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Ärzteschaft

Marburger Bund: Debatte über Lockerungen derzeit fehl am Platz

Donnerstag, 14. Januar 2021

/Axel Bueckert, stock.adobe.com

Berlin – Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, hält Debatten über mögliche Lockerungen der Coronaschutzmaßnahmen derzeit nicht für angemessen. Lockerungsszenarien seien im Moment überhaupt nicht denkbar, sagte Johna heute dem Sender SWR2. Sie forderte zudem mehr Tests – vor allem auch auf die neuen mutierten Varianten des Coronavirus.

Es schockiere sie als Ärztin wie manche über Lockerungen diskutierten, so als ob es nur darum gehen müsste, die älteren Mitbürger richtig zu schützen und dann könne alles so weitergehen wie vor Corona, sagte Johna. In der Altersgruppe zwischen 60 und 79 Jahren seien bereits 11.000 Menschen gestorben. Als Ärztin tue es ihr weh, diese Schicksale in Kauf zu nehmen.

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Außerdem werde viel zu wenig über die Langzeitfolgen einer COVID-19-Infektion gesprochen. Johna reagierte damit unter anderem auf Äußerungen des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner. Dieser hatte gestern im Bundestag gefordert, über Lockerungsszenarien nachzudenken, denn der derzeitige Lock­down könne schließlich nicht ewig dauern.

Sorge um neue Mutationen

Sehr besorgt äußerte sich Johna über das Auftreten der neuen Virusmutationen. Da in Deutschland zu wenige Viren sequenziert, also genauer analysiert würden, wisse man bislang überhaupt nicht, wie stark sich die aus Großbritannien kommende Virusvariante hierzulande bereits ausbreite.

Die Gesundheitsämter könnten aber erst dann Infektionsketten gezielt durchbrechen, wenn sie wüssten, wo die neue Virusvariante sei. Auch generell seien wieder mehr Coronatests erforderlich.

Der Epidemiologe Dirk Brockmann vom Robert-Koch-Institut (RKI) hat eine weitere Kontaktreduzierung im Kampf gegen die Coronapandemie angemahnt. „An allen Stellschrauben, die Kontakte reduzieren, müssen wir noch stärker drehen“, sagte Brockmann heute im ZDF-Morgenmagazin. Die aktuellen Kon­taktbeschränkungen wirkten nicht so gut wie der Lockdown im vergangenen Frühjahr, das sehe man auch an den Mobilitätsdaten.

Damals sei die Mobilität innerhalb einer Woche um 40 Prozent zurückgegangen. Auch seit Dezember seien weniger Menschen unterwegs, allerdings seien die Zahlen langsamer gesunken. „Das hängt auch viel mit Pandemiemüdigkeit zusammen“, sagte Brockmann. Es sei wichtig, die weiterhin hohen Corona­zahlen zu senken.

„Eines ist klar, das Impfen hilft uns nicht, auf diesem Niveau rauskommen, wo jeden Tag mindestens 1.000 Menschen sterben“, sagte er. Impfen sei eine wichtige Komponente gegen die Pandemie, helfe aber erst mittelfristig, wenn viele Menschen den Schutz erhalten hätten. © afp/aerzteblatt.de

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