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Medizin

Forscher entwickeln Impfstoff gegen künftige Coronaviren

Montag, 8. Februar 2021

/dottedyeti, stock.adobe.com

Pasadena – Die COVID-19-Epidemie ist noch lange nicht überwunden, doch Forscher aus Kalifornien basteln bereits an einem Impfstoff, der vor weiteren Coronaviren schützen soll, die in der Wildnis auf den „Speziessprung“ warten. Ihr in Science (2021; DOI: 10.1126/science.abf6840) vorgestellter Impfstoff könnte gleichzeitig vor 8 verschiedenen Coronaviren schützen.

SARS-CoV-2 ist innerhalb von weniger als 20 Jahren bereits das 3. zoonotische Coronavirus. Die Epidemie mit SARS-CoV-1 verlief glimpflich und MERS-CoV ist für eine Pandemie nicht ansteckend genug. Alle 3 Coronaviren sind vermutlich aus Viren entstanden, die bei Fledermäusen vorkommen und über einen Zwischenwirt den Menschen erreicht haben.

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Virologen befürchten, dass jederzeit weitere Coronaviren auf den Menschen überspringen könnten. Chine­sische Forscher konnten jedenfalls im Blut von Menschen, die in der Nähe von Fledermaushöhlen wohnen, Antikörper gegen diverse Coronaviren nachweisen (Virologica Sinica, 2018; DOI: 10.1007/s12250-018-0012-7).

Ein Team um Pamela Björkman vom California Institute of Technology in Pasadena hat einen Impfstoff entwickelt, der gegen verschiedene potenziell zoonotische Coronaviren schützen könnte. Der Impfstoff besteht aus einem Nanopartikel in Form eines Käfigs. Auf dessen Oberfläche befinden sich 60 identische Proteine, an denen Spikeproteine der verschiedenen Coronaviren befestigt werden können. Die Bindung erfolgt spontan, wie bei einem Klettverschluss. Es reicht aus, die Nanopartikel mit den einzelnen Spike­proteinen in einer Lösung zusammenzubringen.

Die Forscher haben ihren neuen Impfstoff bereits an Mäusen getestet. Die Tiere wurden mit Nano­partikeln geimpft, die auf ihrer Oberfläche die Spikeproteine von 8 verschiedenen Coronaviren trugen. Die geimpften Mäuse entwickelten wie erhofft Antikörper, die sie vor einer Infektion mit den 8 Corona­viren schützen könnten. Doch nicht nur das. Die Antikörper neutralisierten in den Laborexperimenten auch Coronaviren, die gar nicht Bestandteil des Impfstoffs waren.

Der genaue Mechanismus für diese Kreuzimmunität ist noch nicht bekannt. Es könnte jedoch den Impf­schutz gegen die Coronaviren verbreitern. Die vom Impfstoff erzeugten Antikörper neutralisierten auch SARS-CoV-2.

Im Prinzip könnte er deshalb auch bei der derzeitigen Pandemie eingesetzt werden. Wegen fehlender klinischen Prüfung dürfte er derzeit nicht eingesetzt werden. Im Fall eines weiteren Pandemiecoronavirus, das viele Virologen zumindest nicht für ausgeschlossen halten, könnte sich dies schnell ändern. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 9. Februar 2021, 13:34

@ TMOlesch, es gibt übrigens INTERNET!

"...Wissenschaftlich in den Fokus gerückt sind Virus-Wirt-Wechselwirkung ursprünglich zoonotischer Viren und Fragenstellungen zur Regulation viraler Speziesbarrieren. Es werden die Faktoren der angeborenen Immunität erforscht, welche maßgeblich an der Regulation der Speziesbarriere mitwirken und einen Speziessprung ("spezies jump") in die menschliche Population ermöglichen...
https://www.mhb-fontane.de/einrichtung-details/institut-fuer-mikrobiologie-und-virologie-virologie.html

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #753528
Al_Bert
am Dienstag, 9. Februar 2021, 09:01

@TMOlesch Wo ist das Problem? denn

im Artikel steht „Speziessprung“, und es ist üblicher Sprachgebrauch, wenn man sagt, das z.B. eine Erkältung auf jemanden überspringt. Muss man denn alles wortwörlich nehmen und sofort die verbale Keule schwingen?
Avatar #66961
TMOlesch
am Montag, 8. Februar 2021, 19:01

Springende Viren in einem Fachblatt?

„ Virologen befürchten, dass jederzeit weitere Coronaviren auf den Menschen überspringen könnten.“
Das kann doch wohl nicht wahr sein! Seit wann haben Viren Muskeln? Seit wann haben sie Muskeln? Muss der Mist aus der Laienpresse im Ärzteblatt wiederholt werden? Klares Denken beginnt mit klaren Begriffen ... .
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