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Ärzteschaft

Reinhardt plädiert für zügige Neuregelung der Sterbehilfe durch das Parlament

Freitag, 15. Januar 2021

/nmann77, stock.adobe.com

Hannover – Klaus Reinhardt, Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), hat die Bundestagsparteien auf­gerufen, endlich eine Neuregelung der Sterbehilfe anzugehen.

„Das Bundesverfassungsgericht hat in sei­nem Urteil vom Februar 2020 dem Bundestag nahegelegt, die organisierte Sterbehilfe erneut zu regulie­ren und die Suizidprävention zu verbessern. Diese Diskussion muss das Parlament in den kommenden Monaten führen", sagte Reinhardt dem RedaktionsNetzwerk Deutschland heute.

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„Das Verfassungsgericht hat zwar das Verbot der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe gekippt, gleichzeitig aber auf Schutzkonzepte und Sicherungsmechanismen hingewiesen, um Sterbehilfeorganisationen Gren­zen zu setzen“, betonte der BÄK-Chef.

„Solange das nicht geschieht, können selbsternannte Sterbehelfer machen, was sie wollten. Das kann und darf so nicht bleiben“, sagte Reinhardt. Zudem müsse die Suizidprophylaxe erheblich verbessert werden, etwa durch den Ausbau psychosozialer Hilfen für alte und vereinsamte Menschen.

Reinhardt bekräftigte, dass sich der diesjährige Deutsche Ärztetag mit dem Thema beschäftigen werde. „Wir wer­den auf dem Ärztetag im Mai darüber diskutieren, ob und wenn ja, wie wir unsere Berufsordnung an dieser Stelle anpassen müssen“, sagte Reinhardt. In der Musterberufsordnung der Bundes­ärzte­kammer heißt es derzeit: „Ärzte dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten.“

„Aus meiner Sicht wäre ein apodiktisches Verbot des ärztlich assistierten Suizids wohl kaum mit dem Karlsruher Urteil zu vereinbaren“, mahnte er. Allerdings bestehe in der Ärzteschaft die Sorge, dass bei einer Änderung der bestehenden berufsrechtlichen Regelung der Eindruck entstehen könnte, die Ärzte­schaft sei generell zum assistierten Suizid bereit. „Das ist definitiv nicht der Fall“, sagte Reinhardt.

Zu Beginn der Woche hatten sich führende protestantische Theologen dafür ausgesprochen, in Deutsch­land einen assistierten professionellen Suizid zu ermöglichen.

In einem Gastbeitrag der Frankfurter All­gemeinen Zeitung betonen der Vorsitzende der Kammer für öf­fent­liche Verantwortung der Evangeli­schen Kirche in Deutschland (EKD), Reiner Anselm, und der Präsi­dent des evangelischen Wohlfahrtsverbandes Diakonie, Ulrich Lilie, kirchliche Einrichtungen sollten sich dem Suizid nicht verweigern.

Die Position war auf Widerspruch gestoßen. So äußerten sich die Evangelische Kirche in Deutschland und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) kritisch. Der assistierte Suizid werde zum Nor­malfall, wenn sogar kirchliche Einrichtungen ihn anböten, mahnte ZdK-Präsident Thomas Sternberg. © kna/aerzteblatt.de

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Avatar #113003
Claus-F-Dieterle
am Montag, 18. Januar 2021, 19:58

Kennen Sie den Bestätigungsirrtum?

@ Practicus

Die Betroffenen neigen dazu, Fakten und Informationen im Sinne bereits vorgefasster Meinungen zu interpretieren.

Die Folgen sind weitreichend:
Die Betroffenen konzentrieren sich zu einseitig auf die von ihnen favorisierte Hypothese, anstatt sorgfältig Gegenargumente zu beachten; sie suchen eher Fakten, die ihre Meinung bestätigen; Argumenten, welche ihre Meinung stützen, geben sie ein höheres Gewicht; und nicht eindeutige Fakten interpretieren sie im Sinne ihrer eigenen Meinung um.

Sie immunisieren sich gegen andere Meinungen, indem ihr Informationsverhalten darauf angelegt ist, ihre Meinung zu bestätigen, statt sie zu überprüfen. Das Resultat sind Vorurteile und das kann gravierende Konsequenzen haben!

"Zu frühe Urteile sind Vorurteile, aus denen der Irrtum emporsteigt wie der Nebel aus dem Meere."
Pestalozzi

"Die größte Wohltat, die man einem Menschen erweisen kann, besteht darin, dass man ihn vom Irrtum zur Wahrheit führt."
Thomas von Aquin
Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 16. Januar 2021, 01:27

Glaube

also "das unverrückbare Festhalten an einer vernunftwidrigen Vorstellung trotz fehlender oder gegenteiliger Beweise" vereint Religionen und Verschwörungsmythen und sollte keinesfalls die Grundlage einer ärztlichen Entscheidung sein!
Schon gar nicht kann eine Standesorganisation für ihre Zwangsmitglieder Suizidassistenz verbieten oder vorschreiben.
Avatar #113003
Claus-F-Dieterle
am Freitag, 15. Januar 2021, 21:06

Sterbehilfe und die Verantwortung vor Gott?

Der Professor für Systematische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule (FTH) in Gießen, Christoph Raedel, kritisierte gegenüber idea den Verzicht auf eine tragfähige theologische Begründung, an deren Stelle der Verweis auf die Selbstbestimmung des Menschen getreten sei. Verzweiflung, Angstzustände und der Wunsch, anderen nicht zur Last zu fallen, böten keine Grundlage für ein selbstbestimmtes Sterben.

Raedel befürchtet, dass langfristig der Druck auf Ärzte und Pflegepersonal zunehmen wird, an der Suizidbeihilfe mitwirken zu müssen. Darauf deute jedenfalls die Aussage hin, dass sich kirchliche Einrichtungen dem Wunsch einer Person nicht verweigern dürften, die ihrem Leben mit ärztliche Hilfe ein Ende setzen will. Im Selbstverständnis kirchlicher Einrichtungen rücke damit der Sterbewunsch von Menschen vor das Bekenntnis zu Gott als Schöpfer und Erhalter des Lebens.
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