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Medizin

COVID-19: Schizophrenie erhöht Sterberisiko

Freitag, 29. Januar 2021

/picture alliance, Christian Charisius

New York – Zu den Bevölkerungsgruppen, die zumindest in den USA ein ungewöhnlich hohes Risiko haben, im Fall einer Infektion mit SARS-CoV-2 an COVID-19 zu sterben, gehören Patienten mit einer Schizophre­nie. Für andere psychiatrische Erkrankungen konnte eine Studie in JAMA Psychiatry (2021; DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2020.4442) keine vermehrte Gefährdung nachweisen.

Patienten mit einer Schizophrenie gehörten bereits vor Corona zu den stärker gefährdeten Personenkrei­sen, die mit einem Anteil von etwa 1 % einen nicht unbeträchtlichen Anteil an der Bevölkerung haben. Soziale Benachteiligungen mit häufiger Obdachlosigkeit, ein häufig ausgesprochen ungesunder Lebens­stil mit hoher Adipositasrate (teilweise auch durch Medikamente ausgelöst) erklären, warum Menschen mit einer Schizophrenie-Spektrum-Störung selten alt werden. Die Lebenserwartung ist um 10 bis 20 Jahre niedriger als in der übrigen Bevölkerung.

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Die Pandemie hat die Patienten zusätzlich stark getroffen, vor allem in Ländern ohne allgemeine Kranken­versicherung wie den USA, wo Randgruppen häufig ohne ärztliche Behandlung bleiben. Doch auch Pati­enten, die medizinisch versorgt werden, traf SARS-CoV-2 härter als andere.

Unter den Versicherten des NYU Langone Health System, die in New York 4 Kliniken und etliche Ambulanzen betreibt, gab es während der ersten Welle 7.348 bestätigte Fälle von SARS-CoV-2. Darunter waren 75 Patienten mit einer Schizophrenie-Spektrum-Störung. Von diesen sind 20 an COVID-19 gestorben. Dies ergibt eine Case-Fatality-Rate von 26,7 %, die deutlich über der Sterberate der übrigen Patienten von 11,0 % lag.

Ein Team um Donald Goff vom Langone Medical Center in Manhattan ermittelt nach Berücksichtigung von Alter, ethnischer Herkunft, Geschlecht und den bekannten Risikofaktoren für COVID-19 eine Odds Ratio von 2,67, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,48 bis 4,80 signifikant war. Für andere psychiatrische Erkrankungen war ein ähnlich erhöhtes Sterberisiko nicht erkennbar (eine erhöhte Sterberate von Patien­ten mit Depressionen und anderen affektiven Störungen ließ sich auf das höhere Alter und andere Risikofaktoren zurückführen).

Dass ausgerechnet die ohnehin gefährdete Gruppe ein fast 3-fach erhöhtes Risiko auf einen COVID-19-Tod hat, wirft Fragen nach den möglichen Ursachen auf, die die Studie allerdings nicht beantworten kann. Goff vermutet, dass das erhöhte Sterberisiko mit der „Biologie der Schizophrenie“ zusammenhängt.

Dies könne „eine Störung des Immunsystems“ vielleicht aber eine genetische Prädisposition sein. James MacCabe, ein Epidemiologe mit Schwerpunkt Psychiatrie am Kings College London, hält es jedoch auch für möglich, dass die schlechte soziale Situation der Patienten in der Metropole New York für die erhöhte Sterblichkeit verantwortlich ist. In einer anderen Studie aus Südkorea hätten Patienten mit Schizophrenie kein erhöhtes Sterberisiko gehabt, erklärte der Experte gegenüber dem Science Media Center in London. © rme/aerzteblatt.de

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