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Verteilung der Coronavirusvarianten in Deutschland weiter unklar

Freitag, 29. Januar 2021

/stock.adobe.com / Robert Kneschke

Berlin – Mindestens 102 Fälle der Virusmutante B.1.1.7 wurden seit Jahresbeginn bis zum 28. Januar in Deutschland gefunden. Hinzu kommen 18 Infektionen mit der Variante B.1.351 und drei Nachweise von B.1.1.28.P.1. Das ist der offizielle Datenstand, den das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) gestern ver­öffentlichte. Ein kollaboratives Onlineprojekt hat derweil bereits deutlich mehr Fälle aus Medienberich­ten zusammengetragen.

Demnach sei die Mutante B.1.1.7, die zuerst in Großbritannien entdeckt wurde, bereits 200 Mal in Deutschland aufgetreten. Die in Südafrika identifizierte Variante B.1.351 fand sich mittlerweile bei 60 deutschen Patienten, wie die Quellensammlung zeigt. Für das brasilianische Virus B.1.1.28.P.1 führt die Liste hingegen aktuell nur einen einzigen medial bekannten Fall auf.

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Trotz dieser Diskrepanz ist klar: Die molekulare Überwachung der in Deutschland zirkulierenden Virus­varianten läuft langsam an. Doch die bisherigen Informationen reichen nicht für einen Überblick der Ausbreitung der Mutanten in Deutschland, schrieb das Robert Koch-Institut (RKI) dem Deutschen Ärzteblatt auf Anfrage.

Zur Verarbeitung der Sequenzdaten befindet sich eine neue Plattform des RKI derzeit im Aufbau. Im sogenannten deutschen elektronischen Sequenzierungs-Hub (DESH) wurden in den ersten drei Tagen nach Inbetriebnahme am 26. Januar bereits mehr als 700 Sequenzen von etwa 40 Laboratorien ein­gespielt, hieß es aus dem Institut (Stand 28.1.). Sie sollen auch in internationale Datenbanken wie GISAID hochgeladen werden. Dort finden sich derzeit nur wenige Genomdaten aus Deutschland.

Sequenzierung auf freiwilliger Basis

Die Geschwindigkeit der molekularen Surveillance liege jedoch in der Hand der Labore, die freiwillig Proben sequenzieren sollen, schrieb das RKI. Innerhalb der nächsten Wochen werde es eine bessere Übersicht geben, so die Hoffnung.

Man erwarte jedoch „weitere Fälle und Ausbrüche durch die neuen Varianten“, was die „zeitnahe Analyse der zirkulierenden Virusstämme“ notwendig mache, heißt es auf den Informationsseiten des Instituts. Ziel sei es, „die Populations- und Transmissionsdynamiken, die genomische Variabilität, die Virulenz und die Verbreitung von SARS-CoV-2 in Deutschland zu untersuchen und zu überwachen“.

Nach der Coronavirus-Surveillance-Verordnung des BMG vom 19. Januar sollen die Genome von bis zu fünf Prozent aller PCR-positiven Proben entschlüsselt und beim RKI gesammelt werden. Wenn die bundesweiten Infektionszahlen innerhalb einer Woche unter 70.000 fallen, steigt der Zielwert der zu untersuchenden Proben auf zehn Prozent.

Bei zuletzt rund 100.000 Infektionen in der vergangenen dritten Kalenderwoche hätten demzufolge 5000 Proben sequenziert werden sollen. Wie viele es wirklich waren, lässt sich nicht sagen. Der Verein der Akkreditierten Labore der Medizin (ALM) teilte dem DÄ auf Nachfrage mit, keine Daten darüber zu haben, wie viele Proben ALM-Laboratorien pro Woche sequenzieren.

Mit der BMG-Verordnung wurde auch die Finanzierung der benötigten Vollgenomsequenzierungen ge­klärt. Die sequenzierenden Laboratorien erhalten pro Datensatz, den sie an das RKI übermitteln, 220 Euro.

Ein gewinnbringendes Geschäft: Dem Freiburger Virologen und ehemaligen Präsidenten der Gesellschaft für Virologie, Hartmut Hengel, zufolge koste eine einzelne Sequenzierung das Labor heruntergerechnet etwa zwischen 100 und 150 Euro. Andere Experten gehen gar von nur 50 Euro aus, wenn mehr Proben gesammelt sequenziert würden.

Dies sei ein starker Anreiz für jedes Labor, sich an den Sequenzierungen zu beteiligen, sagte RKI-Präsi­dent Lothar Wieler heute auf einer Pressekonferenz. Eine Verpflichtung der Labore zur Sequenzierung sieht die BMG-Verordnung daher nicht vor.

Zur Auswahl der zu sequenzierenden Proben hatte das RKI zudem kürzlich Kriterien definiert. Dabei seien repräsentative Stichproben aus verschiedenen Regionen des Landes wichtiger, als deren genaue Anzahl. „Wir brauchen halbwegs repräsentative Proben. Das ist viel wichtiger, als viele Proben zu se­quenzieren“, so Wieler.

Über die Sequenzierungen hinaus könne mithilfe spezieller PCR-Primer nach den Mutanten gesucht werden, erklärte Wieler. In einigen Laboren geschehe dies bereits. Nun bleibt abzuwarten, wie schnell das Mutations-Überwachungs-System in Deutschland ausgebaut werden kann. © jff/aerzteblatt.de

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