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Indien startet Impfkampagne

Montag, 18. Januar 2021

/picture alliance, Debarchan Chatterjee

Neu Delhi – Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern hat eine ehrgeizige Impfkampagne gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 gestartet. Bereits am ersten Tag erhielten mehr als 190.000 Menschen ihre erste Dosis, wie Ge­sund­heits­mi­nis­ter Harsh Vardhan vorgestern Abend mitteilte.

Insgesamt sollen bis Juli 300 Millionen Menschen Schutz gegen eine Ansteckung mit SARS-CoV-2 erhal­ten. Ge­sund­heits­mi­nis­ter Vardhan sprach trotz der zögerlichen Haltung vieler Impfkandi­daten von einem erfolgreichen Start.

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Niemand der vorgestern Geimpften habe wegen schwerer Nebenwir­kungen im Krankenhaus behandelt werden müssen, sagte er. Die Impfungen bezeichnete er als „Lebensretter“. Dass nicht, wie ursprünglich vorgesehen, 300.000 Menschen am ersten Tag ihre erste Dosis erhielten, erklärte der Minister mit einem Fehler in der Corona-App.

Dadurch seien nicht alle potenziellen Teilnehmer rechtzeitig informiert worden. In einem ersten Schritt sollen 30 Millionen Mitarbeiter im indischen Gesundheitswesen und aus anderen Risikobereichen ge­impft werden. Danach folgen bis Juli rund 270 Millionen Menschen, die über 50 Jahre alt sind, sowie Risikopa­tien­ten.

Bisher haben die Behörden des südasiatischen Schwellenlands zwei Impfstoffe zugelassen: Covishield vom britisch-schwedischen Pharmakonzern Astrazeneca, der vom Serum Institute in Indien hergestellt wird, und Covaxin des indischen Konzerns Bharat Biotech.

Um das einheimische Vakzin gibt es allerdings heftigen Streit, weil dieses schon vor Ende der klinischen Tests eine Notfallzulassung erhielt. In einem Schreiben an ihre Krankenhausleitung forderte die Ärzte­ver­­tretung des Hauptstadthospitals Ram Manohar Lohia, mit dem Impfstoff von Astrazeneca immunisiert zu werden.

Für das Personal sei es einfacher, Covishield zu akzeptieren, da das Vakzin alle klinischen Studien durch­lau­fen habe und die Ergebnisse umfassend dokumentiert seien. Die Impfskepsis im Land erfüllt die indi­schen Behörden mit Sorge: Laut einer Umfrage wollen sich 69 Prozent nicht sofort impfen lassen.

Als vertrauensbildende Maßnahme fordern führende Wissenschaftler und Ärzte deshalb die rasche Veröf­fentlichung der Daten zur Wirksamkeit des einheimischen Vakzins. Angesichts maroder Infrastruktur und der weit verbreiteten Skepsis in der Bevölkerung ist die Impfkampagne eine gewaltige Herausforderung.

Indien kann bei der Mammutaufgabe allerdings auf Erfahrungen aus den Immunisierungsprogrammen gegen Kinderlähmung und Tuberkulose sowie der aufwändigen Organisation mehrwöchiger Wahlen zu­rückgreifen.

Rund 150.000 Helfer wurden speziell geschult und es gab landesweit Probeläufe, bei denen der Trans­port von Impfstoffen und die Impfung mit Attrappen und Statisten geübt wurde. Zu Beginn der Kampag­ne standen 3.000 Impfzentren im ganzen Land bereit.

In Indien starben schon mehr als 152.000 Menschen an COVID-19, über 10,5 Millionen steckten sich bis­her mit dem Coronavirus an. Auch die Wirtschaft leidet schwer unter der Pandemie: Millionen Menschen, darunter zahlreiche arme Wanderarbeiter, haben ihren Lebensunterhalt verloren. © afp/aerzteblatt.de

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