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Lockdown: Ärzte unterstützen konsequente Maßnahmen

Freitag, 15. Januar 2021

/picture alliance, Sebastian Gollnow

Berlin – Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unterstützt den Lockdownkurs der Bundesregierung und der Länder nachdrücklich. Dieser sei die einzige Alternative zur Bewältigung der Coronapandemie, bevor durch einen Impfschutz eine ausreichende Herdenimmunität der Bevölkerung erreicht ist, hieß es heute.

Aus Sicht des KBV-Vorstandes müssen daher die aktuellen Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronapan­de­mie weiter konsequent fortgeführt werden. In den vergangenen Tagen hatte es Irritationen über die Haltung der KBV zu den Coronamaßnahmen gegeben.

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„Daher wollen wir klarstellen, dass die Kontaktbeschränkungen, so schmerzhaft sie für die Beteiligten sind, erforderlich sind und von uns nicht angezweifelt werden. Aus unserer Sicht werden die Maßnah­men in Kombination mit den Impfungen und einem konsequenten Schutz der besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen letztendlich zum Erfolg führen“, erklärten Andreas Gassen und Stephan Hofmeis­ter.

Gerade die Zuspitzung in der aktuellen Lage erfordere es von allen Beteiligten, die Verantwortung für ihre Bereiche zu übernehmen und sie auszufüllen. Das sei bisher, insbesondere im niedergelassenen Bereich, auch gut gelungen.

„In der ersten Coronawelle hat das KV-System in den Ländern schnell die erforderlichen Strukturen auf­ge­baut, damit die Mitglieder die Versorgung der Bevölkerung gewährleisten und den Krankenhäusern den Rücken freihalten konnten, damit diese sich um die schwer Erkrankten kümmerten“, betonte Gassen.

Zudem habe man die umfangreichen Tests für die Reiserückkehrer und andere asymptomatischen Pa­tien­ten organisiert, Listen mit Tausenden von Ärzten und nicht ärztlichem Personal an die Betreiber der Impf­zentren geliefert sowie die technischen Plattformen für die Terminvereinbarungen gestellt.

Schutzschirm verlängern

Der Gesetzgeber habe dies mit zahlreichen Maßnahmen anerkannt, wie zum Beispiel dem Schutzschirm für die Praxen. Dieser Schutzschirm müss für die Praxen fortbestehen und die Maßnahme von der Politik verlängert werden.

„Wir appellieren an und fordern von den Krankenkassen, ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen und den KVen die zusätzlichen Kosten für die außerordentlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pan­de­mie zu erstatten. Bisher konnten wir auf die gute Kooperation mit dem Bund, dem Land, der kom­mu­na­len Ebene und den Krankenkassen zählen. Das müssen wir so beibehalten,“ stellte der KBV-Vorstand abschließend fest.

Eine Lockerung der Maßnahmen kommt aus Sicht von In­tensivmedizinern erst bei bundesweit weniger als 1.000 COVID-19-Intensivpatienten infrage. Die Krankenhäuser seien trotz leicht sinkender Zahlen vielerorts an ihrer Belastungsgrenze, sagte der Präsident der Deutschen Interdiszi­plinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx, den Zeitungen der Funke Mediengruppe heute. Aktuell werden fast 5.200 COVID-19-Patienten in ganz Deutschland intensiv­medizinisch behandelt.

„In Ampelfarben gesprochen: In 11 von 16 Bundesländern ist die Ampel rot, dort gibt es weniger als 15 Prozent freie Intensivbetten“, sagte Marx. Lockerungen dürften erst kommen, wenn sich die Lage deutlich entspannt hätte.

„Die Zahl der intensivmedizinisch versorgten COVID-19-Kranken muss dafür bundesweit stabil klar unter 1.000 Patienten liegen.“ Sollte sich die womöglich deutlich ansteckendere Virusmuta­tion ausbreiten, könne Deutschland schnell wieder einen exponentiellen Anstieg der Fallzahlen erleben, warnte er.

Auch der Chef der Bundes­pflege­kammer, Markus Mai, warnte vor einem weiteren Anstieg der Zahl der Coronapatienten auf den Intensivstationen. „Wir sind jetzt beim Pflegefachpersonal an der kritischen Grenze angelangt und müssen alles dafür tun, damit die Zahl der Intensivpatienten nicht weiter ansteigt. Andernfalls steht für deren Versorgung nicht mehr genügend gut ausgebildetes Personal zur Verfügung“, sagte er der Rheinischen Post heute.

Die Diskussion über die Impfpflicht für Pflegepersonal bezeichnete Mai als kontraproduktiv. „Wenn wir durch eine Impfpflicht auch nur zehn Prozent des Fachpersonals verprellen würden, fehlt uns dieses dringend benötigte Personal in der direkten Versorgung, in der es ja jetzt schon mehr als eng ist“, sagte er der Zeitung.

Das IGES Institut wies heute darauf hin, dass man trotz enormer Meldelücken Hinweise sehe, dass der verschärfte Lockdown seit Mitte Dezember wirke. So sinke seit dem 4. Januar die Zahl der COVID-19-Pa­tienten auf Intensivstationen. Bertram Häussler, Leiter des IGES Instituts, wies mit Verweis auf Analysen des IGES Pandemie Monitors darauf hin, dass die derzeit veröffentlichten Zahlen der Neuinfektionen und Sterbefälle nicht die aktuelle Lage widerspiegelten.

So habe es zwischen Weihnachten und erster Januarwoche eine Meldelücke von rund 60.000 Fällen ge­ge­ben, die sich jetzt erst in der Statistik auswirken würden. Und auch bei den Coronasterbefällen hinkten die Meldungen vier Wochen hinterher. „Der derzeitige Rückgang der Sterbezahlen wird erst ab Ende Ja­nuar sichtbar werden.“ Das Meldesystem gebe „derzeit kaum Orientierung“. Das stehe im „krassen Miss­ver­hältnis zu den milliardenschweren Entscheidungen der Politik“. © dpa/aha/may/aerzteblatt.de

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