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Medizin

Studie: Luftschadstoffe schädigen Retina und erhöhen Risiko auf altersbedingte Makuladegeneration

Mittwoch, 27. Januar 2021

/picture alliance, Karl-Josef Hildenbrand

London – Ältere Erwachsene, die an ihrem Wohnort erhöhten Feinstaubkonzentrationen ausgesetzt waren, gaben in einer Querschnittstudie häufiger an, an einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD) zu leiden. In einer optischen Kohärenztomografie wurden laut der Publikation im British Journal of Ophthalmology (2021; DOI: 10.1136/ bjophthalmol-2020-316218) vermehrt Veränderungen der Retina gefunden.

Die AMD ist in reicheren Nationen die häufigste Erblindungsursache im Alter von über 50 Jahren. Weltweit sollen 200 Millionen Menschen betroffen sein. Bis zum Jahr 2040 wird mit einem Anstieg auf rund 300 Millionen gerechnet. Zu den Risikofaktoren gehört neben dem Alter und einer genetischen Veranlagung auch das Tabakrauchen. Es ist deshalb plausibel, auch nach einem Zusammenhang mit anderen Luftschadstoffen zu suchen.

Eine frühere Langzeitstudie aus Taiwan war bereits zu dem Ergebnis gekommen, dass eine erhöhte Exposition mit Stickstoffdioxid und Kohlenmonoxid in einem Zeitraum von nur 11 Jahren das Erkran­kungsrisiko nahezu verdoppeln könnte. Die Studie hatte damals den Einfluss von Feinstaub nicht untersucht, der in westlichen Ländern zu einem Problem geworden ist.

Ein Team um Paul Foster vom Institute of Ophthalmology am University College London hat zu dieser Frage jetzt die Daten der UK Biobank ausgewertet. An der Studie hatten zwischen 2006 und 2010 eine halbe Million Briten im Alter von 40 bis 69 Jahren teilgenommen. Sie wurden nach Krankheiten befragt und medizinisch untersucht. Zuletzt wurde auch eine optische Kohärenztomografie (OCT) durchgeführt mit Schichtaufnahmen der Retina, wo die AMD ihren Ursprung hat.

Foster hat die Ergebnisse von 52.602 OCT mit der Luftverschmutzung am Wohnort der Teilnehmer in Beziehung gesetzt. Ergebnis: Eine höhere Exposition gegenüber Feinstaub (PM 2,5 und PM 10) sowie Stickoxiden ging mit einem dünneren retinalen Pigmentepithel (RPE-Schicht) einher. Die Schicht mit den Außensegmenten der Photorezeptorzellen, die das Licht auffangen, und die Schicht mit den Innen­segmenten, wo die erste Weiterleitung der neuronalen Signale erfolgt, war dagegen verdickt.

Die RPE-Schicht ist unter anderem für den Erhalt der Photorezeptoren zuständig. Stoffwechselschlacken werden dort abgebaut und über die retinalen Blutgefäße entsorgt. Bei Funktionsstörungen können sich in dieser Schicht Ablagerungen bilden, die bei der Augenuntersuchung als Drusen sichtbar werden und ein frühes Kennzeichen der AMD sind. Die Verdickung der anderen Schichten lässt sich ebenfalls als Folge eines gestörten Stoffwechsels deuten.

Die in der OCT sichtbaren Veränderungen der Retina könnten deshalb die Assoziation zwischen der vermehrten Schadstoffbelastung und der AMD erklären, die Foster bei einer Befragung der Teilnehmer ermittelte. Pro Interquartilabstand war eine vermehrte Feinstaubbelastung mit einem Anstieg der Zahl der AMD um 8 % verbunden. Die Odds Ratio von 1,08 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,01 bis 1,16 signifikant. Für Stickstoffdioxid und die Gesamtheit der Stickoxide war kein signifikanter Zusammenhang erkennbar.

Die Forscher konnten bei ihren Berechnungen eine Reihe anderer Begleitfaktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft, Deprivation, Body-Mass-Index, Raucherstatus und Refraktionsstörungen berück­sichtigen. Wie immer in epidemiologischen Studien lässt sich nicht ausschließen, dass andere Ursachen übersehen wurden.

Zu den Stärken der Studie gehört, dass die Luftverschmutzung mit den Veränderungen in der OCT assoziiert war. Da Tabakrauch bereits ein gesicherter Risikofaktor ist, erscheint ein Einfluss plausibel. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 28. Januar 2021, 03:22

Man nehme einen Riesenhaufen Daten

und lasse ein Computerprogramm nach Korrelationen suchen - irgendwo wird sich schon eine 5%-Signifikanz finden...
Übrigens: Die Wahrscheinlichkeit, beim Mensch-Ärgere-dich-nicht 2 Sechsen nacheinander zu würfeln, beträgt 2.8%!
Aussagekraft NULLKOMMANIX!
Zusatzfrage: Wo bleibt die Epidemie an Maculadegeneration in Chinas Großsstädten oder den Megacities der dritten Welt?
Avatar #550935
Arco
am Mittwoch, 27. Januar 2021, 22:13

Wert der Studie?

". Wie immer in epidemiologischen Studien lässt sich nicht ausschließen, dass andere Ursachen übersehen wurden."
Stimmt. Zum Beispiel wurde übersehen, dass Menschen mit niedrigem Haushaltseinkommen in solchen billigen Wohnwagen mit Feinstaub wohnen.
Schlechte Ernährung, Rauchen, Alkohol etc sind dort gehäuft anzutreffen.
Das Auftreten von Cataract und Maculadegenerationen ist dort aufgrund aller Lebensumstände besonders hoch.
Maculadegenerationen mit Feinstaub zu assoziieren ist daher fraglich und der Studienwert ebenfalls.
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Mittwoch, 27. Januar 2021, 19:30

Dieses Studienergebnis

ist angesichts des Umstandes, dass Feinstaub von reaktiver Eigenschaft ist, nicht überraschend. Aber was ist dagegen zu unternehmen? Natürlich das hier: Zufuhr von Antioxidantien.
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