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Weitere Mutationen von SARS-CoV-2 in Deutschland nachgewiesen

Donnerstag, 21. Januar 2021

/vchalup, stock.adobe.com

Berlin – In Deutschland sind weitere Fälle der zunächst in Großbritannien entdeckten Coronavariante B.1.1.7 sowie der Mutation aus Afrika B.1.351, die nach bisherigen Erkenntnissen ansteckender sind als das Ursprungsvirus von SARS-CoV-2, nachgewie­sen worden.

Die Zahl der Nachweise auf einer internistischen Station des Humboldt-Klinikums in Berlin-Reinicken­dorf liegt inzwischen bei neun, wie der landeseigene Vivantes-Konzern mitteilte. Gestern waren sechs Fälle bekannt geworden, vier davon bei Patienten und zwei bei Mitarbeitern. Die Variante war zunächst in Großbritannien beschrieben worden. Die Fälle aus dem Krankenhaus sollen allerdings nicht mit Reisen der Betroffenen zu erklären sein.

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Für die Station war nach der Entdeckung ein Aufnahmestopp verhängt worden. Keine Angaben machte Vivantes zunächst zu der Frage, ob auch schon weitere Coronafälle mit Bezug zur Station bekannt sind, bei denen lediglich der Nachweis der Variante aussteht. Auch die Gesamtzahl der Variantennachweise in Berlin war zunächst nicht zu erfahren.

„Sobald die vorgeschriebenen Meldewege belastbare Zahlen ermöglichen, können diese kommuniziert werden“, teilte ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung auf Anfrage mit. Der erste Nachweis von B.1.1.7 in Berlin war vor knapp zwei Wochen bekannt gegeben geworden. Der Patient soll zuvor in Großbritan­nien gewesen sein; auch zwei Kontaktpersonen erkrankten.

Die kursierenden Coronavarianten sollen laut einer seit Dienstag geltenden Verordnung stärker auf den genauen Virustyp untersucht werden. Der Bund soll bis Anfang Februar erste Ergebnisse dazu vorlegen. Hintergrund ist die Befürchtung, dass die Coronaeindämmung durch ansteckendere Varianten erschwert wird.

Die Warnung der Bundeskanzlerin und der Spitzen der Länder insbesondere vor der UK-Variante und die Aufforderung zu mehr Sequenzierungen seien „nachdrücklich zu unterstreichen“, erklärte die Berliner Gesundheitsverwaltung. Es sei davon auszugehen, dass „auch schon bei zunehmender Sequenzierung mehr gefunden werden dürfte“.

Die in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 wurde nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) von gestern bisher in 28 Fällen in mehreren Bundesländern nachgewiesen, zwei davon in Berlin (Stand: vorgestern). Die Meldungen können allerdings zeitverzögert beim RKI ankommen. Bei 19 der bisher be­kannten Fälle wird laut dem Institut eine Ansteckung im Ausland angenommen, in neun Fällen sei die Quelle noch unklar.

Der Virologe Christian Drosten, dessen Labor an der Charité auf Coronaviren spezialisiert ist, sagte im NDR-Podcast, er schätze, dass die Mutante aus Großbritannien ungefähr ein Prozent oder weniger der Fälle in Deutschland ausmache. Er vermutete Einschleppungen vor allem über die Weihnachtstage. Mehr Daten seien in den nächsten Wochen zu erwarten.

Drosten zufolge gibt es jetzt noch ein Zeitfenster, um die Ausbreitung hierzulande im Keim zu ersticken. In Großbritannien zeige der Lockdown bereits Effekte. Für den Wissenschaftler steht mittlerweile fest, dass sich die Mutante tatsächlich schneller verbreitet.

Die Mutation aus England könnte auch in Bayreuth agekommen sein. „Bei einer Person, die von einer Reise zurückkehrte, war die Mutation B.1.1.7 in Bayreuth zuerst aufgetreten“, teilte das Klinikum Bay­reuth mit. „Es ist nicht auszuschließen, dass dieser Virustyp inzwischen im Klinikum angekommen ist.“

In den vergangenen Tagen gab es nach Angaben des Klinikums mehrere Ausbrüche, „die in ihrer Dyna­mik die bisherigen Ausbruchsereignisse übertroffen hatten“. Am Wochenende lag die Zahl der COVID-19-Patienten am Klinikum demnach zum ersten Mal bei über 100.

So schnell wie möglich sollen nun alle Mitarbeitenden getestet werden – mehr als 3.300 Menschen. Schon jetzt bitte das Klinikum um Unterstützung in der Pflege, hieß es weiter. Die stationären Patienten sollen möglichst bald entlassen werden. Weitere Maßnahmen sollen mit Experten des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit abgestimmt werden.

Erstmals ist in Sachsen eine südafrikanische Variante des Coronavirus aufgetreten. Die Mutation gilt als deutlich ansteckender als das bisher im Freistaat verbreitete Virus. Betroffen ist ein Patient, der ambu­lant am Leipziger Universitätsklinikum behandelt wurde.

Das Virus sei im Zuge eines Routinescreenings aller Patienten nachgewiesen worden, informierte das Universitätsklinikum heute. Es handle sich um den ersten Nachweis dieser Virusvariante in Sachsen, bestätigte das Ge­sund­heits­mi­nis­terium auf Anfrage in Dresden.

„Es kommt jetzt mehr denn je auf jeden Einzelnen an, sich selbst und andere Menschen zu schützen und die Verbreitung des Virus weiter einzudämmen“, mahnte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Nach Bekanntwerden des Falles seien strenge Quarantänemaßnahmen verhängt und die Nach­verfolgung des Infektionsweges eingeleitet worden.

Laut Uniklinikum handelt es sich „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ um den Stamm B.1.351. Diese Va­riante sei vor allem in Südafrika verbreitet. „Eine vollständige Sequenzierung des Virusgenoms der nun nachgewiesenen Virusvariante ist in Arbeit“, sagte die kommissarische Leiterin der Virologie am Unikli­nikum, Corinna Pietsch. Es müsse geklärt werden, ob weitere Kontaktpersonen mit dem mutierten Virus infiziert seien.

„Daten aus anderen Ländern weisen darauf hin, dass diese Virusvariante ansteckender und damit letzt­endlich leider für die Bevölkerung auch gefährlicher ist, weil sich mehr Menschen infizieren und erkran­ken“, bemerkte Pietsch. Zudem gebe es Hinweise, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe beeinträchtigt sein könnte.

Die Südafrika-Variante B.1.351 des Coronavirus war vor mehr als einer Woche erstmals in Baden-Würt­tem­berg nachgewiesen worden. Erkrankt war den Angaben zufolge eine Person, die mit ihrer Familie von einem längeren Aufenthalt in Südafrika zurückgekehrt war. In Sachsen war bereits Anfang des Monats eine neue Variante des Virus aus Großbritannien bei einem Patienten aus Dresden aufgetreten. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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