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Medizin

Intensivmedizin: Konservative Sauerstoffgabe erzielt in Studie gleich gute Ergebnisse

Dienstag, 26. Januar 2021

/Lambros Kazan, stock.adobe.com

Aalborg/Dänemark – Eine konservative Sauerstoffgabe, die einen relativ niedrigen Sauerstoff­partialdruck (PaO2) anstrebt, hat in einer randomisierten Studie bei Intensivpatienten mit hypoxä­mischem Lungenversagen gleich gute Ergebnisse erzielt wie eine höher dosierte Behandlung.

Dies geht aus den jetzt im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2032510) veröffentlichten Ergebnissen hervor.

Intensivmediziner diskutieren seit Jahren, wie viel Sauerstoff Patienten mit einer akuten Einschränkung der Lungenfunktion (Hypoxämie) erhalten sollten. Technisch ist es häufig möglich, normale Sauerstoff­partialdrücke zu erzielen. Dazu sind jedoch große Sauerstoffmengen notwendig, die wegen der oxidierenden Wirkung von Sauerstoff Schäden im Gewebe anrichten könnten.

Tatsächlich hatten frühere Studien darauf hingewiesen, dass eine hochdosierte Sauerstofftherapie die Sterblichkeit der Patienten erhöht. In einer 2008 veröffentlichten Umfrage befürworteten 80 % der Intensivmediziner einen arteriellen Sauerstoffpartialdruck (PaO2) von 60 mm Hg. Das ist deutlich weniger als der Normalwert, der bei einem gesunden Erwachsenen zwischen 75 bis 100 mm Hg liegt.

Diese Haltung wurde im letzten Jahr durch die LOCO2-Studie („Liberal Oxygenation versus Conservative Oxygenation in ARDS“) infrage gestellt. Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen, nachdem es in der Gruppe mit niedrigerer konservativer Oxygenierung bei mehreren Patienten zu mesenterialen Ischämien gekommen war und die Sterberate um 14 Prozentpunkte höher war als bei einer intensiveren „liberalen“ Sauerstoffgabe.

In der gleichzeitig publizierten ICU-ROX-Studie („Intensive Care Unit Randomized Trial Comparing Two Approaches to Oxygen Therapy“) hatte eine konservative Sauerstoffgabe dagegen nicht zu vermehrten Todesfällen geführt.

Vor diesem Hintergrund wurden jetzt die Ergebnisse der HOT-ICU-Studie („Handling Oxygenation Targets in the Intensive Care Unit“) vorgestellt, an der sich 35 Zentren in Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Norwegen, Großbritannien, Island und der Schweiz beteiligt hatten.

Insgesamt 2.928 erwachsene, schwerkranke Patienten mit einem Sauerstoffbedarf von mindestens 10 Litern pro Minute oder einem eingeatmeten Sauerstoffanteil von 50 % wurden auf eine konservative Sauerstoffgabe mit einem PaO2-Zielwert von 60 mm Hg oder auf eine liberale Sauerstoffgabe mit einem PaO2-Zielwert von 90 mm Hg randomisiert. Der primäre Endpunkt der Studie war die Sterblichkeitsrate nach 90 Tagen. Die beiden sekundären Endpunkte waren die Anzahl der Tage ohne (notwendige) lebens­erhaltende Maßnahmen und die Anzahl der Tage ohne Hospitalisierung und der Sicherheitsendpunkt das Verhältnis der Patienten mit Schock, Herzinfarkt, Schlaganfall und Magen-Darm-Durchblutungs­störungen.

Wie das Team um Bodil Steen Rasmussen vom Universitätsklinikum Aalborg jetzt berichtet, kam es in keinem Endpunkt zu signifikanten Unterschieden. Nach 90 Tagen waren in der konservativen Behand­lungs­gruppe 618 von 1.441 Patienten (42,9 %) gestorben gegenüber 613 von 1.447 Patienten (42,4 %) in der Gruppe mit liberaler Sauerstoffgabe. Die adjustierte Risk Ratio von 1,02 und das enge 95-%-Konfidenzintervall von 0,94 bis 1,11 schließen weitgehend aus, dass ein Vor- oder Nachteil einer der beiden Strategien übersehen wurde.

Auch in den sekundären Endpunkten und im Sicherheitsendpunkt gab es keine Unterschiede. Unter der konservativen Sauerstoffgabe erlitten 32 Patienten eine intestinale Ischämie (2,2 %) gegenüber 29 Patienten (2,0 %) unter der liberalen Sauerstoffgabe.

Viele Intensivmediziner dürften sich aufgrund der Ergebnisse in ihrer zurückhaltenden Strategie bestärkt fühlen. Wenn die zusätzliche Sauerstoffgabe keine Vorteile bringt, könnte gut auf sie verzichtet werden.

Zudem hatte zuletzt vor 3 Jahren eine Metaanalyse im Lancet (2018; DOI: 10.1016/S0140-6736(18)30479-3) auf einen leichten Anstieg der Sterblichkeit bei einer liberalen Sauerstoffgabe hingedeutet. © rme/aerzteblatt.de

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