NewsÄrzteschaftMedizinische OP- und FFP2-Masken: Chancen und Risiken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Medizinische OP- und FFP2-Masken: Chancen und Risiken

Mittwoch, 27. Januar 2021

/picture alliance, Pressebildagentur ULMER, ULMER

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) begrüßt als Fach­ge­sellschaft die Initiative der Bundesregierung, die Maskenpflicht als wirkungsvollen Schritt zum Infekti­ons­schutz mit in den Vordergrund zu stellen – Bürger sollen nach Regierungs­beschluss ab sofort in öffent­lichen Verkehrsmitteln sowie in Geschäften nur noch qualitativ hochwertige, medizinische Masken tragen. Dies sei als Initiative geeignet, die Schutzwirkung zu verbessern.

In ihrer Stellungnahme weisen die deutschen Pneumologen allerdings gleichzeitig darauf hin, dass so­wohl chirurgische als auch FFP-Masken (die sind mit medizinischen Masken gemeint) letztlich mit einem anderen Ziel entwickelt worden sind, und infolgedessen für den eigenen Schutz und den Fremd­schutz der Bevölkerung nur einen Kompromiss darstellen können.

Anzeige

Korrekte Handhabung wichtig

In der Stellungnahme wird ausführlich die Filterwirkung der verschiedenen FFP-Masken (FFP1-3) erläu­tert, dies anhand objektivierbarer Kriterien wie Filterleistung, erlaubter Leckage (Atmen an der Maske vorbei durch ein Leck) sowie der Atemwegswiderstände beim Ein- und Ausatmen. Obwohl danach FFP-Masken derzeit den bestmöglichen Selbstschutz vor dem Inhalieren von virushaltigen Aerosolen dar­stellten, sei dies stets nur bei korrekter Handhabung gewährleistet, betont die Fachgesellschaft. Sie ru­fen daher dazu auf, die Bevölkerung besser als bisher darüber aufzuklären, wie die Masken korrekt zu tragen seien.

Dominic Dellweg, Mitautor der Stellungnahme und Chefarzt am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft, einem akademischen Lehrkrankenhaus der Philipps-Universität Marburg, betont die Bedeutung dieses Faktors: „Wir wissen sowohl aus Studien als auch aus jüngsten Erfahrungen, dass mitunter selbst beim medizi­nischen Personal und auch bei Pflegekräften solche Faktoren zu vermehrten Infektionen führen können“.

Der Laie sollte nicht nur wissen, dass Bärte fast zwangsläufig Undichtigkeiten hervorrufen. Dem Träger müsse bewusst sein, dass das Atmen zwar erschwert werde – es sei, wie durch einen Strohhalm Luft einsaugen zu müssen –, dass dies aber zugleich ein Beleg für die Dichtigkeit der Maske und somit erw­ünscht sei. Die Nutzer müssten daher darüber aufgeklärt werden, dass es die Schutzwirkung solch hoch­wertiger Masken konterkariere, wenn über eine Leckage ein und ausgeatmet würde.

„Sitzt die Maske von vorneherein nicht dicht, lockert sie sich unwillkürlich oder verschafft sich der Träger bewusst Luft, schüttet man das Kind mit dem Bade aus“, warnt Dellweg, „da sich die Luft immer den Weg des geringsten Widerstandes sucht“.

Einschränkung für Bartträger

Aber anders als beispielsweise in den USA und Großbritannien ist in Europa vor Nutzung einer FFP-Maske keinerlei Prüfung auf Dichtigkeit vorgeschrieben, lediglich die Einschränkung für Bartträger wird erwähnt. Das in den USA vorgeschriebene Testverfahren auf Dichtigkeit vor Nutzung einer solchen Maske ist hingegen sehr komplex. „Hier prüft man unter anderem mit verschiedenen Geruchsstoffen, ob ein Leck besteht“, erläutert Dellweg und ergänzt: „Klar ist auch, dass die Fehlerquote durch Schulung und Training verbessert werden kann“.

Während sich aber bei der Herstellung der verschiedenen Maskenformen die Hersteller in den USA an einer Testbatterie von normierten Kunstköpfen orientieren können, die durch die Vermessung von tau­senden von US Bürgern erstellt worden sind, gibt es einen ähnlichen Ansatz für FFP-Masken in Europa nicht. Hier ist insbesondere offen, inwieweit die Passform für Kinder gewährleistet werden kann. Sind die Nutzer gesund, sehen die Pneumologen keine Hinweise für Probleme mit dem Atemwegs­widerstand.

„Viele tragen diese Masken während eines Arbeitstages und kommen damit auch zurecht“, erklärte Dell­weg. Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass dies eine umso größere Herausforderung darstelle, je körperlich anstrengender die Arbeit sei, schränkt der Pneumologe ein.

Vorsicht ist überdies geboten bei Patienten, die aus gesundheitlichen Gründen nicht so ohne weiteres in der Lage sind, gegen einen erhöhten Atemwegswiderstand anzuatmen. Daher betont die Stellungnahme explizit für Patienten mit Herz- und Lungenerkrankungen, dass „jede Maske in Abhängigkeit von ihrem Luftwiderstand und der Dichtigkeit an der Gesichtshaut die Atemarbeit erhöht. Patienten mit Herz- und/­oder Kreislauferkrankungen sollten daher im Einzelfall in Abhängigkeit vom Erkrankungsstadium mittels einer Blutgasanalyse oder Belastungsuntersuchung mit Maske evaluiert werden.“

Zu bedenken ist, dass FFP-Masken zwar entsprechend ihrer Norm ein Ausatemventil haben dürfen, welches ungefilterte Luft abgibt. Dies bedeutet jedoch, dass diese FFP-Masken keinen Fremdschutz mehr bieten und infolgedessen von der Empfehlung ausgenommen werden sollten.

Alle Entscheidungen, auch das ist den Lungenfachärzten ein wichtiges Anliegen, müssten vor dem Hin­tergrund getroffen werden, dass es wegen des erhöhten Bedarfs nicht zu einer Verknappung der Masken für das medizinische Personal und die Pflegekräfte kommen dürfe. Daher äußern sie sich auch zur Frage der Wiederverwendbarkeit von FFP-Masken. Denn FFP-Masken verlieren, wenn sie nass werden, also auch beim Waschen, ihre elektrostatischen Eigenschaften und infolgedessen auch einen Teil ihrer Filter­leistung.

Eine einfache Lösung bietet sich dadurch an, dass man FFP-Masken an der Luft vor erneuter Verwendung liegen lässt. Denn SARS-CoV-2 Viren haben außerhalb ihrer Wirte nur eine begrenzte Überlebenszeit. Auf festen Oberflächen lässt sich nach 96 Stunden kein vitales Virus mehr nachweisen.

Trocknung im Backofen

Eine aktuelle Initiative der Fachhochschule Münster empfiehlt daher eine Lagerung von sieben Tagen. Eine Alternative ist die Trocknung über 60 Minuten bei konstant 80 °C im Backofen. Beides ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geeignet, keine vitalen Viren auf der Maske zu belassen. Je­doch können sich bei der Nutzung der Maske auf deren Oberfläche auch Bakterien ansammeln, die mit den angegebenen Verfahren nicht zuverlässig zu beseitigen oder zu inaktivieren sind, warnen die Pneumologen in ihrer Stellungnahme.

Nach Auffassung der DGP gibt es derzeit keinen hygienisch validierten und in der Breite durchführbaren Aufbereitungsalgorithmus, der eine benutzte FFP-Maske in ihren Ausgangszustand versetzt. © mls/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER