggerichten dominierten Ernährung fehlten diese Bakterien weitgehend im Darm.

Dies könnte sich auf die Gesundheit auswirken, wie der Vergleich mit Laborbefunden und den Ergebnissen medizinischer Tests zeigt. Die Teilnehmer waren sorgfältig untersucht worden. Im Blut waren die üblichen Parameter des Glukose- und Fettstoffwechsels, aber auch Entzündungsmarker wie Interleukin 6 bestimmt worden.

Zu den medizinischen Tests gehörten neben der Bestimmung des Blutdrucks und der Pulswellen­geschwin­digkeit auch Ultraschalluntersuchungen der Halsschlagader. Auch die Schlafeigenschaften der Patienten wurden untersucht, was eine Reihe von eingehenden Untersuchungen zum möglichen Einfluss der Darm­flora auf die Gesundheit ermöglichte.

So war die häufige Anwesenheit von Prevotella copri und Blastocystis-Arten in der Darmflora mit einem günstigen postprandialen Glukosestoffwechsel verbunden. Andere Mikrobiom-Komponenten waren mit Lipidstoffwechsel und Entzündungsparametern assoziiert, die insgesamt ein niedriges kardiometabolisches Risikoprofil anzeigen.

Die Forscher fanden 15 Darmmikroben, die ein geringes und 15 andere Bakterien, die ein hohes Risiko auf Diabetes und Herzerkrankungen anzeigten. Der Sponsor der Studie, die Firma Zoe Global mit Sitz in London, will aufgrund der Studienergebnisse noch in diesem Jahr einen Stuhltest anbieten, mit dem Verbraucher den Zustand ihres Darmmikrobioms beurteilen können.

Aus medizinischer Sicht kann allein aufgrund einer Assoziation zwischen Ernährung, Darmflora und Gesundheitsparametern nicht auf eine Kausalität geschlossen werden. Es bleibt möglich, dass Menschen, die sich pflanzenbasiert ernähren, auch in anderen Aspekten einen gesünderen Lebensstil haben, der ihr niedrigeres Risikoprofil in den medizinischen Untersuchungen erklären könnte. © rme/aerzteblatt.de

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