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Medizin

Crystal Meth: Bupropion plus Naltrexon helfen beim Entzug

Mittwoch, 10. Februar 2021

/Kaesler Media, stock.adobe.com

Dallas/Texas – Eine Kombination aus dem Opioidantagonisten Naltrexon, der zur Behandlung der Opiat- und Alkoholsucht eingesetzt wird, und dem Antidepressivum Bupropion, das Patienten zum Rauchstop verordnet wird, hat in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NeJMoa2020214) auch Patienten mit einer Methamphetamin-Abhängigkeit zur Abstinenz verholfen.

Die Zahl der Menschen mit Methamphetaminabhängigkeit ist in den USA zuletzt stark angestiegen und mit ihr auch die Zahl der Todesfälle. In einigen Regionen der USA sterben mittlerweile mehr Menschen an den Folgen des Aufputschmittels als an Opiaten. Landesweit gibt es pro Jahr mehr als 10.000 Methamphe­tamintodesfälle.

Die Behandlung der Methamphetaminabhängigkeit galt bisher als schwierig, wenn nicht gar aussichtslos. Denn die Motivation, auf die euphorisierende Droge zu verzichten, ist oft nicht vorhanden. Außerdem sind die Entzugssymptome sehr stark, da die Droge direkt im Belohnungszentrum des Gehirns wirkt und der Entzug ein starkes „Craving“ auslöst.

Eine medikamentöse Behandlung gab es bisher nicht, obwohl Bupropion und Naltrexon seit einiger Zeit in der Diskussion sind. Das Antidepressivum Bupropion soll in der Lage sein, die mit dem Methamphe­tamin­entzug verbundene Dysphorie zu lindern, indem es auf das Dopamin- und Noradrenalinsystem einwirkt. Die Linderung der Dysphorie soll wiederum das „Craving“ reduzieren und dazu beitragen, die Rückkehr zum Methamphetaminkonsum zu verhindern. Naltrexon verringert die euphorischen Wirkungen der Droge, was die Motivation zum Konsum senken könnte.

Beide Mittel haben jedoch, wenn sie allein verabreicht wurden, in klinischen Studien bisher keine überzeu­gende Wirkung erzielt. In der ADAPT-2-Studie („Accelerated Development of Additive Pharmacotherapy Treatment for Methamphetamine Use Disorder“) wurde erstmals der kombinierte Einsatz untersucht.

An der Studie nahmen zwischen 2017 und 2019 an 5 US-Zentren 403 Patienten im Alter von 18 bis 65 Jahren teil, bei denen eine mittelschwere bis schwere Methamphetaminabhängigkeit diagnostiziert worden war. Alle Teilnehmer waren motiviert, ihren Drogenkonsum zu beenden oder wenigstens die Dosis zu reduzieren.

Die Behandlung bestand einmal aus einer intramuskulären Injektion eines Retardpräparats von Naltrexon, die alle 3 Wochen wiederholt wurde. Gleichzeitig nahmen die Patienten täglich Tabletten mit Bupropion ein, dessen Tagesdosis langsam auf 450 mg gesteigert wurde.

In einer 1. Phase wurden die Patienten im Verhältnis 1 zu 3 auf die Kombination aus Bupropion plus Naltrexon oder auf eine Placebobehandlung randomisiert. In einer 2. Phase wurden die Patienten, bei denen die Placebobehandlung eine Wirkung erzielte (das waren fast alle) erneut auf eine Kombination aus Bupropion plus Naltrexon oder Placebo randomisiert.

Der primäre Endpunkt und das Ziel der Behandlung war die weitgehende Drogenfreiheit. Gefordert wurden negative Tests in mindestens 3 von 4 Urinproben aus den letzten beiden Wochen der 6-wöchigen Behandlung.

Dies schafften in der Phase 1 in der Naltrexon-Bupropion-Gruppe 18 von 109 Teilnehmern (16,5 %) gegenüber nur 10 von 294 (3,4 %) in der Placebogruppe. In der Phase 2 wurden dann in der Naltrexon-Bupropion-Gruppe 13 von 114 Patienten (11,4 %) weitgehend drogenfrei gegenüber 2 von 111 Patienten (1,8 %) in der Placebogruppe.

Zusammengefasst ermitteln Madhukar Trivedi vom South-Western Medical Center in Dallas und Mitarbeiter eine Ansprechrate von 13,6 % in der Naltrexon-Bupropion-Gruppe und von 2,5 % in der Placebogruppe. Die Differenz von 11,1 %punkten war im Waldtest mit dem Faktor 4,53 statistisch signifikant.

Eine Abstinenzrate von 13,6 % erscheint zwar nicht besonders hoch. Die „Number needed to treat“, also die Zahl der Patienten die behandelt werden muss, um 1 Behandlungserfolg zu erzielen, ist mit 9 jedoch relativ günstig.

Auch in den sekundären Endpunkten erwies sich die Behandlung als wirksam: Das Craving der Patienten ging auf einer visuellen Analogskala um 9,7 Punkte (von maximal 100 Punkten) zurück, im Fragebogen PHQ-9 kam es zu einem Rückgang der depressiven Symptome, und im „Treatment Effectiveness Assessment" gaben die Teilnehmer eine bessere Lebensqualität an.

Die Therapieadhärenz lag bei 77,4 %, was Trivedi auch darauf zurückführt, dass die Teilnehmer durch eine App ihres Smartphones an die Einnahme der Tabletten erinnert wurden. Zu den Nebenwirkungen, die laut Trivedi in der Regel milde waren, gehörten Übelkeit und Erbrechen, Obstipation, Mundtrockenheit, Schmer­zen im Oberbauch, Schwindelgefühle, Nervosität, Unwohlsein, Schweißausbrüche und Appetitlosigkeit. © rme/aerzteblatt.de

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