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Medizin

Studie: Metformin könnte Sterblichkeit von Diabetikern an COVID-19 senken

Freitag, 15. Januar 2021

/Sherry Young, stock.adobe.com

Birmingham/Alabama – Typ-2-Diabetiker, die mit Metformin behandelt werden, haben im Fall einer Infektion mit SARS-CoV-2 möglicherweise deutlich bessere Chancen, COVID-19 zu überleben. Dies kam erneut in einer retrospektiven Studie heraus, die jetzt in den Frontiers in Endocrinology (2021; DOI: 10.3389/fendo.2020.600439) veröffentlicht wurde.

Ein Typ-2-Diabetes gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine Erkrankung und einen tödlichen Ver­lauf von COVID-19. Dies zeigte sich auch in einer Analyse von elektronischen Krankenakten der Univer­sitätsklinik in Birmingham im US-Staat Alabama.

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Von den 604 Patienten, die während der ersten Welle wegen COVID-19 in der Klinik behandelt wurden, hatten 239 (39,6 %) Diabetes, der in der Regel ein Typ-2-Diabetes ist. Der Anteil war mehr als doppelt so hoch wie bei den übrigen Patienten der Klinik (Odds Ratio 2,11; 95-%-Konfidenzintervall 1,78 bis 2,48).

Unter den 67 Patienten, die die Erkrankung nicht überlebten, waren 45 Diabetiker (67,2 %). Die Odd Ratio betrug hier 3,62 (2,11 bus 6,20). Die Diabetiker hatten ein mehr als 3-fach höheres Risiko, an den Folgen einer SARS-CoV-2 zu sterben, als Nichtdiabetiker.

Eine Ausnahme bildeten merkwürdigerweise die Typ-2-Diabetiker, die zuvor bereits mit Metformin behan­delt wurden. Hier gab es nur 8 Todesfälle. Das Klinikteam um Anath Shalev ermittelt eine Odds Ratio von 0,38 (0,17 bis 0,87). Die Sterblichkeit war damit um 2/3 niedriger.

Die Retrospektive Studie kann nicht beweisen, dass die Behandlung mit Metformin für die besseren Über­lebenschancen verantwortlich ist. Es bleibt möglich, dass dies auf andere Patienteneigenschaften zurück­zu­führen ist, etwa eine bessere Versorgungsqualität der Patienten oder die Tatsache, dass die Patienten sich im Frühstadium der Erkrankung befinden.

Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung werden die Patienten häufiger mit Insulin behandelt (Allerdings war in der Analyse auch eine Insulinbehandlung mit einem leicht verminderten Sterberisiko verbunden, Odds Ratio 0,82; 0,41 bis 1,64).

Zu einem ähnlichen Ergebnis waren französische Diabetologen in der CORONADO-Studie gekommen. Dort war das Sterberisiko der Diabetiker um 41 % niedriger, wenn sie schon vor der Erkrankung mit Metformin behandelt wurden (Diabetologia 2020; DOI: 10.1007/s00125-020-05180-x).

In einer chinesischen Kohorte hatten mit Metformin behandelte Patienten sogar ein mehr als vierfach vermindertes Sterberisiko (American Journal of Tropical Medicine and Hygiene 2020; DOI: 10.4269/ajtmh.20-0375). Zuletzt hatten Mediziner aus dem US-Staat Minnesota in Lancet Healthy Longevity (2021; DOI: 10.1186/cc12886) ein um 20 % vermindertes Sterberisiko für Frauen mit Diabetes ermittelt, die mit Metformin behandelt wurden.

Worauf eine protektive Wirkung beruhen könnte, ist unklar. Shalev vermutet, dass antientzündliche und antithrombotische Wirkungen von Metformin eine Rolle spielen könnten. Falls dies der Fall wäre, könnte das Mittel auch bei anderen Intensivpatienten wirksam sein.

Tatsächlich kam in einer früheren Studie aus Dänemark in Critical Care (2013; DOI: 10.1186/cc12886) heraus, dass Diabetiker, die mit Metformin behandelt wurden, auf Intensivstation ein um 20 % verminder­tes Sterberisiko hatten. Ein abschließender Beweis, dass Metformin die Patienten schützt, könnte jedoch nur in einer randomisierten kontrollierten Studie erbracht werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 17. Januar 2021, 20:37

Nicht oft genug wiederholen...

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Retrospektive Studien sind völlig ungeeignet, um nachzuweisen, dass ausgerechnet Metformin u. a. kausal die Sterblichkeit von Diabetikern an COVID-19 senken könnte.

Denn Metformin wird im Gegensatz zu Insulinen und seinen Derivaten, DPP4-Hemmer, SGLT-2-Inhibitoren bzw. GLP-1-Mimetika bzw. deren Kombinationen auch bei leichteren Formen des Typ-2-Diabetes gegeben (unbedeutendere Sulfonylharnstoffe lasse ich hier vereinfachend weg).

Übergewicht bis schwere Adipositas, Hypertonie, metabolisches Syndrom, Insulinresistenz sind bei Typ-2-Diabetes Ursache und Pathognomie zugleich. Sie bedeuten für die Pandemie aber zugleich ein erhöhtes Mortalitätsrisiko.

Nach der UKPDS-Studie ist Metformin die Substsnz, welche die Mortalität bei Diabetes gegenüber den damals geprüften nachweislich verbessert. Von daher bleibt zu vermuten, dass Metformin bei SARS-CoV-2- Infektionen und COVID-19 Erkrankungen gar nicht speziell, sondern nur unspezifisch über Kollateral- Effekte prognostisch verbessernd wirksam ist, bzw. die Monotherapie eher bei unkomplizierten Diabetikern durchgeführt wird.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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