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Politik

Ärzte halten Debatte über Impfpflicht für Gesundheitsberufe derzeit für medizinischen Unsinn

Mittwoch, 13. Januar 2021

/Alexander Raths, stock.adobe.com

Berlin – Die Debatte um eine „bereichsbezogene Impfpflicht“ in Deutschland geht weiter. Während der Deutsche Ethikrates dies nicht vollständig ausschließen will, lehnen Ärzte den Vorstoß derzeit ab. CSU-Chef Markus Söder hatte gestern eine Impfpflicht für Pflegekräfte zum Thema gemacht und ver­langt, dass sich damit der Ethikrat beschäftigt.

„Es wäre sehr sorgsam zu prüfen, ob eine Situation besteht, in der es keine andere Möglichkeit gibt, als über eine solche Impfpflicht nachzudenken“, sagte die Ethik­rat-Vorsitzende Alena Buyx sagte gestern in debn ARD-„Tagesthemen“. „Wir haben das nicht vollständig ausgeschlossen.“

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Allerdings müssten dafür einige Bedingungen erfüllt sein. Dabei gehe es etwa um die Versorgung von Patienten, die man nicht anders schützen kann, „als dass die Menschen, die sie versorgen, geimpft sind.“ Die andere Bedingung für das Nachdenken über eine Impfpflicht sei, dass „wir noch sehr viel mehr Wis­sen bräuchten, dass die Impfung dafür sorgt, dass die geimpfte Person niemanden mehr anstecken kann“.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hatte einer Impfpflicht heute erneut eine Absage erteilt. „Ich habe im Bundestag mein Wort gegeben: In dieser Pandemie wird es keine Impfpflicht geben. Und das gilt“, sagte Spahn im Deutschlandfunk. Die Bundesregierung setze auf Argumente, Informationen und Vertrauen in den Impfstoff.

Auch das Pflegepersonal in Deutschland wolle er mit Argumenten überzeugen. „Das ist übrigens auch die Wertschätzung, die Pflegekräfte in dieser Pandemie erwarten“, sagte Spahn. Seit Monaten sagten alle, dass sie einen der schwersten Jobs in der Pandemie hätten. „Ich finde, dann sollten wir auch mit ihnen über das Impfen reden“, so der CDU-Politiker.

Spahn kündigte an, in zwei Wochen eine große Townhall-Veranstaltung zu machen, in der er Fragen von Pflegekräften beantworten werde. „Ich werde alle Pflegekräfte in Deutschland einladen, digital zwei, drei Stunden Informationen geben, einordnen, aufklären, informieren“, sagte Spahn.

Kritisch äußerten sich heute auch viele Ärzte, nachdem die Pflegekräfte sich gestern bereits gegen eine Pflichtimpfung gestellt hatten. Die Diskussion um eine Impfpflicht für Gesundheitsberufe bezeichnete der stellvertretende Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stepahn Hofmeister, als „un­nötig und kon­traproduktiv“. Auch der KBV-Vorsitzende Andreas Gassen lehnte eine Pflicht ausdrücklich ab. Eine gute Durchimpfung werde man auch ohne Zwang erreichen, sagte er.

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Klaus Reinhardt, lehnt ebenfalls eine solche Impfpflicht ab. „Gerade in der Pflege ist das Personal knapp“, erklärte er der Rheinischen Post . „Wenn die Corona-Impfung zu einer Voraussetzung für eine Tätigkeit in diesem Bereich gemacht wird, muss auch geklärt werden, wie die Fachkräfte ersetzt werden, die nicht zu einer Impfung bereit sind.“

Der Bundesvorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte (Virchowbund), Dirk Heinrich, sprach bei der Diskussion um eine Impfpflicht für Pflegekräfte von „medizinischem Unsinn“. Es sei derzeit nicht wissenschaftlich erwiesen, dass eine Impfung vor einer Übertragung schütze.

Bislang zeigten die wissenschaftlichen Studien nur, dass eine Impfung schwere und tödliche Verläufe meist verhindern könne. „Solange dies so ist, verhindert nach wie vor nur die Einhaltung aller Hygiene­maßnahmen in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen eine mögliche Infektion. Das ist insbesondere zum Schutz von Menschen, die nicht geimpft werden können, unerlässlich“, sagte er.

Auch Hamburgs Ärztekammerpräsident Pedram Emami hat die Debatte als überflüssig kritisiert. „Noch wissen wir nicht sicher, ob Geimpfte das Virus nicht trotzdem weitergeben“, sagte er. Erste Daten hierzu würden in den kommenden Wochen erwartet. „Bis dahin handelt es sich um eine virtuelle Diskussion, die nur noch mehr Unruhe in eine ohnehin aufgeheizte Stimmungslage bringt.“ Emami forderte, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Menschen rasch in der vorgesehenen Reihenfolge zu impfen.

Sollte sich später jedoch herausstellen, dass Geimpfte das Virus nicht weitergeben können, könne man durchaus über eine Impfpflicht für Beschäftigte in Risikobereichen diskutieren. Schließlich gehe es nicht nur um das eigene, sondern vor allem um das Wohl anderer, betonte Emami. So viel Verantwortungs­be­wusstsein müsse vom medizinischen Personal zu erwarten sein.

Der Vorstoß von Söder für eine Impfpflicht für Pflegekräfte teilt die Bevölkerung in zwei Hälften. Eine Blitzumfrage des Insa-Instituts für die Bild ergab, das 51 Prozent der Befragten die Einführung einer solchen Impfpflicht für das medizinische Pflegepersonal befürworten würden. © dpa/afp/kna/may/aerzteblatt.de

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Kommentare

Avatar #736177
Robert IV
am Donnerstag, 14. Januar 2021, 13:12

Massenimpfung in Deutschland

täglich sterben über 1000 Menschen an / mit covid, weil es nach 3 Wochen "Massenimpfung" etwa 1 % der Bevölkerung die erste Impfdosis "bereits" bekam. Impfpflicht? Womit?
Avatar #760232
penangexpag
am Mittwoch, 13. Januar 2021, 21:21

Wozu ist der Ethikrat da !

Söder hat empfohlen, die Frage einer Impfpflicht im Ethikrat zu DISKUTIEREN, sich also mit einem Für und Wider auseinander zu setzen.
Was ja eigentlich selbstverständlich ist - und es rechtzeitig zu tun ist noch selbstverständlicher. Wer das als "die Pferde scheu machen" interpretiert, der betrachtet die Bevölkerung als emotionsgesteuerte Masse, die rationalen Überlegungen nicht zugängig ist. Letztere unter das Volk zu bringen ist die Aufgabe eines Ethikrates. - und nicht nur eine einmalige, sondern eine ständige, dem jeweiligen Erkenntnisstand angepaßt. Daran müssen wir uns gewöhnen : alle Wahrheiten sind eine Funktion der Zeit, auch wenn wir uns nach ewigen sehnen. Demokratie heißt diskutieren, rechtzeitig.
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