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Medizin

Metaanalyse: Antidepressiva erzielen bei Rücken- und Gelenkschmerzen nur geringe Wirkung

Freitag, 12. Februar 2021

Verschiedene Arthrosestadien/ crevis, stock.adobe.com

Sydney – Antidepressiva werden zunehmend zur Behandlung von chronischen Rücken- und Gelenk­schmer­zen eingesetzt, um die Risiken von nichtsteroidalen Antirheumatika und Opioiden zu vermeiden. Eine Metaanalyse im Britischen Ärzteblatt British Medical Journal (2021; DOI: 10.1136/bmj.m4825) kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass die Wirkung eher schwach ist.

Rücken- und Gelenkschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsstörungen. Die Prävalenz von Rücken­schmerzen liegt in internationalen Studien bei 5 bis 7,3 %. Über arthrosebedingte Hüft- und Knie­symptome klagen 12 % der Weltbevölkerung. Die Beschwerden lassen sich kurzfristig durch nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide lindern. Eine langfristige Behandlung ist wegen der gastrointes­tinalen Blutungsrisiken der NSAR und der Abhängigkeit von Opioiden problematisch.

Als Alternative werden häufig Antidepressiva verordnet, denen vor allem bei neuropathischen Schmerzen eine Wirkung zugeschrieben wird, die Folge einer Nervenverletzung sind, beispielsweise bei einem Bandscheibenvorfall. Die Evidenz für eine Wirkung ist jedoch umstritten, was sich in den unterschiedlichen Empfehlungen zeigt.

Das American College of Physicians beispielsweise empfiehlt den Serotonin-Noradrenalin-Wiederauf­nahme­­hem­mer (SNRI) Duloxetin bei Rückenschmerzen. Das britische National Institute for Health and Care Excellence rät zu Amitriptylin oder Duloxetin als bevorzugte Behandlung für Patienten mit verschie­denen Formen neuropathischer Schmerzen, einschließlich Rückenschmerzen mit radikulären Symptomen.

Die deutsche Nationale Versorgungsleitlinie nichtspezifischer Kreuzschmerz rät allenfalls bei einer komorbiden Depression oder bei Schlafstörungen zu Antidepressiva.

Auch bei der Arthrose sind die Empfehlungen uneinheitlich. Die Osteoarthritis Research Society Interna­tional und das American College of Rheumatology, empfehlen Duloxetin zur Behandlung von Arthrose­schmerzen. In der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie zur Gonarthrose werden Antidepressiva nicht einmal erwähnt.

Ein Team um Giovanni Ferreira von der Sydney School of Public Health hat jetzt die verfügbaren Studien in einer Metaanalyse zusammengefasst. Die Wirksamkeit wurde praxisnah mit den Veränderungen auf einer Schmerzskala von 0 bis 100 Punkten bewertet.

Die Analyse ergab, dass Antidepressiva in der Behandlung von Rückenschmerzen nur eine geringe Wirkung erzielen. Für die SNRI ermittelt Ferreira einen Rückgang der Schmerzen im Vergleich zu Placebo um 5,3 Punkte nach 3 Monaten. Der Vorteil war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 3,30 bis 7,31 Punkten zwar signifikant. Die Vorteile für die Patienten sind nach Einschätzung von Ferreira jedoch „trivial“.

In der Behandlung von Arthroseschmerzen betrug der Vorteil der SNRI gegenüber Placebo nach 3 bis 13 Wochen 9,72 Punkte (6,69 bis 12,75). Diese Wirkung ist ebenfalls gering, sie erreicht allerdings fast die 10-Punkt-Grenze, die für eine klinische Wirkung häufig gefordert wird.

Für die Behandlung einer Ischialgie mit SNRI ermittelt Ferreira eine größere Wirkung von 18,60 Punkten (5,33 bis 31,87) in den ersten 2 Wochen. Der Rückgang um 17,50 Punkte nach 3 bis 13 Wochen war bei einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 7,89 bis 42,90 jedoch nicht mehr signifikant.

Die Datenlage zu den älteren trizyklischen Antidepressiva ist deutlich schwächer. In der Behandlung von Rückenschmerzen betrug der Vorteil gegenüber Placebo nach 3 bis 13 Wochen 15,95 Punkte, allerdings bei einem weiten und damit unklaren 95-%-Konfidenzintervall von 0,39 bis 31,52 Punkten. Eine Wirkung ist damit nicht bewiesen, aber auch nicht ausgeschlossen.

Gegen die geringen oder unklaren Vorteile müssen die Nachteile der Medikamente aufgerechnet werden. Unter der Behandlung mit den SNRI berichteten in den Studien 2/3 der Patienten über wenigstens eine Nebenwirkung wie beispielsweise Übelkeit. © rme/aerzteblatt.de

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