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Politik

Lockdown: FFP2-Maskenpflicht und Ausgangssperre im Gespräch

Montag, 18. Januar 2021

/Matt, stock.adobe.com

Berlin – Deutschland könnte vor einer Verlängerung und Verschärfung des Coronalock­downs stehen. Der Haupt­grund ist die Sorge, dass sich auch hierzulande hochansteckende Mutationen von SARS-CoV-2 aus­breiten könnten.

Noch heute Abend wollen die Ministerpräsidenten der Länder dazu eine Lagebild von Fachleuten ein­holen. Morgen wollen Bund und Länder über die weiteren Schritte beraten. Im Gespräch sind unter an­derem nächtliche Ausgangssperren und eine FFP2-Maskenpflicht in bestimmten Bereichen wie dem Bahnverkehr und dem Einzelhandel.

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Der Pandemierat in Nordrhein-Westfalen (NRW) empfahl der Politik heute in einem Papier, die morgige Entscheidung aus einem Verständnis künftiger Normalität heraus abzuleiten, öffentlich und privat mit dem Virus leben zu können. Die Impfstoffe würden aller Voraussicht nach das Virus nicht zum vollstän­digen Verschwinden bringen. Sie mahnen an, die Entscheidungen „besser einzuordnen, zu begründen“ und auf „realistische Ziele hin zu orientieren“.

Der Rat, zu denen unter anderen der Virologe Hendrik Streek, und die Medizinethikerin und ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Christiane Woopen gehören, ermahnen die Politik, sich nicht länger nur auf ein Krisenmanagement zu beschränken.

Wichtig sei es etwa, die Frage der Ansteckungs­orte zu klären. Dazu sei „zügig“ ein forschungsbasiertes und interdisziplinäres Monitoring notwendig. Auch müsse definiert werden, wie es nach einem Lock­down weitergehen soll, um nicht nach der Wiedereröffnung der Gesellschaft in ein erneutes exponenti­elles Wachstum der Infektionszahlen zu geraten.

Lockdown bis Mitte Februar?

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) stellte heute ein Verlängerung des Lockdwons bis Mitte Februar in Aus­sicht: „Ich gehe davon aus, dass das schon 14 Tage sein können, die noch einmal dazu kommen“, sagte der Finanz­minister gestern Abend in einem Bild-Talk. Der aktuelle Lockdwon ist bis Ende Januar befris­tet. Scholz schloss nicht aus, dass auch Ausgangssperren verhängt werden. „Ich finde, das ist eine mögli­che Maß­nahme, aber nicht die, die als allererste ansteht.“

„Es liegt eine Auswahl von Möglichkeiten auf dem Tisch“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmai­er der Rheinischen Post. Er nannte neben einer FFP2-Maskenpflicht im Bahnverkehr und möglichen Aus­gangssperren auch eine Homeofficepflicht und deutlich stärkere Kontaktbeschränkungen.

In Bayern müssen die Menschen bereits seit heute in Bussen, Trams, U- und S-Bahnen sowie in allen Ge­schäften FFP2-Schutzmasken tragen, die besser vor Infektionen schützen als Stoffmasken. Auch eine nächtliche Ausgangssperre gilt im Freistaat bereits.

Die Zahl der Neuinfektionen geht unterdessen zurück. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert-Koch-Institut (RKI) 7.141 Neuinfektionen binnen eines Tages. Das ist laut RKI der niedrigste Wert an Neuinfektionen seit dem 20. Oktober. Außerdem wurden 214 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie das RKI bekanntgab. Seit dem 14. Dezember war der Wert nicht mehr so niedrig.

An Montagen sind die erfassten Fallzahlen meist geringer, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Vor genau einer Woche hatte das RKI 12.497 Neuinfektionen und 343 neue Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet.

„Nach einem starken Anstieg der Fallzahlen Anfang Dezember, einem Rückgang während der Feiertage und einem erneuten Anstieg in der ersten Januarwoche scheinen sich die Fallzahlen wieder zu stabilisie­ren“, schrieb das RKI gestern in seinem Lagebericht.

Der Höchststand von 1.244 neuen Todesfällen war am vergangenen Donnerstag erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert ge­meldet worden – darin waren jedoch 3.500 Nachmeldungen enthalten.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder forderte die anderen Länder auf, die gemeinsam getroffenen Beschlüsse konsequenter umzusetzen. „Die Hälfte der Länder macht ja was ganz anderes“, sagte der CSU-Chef gestern in der ARD-Talkshow „Anne Will“. „So dass man auch immer wieder die Frage stellen muss: Warum beschließen wir etwas, wo dann die Hälfte das anders macht?“

Söder sieht die Vorschriften in Bayern als eine Art Blaupause für Bundesregelungen. Nach Informationen des Business Insiders erwägt das Kanzleramt eine bundesweit einheitliche, nächtliche Ausgangssperre, wie es sie bereits in Frankreich oder anderen Nachbarstaaten gibt. Aus den Bundesländern ist aber auch zu vernehmen, dass derzeit alles diskutiert werde, was diskutiert werden könne.

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sprach sich für einen harten, dreiwöchigen Lockdown aus. Das Wachstum der Mutation müsse unbedingt verhindert werden, schrieb er am frühen Morgen auf Twitter. Ansonsten verbreite sich die Mutation „schneller, als wir impfen können“. Ausgangssperren ab 20 Uhr sei­en aus seiner Sicht für drei Wochen vertretbar. Im öffentlichen Nahverkehr plädiere er für Obergren­zen bei den Fahrgästen und eine FFP2-Maskenpflicht.

Vor der Bund-Länder-Schalte muss also noch einiges abgestimmt werden. Heute Abend lassen sich die Ministerpräsidenten von führenden Wissenschaftlern über neue Erkenntnisse informieren. „Da sind die dabei, die sie alle kennen“, sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bei „Anne Will“ und nannte namentlich den RKI-Präsidenten Lothar Wieler und den Charité-Virologen Christian Drosten.

Zur Frage, warum die Bund-Länder-Beratung so kurzfristig angesetzt wurde und warum die Lage so dränge, sagte Bouffier: „Was wir gar nicht einschätzen können, ist das britische Virus. Das ist der Grund, warum wir jetzt tagen.“ Dieses Mal werde man auch Wissenschaftler aus Großbritannien dabei haben.

„Da wird es darum gehen: Welche Erkenntnisse habt ihr?“ In Großbritannien hat sich eine ansteckendere Mutation des Coronavirus stark verbreitet, die inzwischen auch in Deutschland nachgewiesen wurde. Auch in Südafrika ist eine vergleichbare Variante aufgetaucht.

Es bestehe die Gefahr, dass sich die Dynamik noch einmal beschleunige, wenn sich die Virusmutationen weiter ausbreiteten, sagte Altmaier. „Deshalb müssen wir jetzt – und das ist explizit meine Meinung als Wirtschaftsminister – auf der Ministerpräsidentenkonferenz die Weichen so stellen, dass wir in den nächsten Wochen die Infektionswelle endgültig brechen und ein erneutes Hochschießen der Dynamik bis Ostern verhindern.“

SPD-Chefin Saskia Esken sprach bei „Anne Will“ wie Altmaier von der Homeofficepflicht: Man werde in den Unternehmen möglicherweise Homeoffice anordnen müssen, sagte sie. Auch Scholz forderte, die Betriebe in Sachen Homeoffice mehr in die Pflicht zu nehmen, es könne dort „nicht bei Appellen“ blei­ben, sagte er in dem Bild-Talk.

„Wir müssen da noch einen Schritt weiter machen.“ Von einer Homeofficepflicht wollte er aber nicht sprechen: Es werde immer darauf ankommen, „dass das betrieblich auch geht. Wir wollen ja pragmatisch bleiben und nichts Unmögliches verlangen“.

Deutschlands Intensivmediziner sehen in den Plänen eines weiter bestehenden – und eventuell sogar deutlich verschärften – Lockdowns medizinisch eine absolute Notwendigkeit. Zwar seien an deutlich sin­kenden Patientenzahlen auf den Intensivstationen erste positive Wirkung des aktuellen Lockdowns zu erkennen, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfall­me­dizin (DIVI), Gernot Marx.

Der Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen, betonte aber zugleich, man sei mit derzeit knapp 5.000 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung „leider noch weit über dem Peak der ersten Welle mit 3.000 Patienten – und ganz weit entfernt von einem Normalbetrieb“. Es gelte, die Infektionszahlen weiterhin drastisch zu reduzieren, pflichtet ihm Past-Präsident Uwe Janssens bei.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) rief die Runde dazu auf, die Kliniken mehr in den Blick zu nehmen. „Die Wucht der Pandemie erfordert sehr einschneidende Maßnahmen. Die Mutation des Virus führt zur Sorge über eine mögliche noch höhere Belastung der Krankenhäuser und zu Überlegungen zur Verlängerung und Verschärfungen des Lockdowns“, sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Er forderte die Ministerpräsidenten auf, den Krankenhäusern eine finanzielle Perspektive zu bieten. Es sei dringend erforderlich, dass nicht nur die Krankenhäuser, die hoch belastete Intensivstationen haben, sondern alle Krankenhäuser, die keine ausreichende Refinanzierung aus dem Regelsystem erhalten, durch Ausgleichszahlungen unterstützt würden. Darüber hinaus seien bürokratischen Belastungen und administrativen Vorgaben aufzugeben.

„Es gibt derzeit keinerlei Alternative!“, bestätigt auch der DIVI-Generalsekretär, PD Dr. Florian Hoffmann (Foto, ganz rechts), Oberarzt auf der interdisziplinären Kinderintensivstation am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Für Nord wie Süd, Ost wie West gilt: Um die weiterhin hohen Inzidenzzahlen zu einem exponentiellen Abfall zu bringen, die Welle zu brechen, weiterhin sinkende Zahlen auf den Intensivstationen zu verzeichnen sowie die hohen Todeszahlen rasch zu senken, gibt es nach wie vor keine Medikamente. Wir können nur die Kontakte untereinander so weit wie möglich herunterfahren und impfen, impfen, impfen!“

© dpa/may/aerzteblatt.de

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Avatar #97143
michelvoss
am Montag, 1. März 2021, 20:35

andere Zahlen zeigen D besser als Schweden.

Cumulative confirmed COVID-19 deaths/million, Feb 28, 2021. https://ourworldindata.org/coronavirus-data-explorer?tab=map&zoomToSelection=true&country=~DEU&region=Europe&deathsMetric=true&interval=total&hideControls=true&perCapita=true&smoothing=0&pickerMetric=location&pickerSort=asc
https://books.google.de/books/about/So_l%C3%BCgt_man_mit_Statistik.html?id=FZs_CgAAQBAJ&printsec=frontcover&source=kp_read_button&redir_esc=y#v=onepage&q&f=false
Avatar #621415
najtt
am Mittwoch, 20. Januar 2021, 14:09

@blatt

Insbesondere für Laien ist es derzeit nicht ganz einfach die Meldungen, die uns tagtäglich aufs Neue erreichen, zufrieden stellend zu interpretieren: handelt es sich bei den darin enthaltenen Informationen einfach nur um eine Meinung? Oder handelt es sich um ein Evidenzbasiertes oder wissenschaftlich fundiertes Forschungsergebnis?
Die Kommentare des Users Andre B. schätze ich daher über die Maßen. Es handelt sich in den allermeisten Fällen um Diskussionsbeiträge, die nicht nur wenig emotionsgeladen transportiert werden, sondern insbesondere dadurch aus der Masse herausstechen, dass sie in der Regel Quellen bemühen, die auch schon vor 'Corona' Anker in der Wissenschaft darstellten. Darüber hinaus gefällt mir besonders seine Analytik und die Interpretation der 'besonderen Situation'.
Wenig hilfreich im Diskurs finde ich User, die ständig und permanent hier beschimpfen und rumnörgeln. Das Lesen der Beiträge dieser User ist 'waste of time' und hilft zumindest mir nicht weiter. Auch das kommentarlose Löschen zahlreicher - offensichtlich nicht willkommener - Beiträge des Users Andre B. durch das DÄ kann ich nicht gutheißen und finde es sehr schade.
Daher würde ich mich hier - und deswegen bin ich gelegentlich hier unterwegs und nicht auf facebook, instagramm oder twitter oder wo auch immer man das kann - über eine anständige, möglichst nüchterne und wissenschaftlich fundierte Diskussion freuen.
Ohne kommentarloses Löschen von Beiträgen. Ohne Rumnörgeln. Und ohne Querulanten.
Viele Grüße!
Avatar #745246
Andre B.
am Mittwoch, 20. Januar 2021, 13:00

@blatt - Zweifel muss man sich erst verdienen

Ich lasse micht nicht in eine Schublade stecken oder mich zu einer bestimmen Gruppe (Seite) dazugehörig erklären, nur weil meine Argumentationen so sind wie sie eben sind. Wären die Äußerungen und Handlungen der Regierenden klar wissenschaftlich orientiert bzw. vollständig transparent und nachvollziehbar, dann bestünde auch gar kein Anlass dazu dem zu widersprechen oder gegenteilige Informationen überhaupt anzubieten.

Wenn ich mir jedoch z.b. die Bundespressekonferenz anschaue und auf Nachfragen nach wissenschaftlicher Evidenz nur absurd-ausweichende und völlig ungenügende Antworten erfolgen, dann sind massive Zweifel und Skepsis nur die unausweichliche Konsequenz dessen.

Als exemplarisches Beispiel dafür empfehle ich Ihnen die Nachfragen des Journalisten "Boris Reitschuster" bei der Bundespressekonferenz in Berlin >>> https://www.youtube.com/watch?time_continue=1&v=KzXwi0An9g8&feature=emb_logo
Avatar #861688
Dr. Andreas Skrziepietz
am Mittwoch, 20. Januar 2021, 09:47

case fatality rate Schweden-Deutschland-Weißrussland-Russland

Schweden: 2%
Deutschland: 2,4%
https://ourworldindata.org/coronavirus-data-explorer?tab=map&zoomToSelection=true&country=~DEU&region=Europe&cfrMetric=true&interval=total&hideControls=true&perCapita=true&smoothing=0&pickerMetric=location&pickerSort=asc

Wie kann das denn sein?

Weißrussland: 0,8%
Russland: 1,8%
Avatar #13
blatt
am Dienstag, 19. Januar 2021, 21:47

Sie

zweifeln konsequent an den Statistiken, am Lockdown und den Maßnahmen der Politik, das ist Ihr gutes Recht, aber zu behaupten, Sie stünden auf keiner Seite, ist doch mehr als forsch.....jeder kann sich ja ein Bild machen von Ihren Beiträgen https://www.aerzteblatt.de/user/745246
Avatar #745246
Andre B.
am Dienstag, 19. Januar 2021, 16:50

@blatt - Ich stehe auf keiner Seite

Sie dürfen davon ausgehen, das ich JEDE Aussage und egal von welcher "Seite" diese auch kommen mag grundsätzlich auch auf ihre Fundiertheit und den Wahrheitsgehalt hin überprüfe, was meistens viel mehr an Aufwand notwendig macht, als z.b. nur diverse themenbezogene Studien zu lesen. Ich sehe mich also ganz klar auf der Seite der Wissenschaft und nicht auf Seite derer, die versuchen solch wissenschaftliche Forschung für ihre Zwecke zu missbrauchen oder zu instrumentalisieren.

So wie es auch für mich nicht zwangsläufig eine Rolle spielt, über welche Qualifikation Sie oder auch andere verfügen oder ob Sie nun einen akademischen Titel vor Ihrem Namen tragen dürfen, da für mich nur Ihre hier getätigten Aussagen überhaupt eine Relevanz besitzen, so würde ich mir ebenfalls wünschen, das Sie mich auf die gleiche Art und Weise versuchen zu sehen und zu beurteilen.

Mit freundlichen Grüßen
André B.
Avatar #13
blatt
am Dienstag, 19. Januar 2021, 15:42

Sind

Sie eigentlich Wissenschaftler?
Avatar #745246
Andre B.
am Dienstag, 19. Januar 2021, 15:37

@blatt - Natürlich ist sie das ....

... und ich habe auch nicht generell "Die Welt" kritisiert, sondern explizit nur den Artikel zu Finnland!

Ich wiederhole mich, aber es macht einen großen Unterschied ob ich versuche eine Kausalität aufzuzeigen, die mit den dafür verwendeten Parametern jedoch gar nicht schlüssig dargelegt werden kann oder ob ich retroperspektiv einen persönlichen Kommentar bezüglich einer anderweitig getroffenen Aussage verfasse wo bereits auch ersichtlich geworden ist, das diese eben nicht zutreffend war.

Die von Ihnen angesprochene und grundsätzlich sehr wünschenswerte offene Diskusion findet in der Realität leider gar nicht statt, sondern differenziertere Meinungen werden zumeist unterdrückt oder die Wortführer werden denunziert oder im besten Falle auch schlicht ignoriert. >>> https://www.bmj.com/content/371/bmj.m4425?utm_source=twitter&utm_medium=social&utm_term=hootsuite&utm_content=sme&utm_campaign=usage

Mit freundlichen Grüßen
André B.
Avatar #13
blatt
am Dienstag, 19. Januar 2021, 15:16

"Die Welt" ist also doch zitierbar?

Na gut, es gibt nur eine wissenschaftliche Meinung und die von Ioannidis?. ich frage mich dann schon, warum weltweit Wissenschaftler pro und contra diskutieren? Aber sei´s drum...
Avatar #789658
2haeschen
am Dienstag, 19. Januar 2021, 15:09

Ausgangssperren, Masken und co.

Immer wieder lächerlich: Ausgangssperre ab 20.00 Uhr, oder sonstige willkürliche Zeiten. Es gilt Kontaktsperre ... Punkt. Wo bitte begegne ich "dem Virus", wenn ich 22.00 Uhr allein unterwegs bin? Ist "der Virus" nach 20.00 Uhr besonders ansteckend?

Auch eine Home Office Pflicht ist so ein lächerlicher Begriff. Bitte: motivieren ja, aber die Politik soll sich aus Sachen raushalten, von denen sie keine Ahnung hat. In Büros, gibt es Vorschriften zum Datenschutz. Es gibt auch Programme und Unterlagen, auf die man von zu Hause bei Bedarf nicht zugreifen kann. Einige kleine Probleme davon kann man lösen, wenn man will (priv. Telefonnummer unterdrücken beim telefonieren, sich einen Drucker, Fax, Scanner samt Zubehör kaufen, (ach nein, bestellen (!)), diesen einrichten usw., sichere Programme installieren, um auf Firmenserver zugreifen zu können, samt Virenschutz natürlich. Könnte man machen, wenn sich dadurch wirklich ernstzunehmend was ändern würde. Wir haben auf 60 Mitarbeiter genau einen Fall, der wahrscheinlich auf eine Ansteckung beim Kollegen geht (dessen Frau in der Altenpflege arbeitet). Bei insgesamt 2 tatsächl. pos. Getesteten.

Man geht bei den Überlegungen nur davon aus, dass viele Menschen zusammen arbeiten. Solange diese aber gesund sind, ist das Risiko doch wirklich lächerlich, zumal eben nicht 60 Risikopatienten zusammen arbeiten. Ich kenne nach wie vor (zum Glück) nicht einen Fall, der nachweislich stationär behandelt werden musste wegen "C." . Die Kranken, die ich kenne, waren krank und währenddessen zu Hause, wie sonst auch.

Und an Mitdenker: Bei uns vor Ort ist die Zahl der im Krankenhaus Behandelten gestern etwa auf dem Stand von Mitte November gewesen. Höchststand halbiert. 2 bzw. 3 Wochen nach "Weihnachten" auch keine neg. Auswirkungen.

Hinweis in unseren Medien vor Ort: C.-Testung seit Jahresbeginn stark rückläufig. ???

Es scheint "in zu sein" dass man sich mit Vorschlägen überbieten darf und dabei auch noch den "Zusammenhalt übt", damit der hilflose Bürger weiß, was er zu tun hat.

Ich nehme an, dass die Fallzahlen so bedenklich niedrig sind demnächst, dass wir neue Infektionen brauchen, am Besten erreicht man das jetzt ganz schnell, indem alle zeitgleich Masken in der Apotheke kaufen. Anschließend braucht man sie vielleicht wirklich.

Anders lässt sich manches nicht erklären.
Avatar #745246
Andre B.
am Dienstag, 19. Januar 2021, 15:03

@blatt - Ein perfektes Beispiel für schlechte Wissenschaft

Die Studie war mir bereits bekannt und ich empfehle Ihnen DRINGEND sich darunter die Kommentare/Kritiken dazu anzusehen! Es gibt wohl kaum eine vergleichbare Arbeit, die während der "Corona-Krise" publiziert wurde, die aufgrund der methodischen schwerwiegenden Mängel noch heftiger kritisiert wurde. Bezüglich der Studie wurden sogar mehrer Gegenstudien iniziert, die klar offenlegen wie grundlegend schlecht hier gearbeit wurde. >>> https://www.nature.com/articles/s41586-020-2405-7#article-comments

Ein paar Beispiele:

>>> https://judithcurry.com/2020/06/21/did-lockdowns-really-save-3-million-covid-19-deaths-as-flaxman-et-al-claim/
>>> https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.08.14.20175240v1
>>> https://advance.sagepub.com/articles/preprint/Comment_on_Flaxman_et_al_2020_The_illusory_effects_of_non-pharmaceutical_interventions_on_COVID-19_in_Europe/12479987
>>> https://www.nicholaslewis.org/did-lockdowns-really-save-3-million-covid-19-deaths-as-flaxman-et-al-claim/

Prof. Ioannides erläutert ebenfalls anschaulich die Fehler der Studie: https://www.youtube.com/watch?v=rXuljpIY-nk

Was das Papier der Leopoldina betrifft, so empfehle ich Ihnen dazu folgenden Artikel >>> https://www.welt.de/kultur/plus223823924/Corona-Kurven-Der-Irland-Irrtum-der-Leopoldina.html

Mit freundlichen Grüßen
André B.
Avatar #13
blatt
am Dienstag, 19. Januar 2021, 14:33

Zum Beispiel

https://www.nature.com/articles/s41586-020-2405-7

Ratschlag Lepoldina
1.600 Mitgliedern aus nahezu allen Wissenschaftsbereichen eine klassische Gelehrtengesellschaft.
https://www.leopoldina.org/publikationen/detailansicht/publication/coronavirus-pandemie-die-feiertage-und-den-jahreswechsel-fuer-einen-harten-lockdown-nutzen-2020/

Auch wenn ich der Leopoldina nicht unbedingt zustimme
Avatar #745246
Andre B.
am Dienstag, 19. Januar 2021, 14:28

@blatt - Meinung NICHT gleich Wissenschaft

Das Studienergebniss entspringt keiner Meinung, sondern ist das Resultat wissenschaftlicher Forschung unter Verwendung etablierter, validierter und nachvollziehbarer Methoden. Was z.b. "Die Welt" mit ihrem Artikel zu transportieren versucht, das ist hingegen pure Meinung!

Wenn Sie gegenteilige und nur annährend ähnlich qualifizierte und wissenschaftlich-medizinisch fundierte Gegenstimmen aufbieten können, dann würden Sie mich damit tatsächlich überraschen. Doch Meines Wissens gibt es die nicht.

Mit freundlichen Grüßen
André B.
Avatar #13
blatt
am Dienstag, 19. Januar 2021, 14:10

Es gibt nicht nur einen

weltweit renomiertesten und meistzitierten Epidemiolgen, dann bräuchte man nur eine Meinung. Wissenschaft lebt von mehreren Meinungen These Antithese, es wäre schön, wenn auch andere Meinungen gelten lassen würden oder gegenüberstellen, das wäre viel interessanter als nur immer Gegenlockdown-Meinungen, es gibt sicherlich auch Gründe dafür...und Sie verweisen immer nur auf Ioannidis. Finde ich einseitig auch wenn ich nciht für einen langen Lockdown bin. Aber Ausgewogenheit sollte sein.
Avatar #745246
Andre B.
am Dienstag, 19. Januar 2021, 13:58

@blatt - Besser fundierte Wissenschaft anstatt "Qualitätsmedien"

Zum Vergleich mit Finnland:

Um dahingehend überhaupt einen fundierten Eindruck gewinnen zu können, so ist es bei weitem nicht ausreichend, die absoluten Werte eines spezifischen Landes mit denen anderer Staaten vergleichen zu wollen. Hierzu müssten insbesondere noch verschiedenste weitere statistische. demographische und epidemiologische Variablen miteinbezogen werden.

Ich verweise hier auch noch einmal auf die aktuelle Studie von u.a. Prof. Ioanndis zur Wirkung unterschiedlicher Maßnahmen bzw. Ausprägungen von Lockdowns auf die Verbreitung von Sars-Cov-2.

Darüber hinaus würde ich mich sehr freuen, wenn mein erneuter Verweis auf die aktuelle Forschungsarbeit (bereits peer-reviewed) vom weltweit renomiertesten und meistzitierten Epidemiolgen (H-Index 210 >>> https://scholar.google.com/citations?user=JiiMY_wAAAAJ&hl=en) nicht wieder einfach GELÖSCHT wird.

ASSESSING MANDATORY STAY-AT-HOME AND BUSINESS CLOSURE EFFECTS ON
THE SPREAD OF COVID-19

Von Eran Bendavid, Christopher Oh, Jay Bhattacharya, John P.A. Ioannidis

-Department of Medicine, Stanford University Stanford, CA, USA
-Department of Epidemiology and Population Health, Stanford University, Stanford, CA, USA
-Department of Biomedical Data Science, Stanford University, Stanford, CA, USA
-Department of Statistics, Stanford University, Stanford, CA, USA
-Meta‐Research Innovation Center at Stanford (METRICS), Stanford University, Stanford, CA, USA

Ergebnisse:

"Die Implementierung jeglicher NPIs war in 9 von 10 Studienländern mit einer signifikanten Reduktion des Fallwachstums verbunden, einschließlich Südkorea und Schweden, die nur lrNPIs implementierten (Spanien hatte einen nicht-signifikanten Effekt). Nach Abzug der Epidemie- und lrNPI-Effekte finden wir in keinem Land einen klaren, signifikanten positiven Effekt von mrNPIs auf das Fallwachstum. In Frankreich z. B. betrug der Effekt von mrNPIs +7% (95CI -5%-19%) im Vergleich zu Schweden und +13% (-12%-38%) im Vergleich zu Südkorea (positiv bedeutet pro-Ansteckung). Die 95%-Konfidenzintervalle schlossen in allen 16 Vergleichen einen Rückgang von 30% und in 11/16 Vergleichen einen Rückgang von 15% aus.

Schlussfolgerungen:

Obwohl kleine Vorteile nicht ausgeschlossen werden können, fanden wir keine signifikanten Vorteile auf das Fallwachstum von restriktiveren NPIs. Ähnliche Reduzierungen des Fallwachstums können auch mit weniger restriktiven Maßnahmen erreicht werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir keine stichhaltigen Beweise finden konnten, das restriktivere NPIs bei der Kontrolle von COVID zu Beginn des Jahres 2020 wirksam waren. Wir stellen nicht die Rolle aller öffentlichen Gesundheitsmaßnahmen oder von koordinierten Kommunikation über die Epidemie in Frage, aber wir fanden keinen zusätzlichen Nutzen von Hausarrest und Betriebsschließungen.Die Daten können die Möglichkeit eines gewissen Nutzens nicht völlig ausschließen. Doch selbst wenn es sie gibt, stehen diese Vorteile in keinem Verhältnis zu den zahlreichen Schäden von aggressiven Gegenmaßnahmen. Gezieltere Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die die Übertragungen effektiver reduzieren, könnten für die künftige Kontrolle der Epidemie wichtig sein, ohne die Nachteile der sehr restriktiven Maßnahmen."

>>> https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/eci.13484 & https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/eci.13484

Mit freundlichen Grüßen
André B.
Avatar #13
blatt
am Dienstag, 19. Januar 2021, 11:50

Lockdown vielleicht auch zu spät

Das ist genauso interessant
https://www.welt.de/politik/ausland/plus224509602/Finnland-zeigt-den-Europaeern-wie-man-Corona-in-Griff-bekommt.html
und Qualitätsmedien berichten auch über die Besserung der Lage
https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/corona-lockdown-lage-auf-den-intensivstationen-entspannt-sich-17141939.html
https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/krankenhausstatistik-weniger-covid-patienten-auf-intensivstationen-a-3340e5df-72ea-4f5f-96be-0e01fd6e6831
ich weiß nicht MITDENKER, warum Sie dies pauschal kritisieren, vielleicht mal reinschauen
Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 19. Januar 2021, 11:33

Die warnenden Worte vom Intensivmediziner-Präsidenten Dr. Marx bei Illner fehlen hier

Deshalb trage ich sie gerne nach:
"Am Donnerstag gab es eine interessante Meldung vom Präsidenten der Vereinigung der Intensivmediziner, Gernot Marx. Es sähe so aus, „als hätten wir den Höhepunkt bei den intensivpflichtigen Patienten überschritten“. Außerdem bestritt er die Notwendigkeit der allerorten gefürchteten Triage und hielt den 26. Januar für ein gutes Datum für neue Entscheidungen. Dann ließe sich gut beurteilen, was „die richtigen Maßnahmen“ seien." etc
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik-zu-maybrit-illner-irrationalitaet-als-corona-prinzip-17147110.html

Er betont auch, dass erfreulicherweise seit ca. 2 Wochen die Anzahl der Covid-Intensivpatienten rückläufig ist, was - wie üblich - in den Qual.-Medien kaum zu finden ist. Aber im DIVI-Register leicht einzusehen ist.
Insofern macht es die Politik wie üblich: Wenn die Zahlen bereits sinken, kommen drastische Massnahmen. Wenn sie dann weiter sinken, kann man sich das dann auf die Fahne schreiben. Wenn nicht - ist die lasche Bevölkerung schuld. Fürwahr ein arg simples Strickmuster.

Ansonsten freue ich mich, dass ich mich den Ausführungen von Dr. Schätzler vollumfänglich anschliessen kann.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 18. Januar 2021, 23:28

Generalisierter Lockdown - Versuch oder Irrtum?

Die aktuelle Panik vor extrem gefährlich-unkontrollierbarer SARS-CoV-2-Pandemie einschließlich ihrer Mutationen missachtet infektiologische Grundsätze. Nicht Infizierte können Immune, Immunisierte und andere Nichtinfizierte nicht anstecken.

Die Interessenlage 95-96% Nichtinfizierter wird zu Gunsten von mit dramatischen Folgen 4-5% Infizierter (einschließlich Dunkelziffer) ignoriert. Statt die Mehrheit Nichtinfizierter vorbildhaft zu schützen, zu forden und zu fördern, wird im gleichmacherisch-undifferenzierten Lockdown ausschließlich die absolute Minderheit der Infizierten zum Maßstab aller Dinge. Aber selbst im verschärften Shutdown wie lockeren Lockdown sinken weder Erkrankungs- noch Todeszahlen signifikant.

Infektiologisch mustergültiges Verhalten Nichtinfizierter und die Einhaltung erweiterter AHA-Regeln werden dadurch konterkariert. Unsere Gesellschaft wird weiter gespalten und destabilisiert. Der Lockdown ist weltweit nur ein Surrogat-Parameter für eine naive, empirisch nicht abgesicherte Plausibilität, und zugleich der verzweifelte Versuch, seinen Irrtum nicht einzugestehen. Er geht als historische Fehleinschätzung davon aus, dass allein ein Stillstand im öffentlichen und privaten Leben, in Wirtschaft, Produktion, Verkehr, Touristik, Freizeit und Kultur eine lebensbedrohliche Pandemie besänftigen und kanalisieren könne.

Elementare menschliche Bedürfnisse (die 7 großen K's) nach Kontakt, Kollektivität, Kontemplation, Kommunion, Kommunikation, Kulturreflexion und Kreativität werden abgewürgt. Ganze Volkswirtschaften werden platt gemacht.

Ob und wie effektiv die dagegen überstürzt entwickelten Impfungen als Single- oder Dual-Shots bzw. die verwirrende Vielfalt mancher völlig absurd wirkender medikamentöser Therapien (von z.T. empirisch gar nicht belegbarer Allopathie bis Homöopathie, Vitamin B, C, D, Thymuspräparate usw.) helfen und langfristig schützen werden, ist und bleibt immer noch wissenschafts- und erkenntnistheoretisch ungewiss.

Der explizite "Grundsatz: Wir bleiben zu Hause" ist janusköpfig. Alle Statistiken des Robert-Koch-Instituts (RKI) besagen, dass die überwiegende Mehrheit nachvollziehbarer Infektionsabläufe im Wohn- und Essensmilieu von Heim, Haus, Wohnung und Lebensmittelpunkt auftreten. Im Lockdown werden unsere Patientinnen und Patienten genau dorthin geschickt, wo die Infektionsgefahr relativ gesehen am größten ist.

https://www.doccheck.com/de/detail/articles/31255-lockdown-versuch-oder-irrtum

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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