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Ausland

Impfstoff: Größere Lieferung von Biontech, Engpässe bei Astrazeneca und Moderna

Montag, 1. Februar 2021

/DarwelShots, stock.adobe.com

Mainz/Brüssel/Berlin – Zum Wochenbeginn gab es nach einer Reihe schlechter Nachrichten um die Lie­ferung verschiedener Impfstoffe gegen COVID-19 positive Neuigkeiten. Der Impfstoffhersteller Biontech kann nach eigenen Angaben im zweiten Quartal möglicherweise bis zu 75 Millionen zusätzliche Dosen seines Vakzins an die EU ausliefern. Das teilte das Mainzer Unternehmen am Montagmorgen mit.

„Wir arbeiten weiterhin an der Erhöhung der Lieferungen ab der Woche vom 15. Februar, um die vertrag­lich festgelegte Lieferung der vollen Menge an Impfstoffdosen im ersten Quartal sicherzustellen“, wird Biontech-Finanzvorstand Sierk Poetting in der Mitteilung zitiert. „Außerdem könnten wir im zweiten Quartal bis zu 75 Millionen Dosen mehr an die Europäische Union ausliefern.“

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Auch der Hersteller Astrazeneca korrigierte die möglichen Liefermengen für seinen seit Freitag in der EU zugelassenen Impfstoff nach oben. Zunächst sollte die EU im ersten Quartal nur 31 statt wie ursprüng­lich vereinbart 80 Millionen Impfdosen erhalten.

Nun wolle das britisch-schwedische Unternehmen im ersten Quartal neun Millionen Dosen mehr liefern als angekündigt, also insgesamt 40 Millionen Dosen und damit immerhin die Hälfte der ursprünglich an­visierten Menge, wie EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Sonntagabend auf Twitter mitteil­te.

Laut von der Leyen will Astrazeneca auch eine Woche früher mit der Lieferung beginnen als geplant. Das Unternehmen wolle zudem ihre Produktionskapazität in Europa ausbauen. Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sprach von einer guten Nachricht und einem guten Schritt nach vorn.

Nach der Ankündigung der deutlich geringeren Liefermengen vor knapp einer Woche, hatte die Europäi­sche Kommission drastische Maßnahmen eingeleitet, um den Hersteller unter Druck zu setzen. Nachdem bekannt geworden war, dass Drittstaaten wie Großbritannien offenbar weiterhin die vereinbarten Men­gen erhalten sollten, verhängte die Kommission unter anderem strenge Exportkontrollen um zu verhin­dern, dass der EU zustehende Impfstoffdosen die Staatengemeinschaft verlassen.

Streit um Grenzkontrollen Irland und Nordirland

Kurzzeitig kündigte die EU sogar an, auch die Exporte zwischen dem EU-Mitglied Irland und der briti­schen Provinz Nordirland strenger zu überwachen − offenbar um zu verhindern, dass über Nordirland unbemerkt Impfstofflieferungen aus der EU nach Großbritannien gelangen. Dazu wollte Brüssel auf eine Schutzklausel aus dem Nordirland-Protokoll des Brexit-Vertrags zurückgreifen, die Kontrollen an der Grenze erlaubt hätte.

Das Nordirland-Protokoll war von London und Brüssel eigens ausgehandelt worden, um die Grenze zwi­schen Irland und Nordirland offen zu halten und freien Warenverkehr ohne Zollkontrollen zu ermögli­chen. Nach scharfer Kritik aus Großbritannien rückte die Kommission von dem Vorhaben ab.

Premierminister Boris Johnson brachte in einem Telefonat mit EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen „ernste Bedenken“ zum Ausdruck. Nordirlands Regierungschefin Arlene Foster nannte die Pläne der EU einen „unglaublich feindseligen Akt“.

Am vergangenen Samstag forderte sie sogar, das Nordirland-Protokoll ganz aufzukündigen. Es sei „nicht umsetzbar“ und könne in Nordirland zu „echten Problemen“ führen, sagte Foster in der BBC. Angesichts des Drucks ruderte die EU-Kommission schließlich zurück: Das Nordirland-Protokoll bleibe „unberührt“, die Schutzklausel werde nicht aktiviert.

Lieferengpässe auch bei Moderna

Vorübergehende Lieferengpässe kündigte indes auch der US-Hersteller Moderna an. Man habe „kurzfris­tig angepasste Lieferschätzungen“ herausgegeben, bestätigte das Unternehmen am vergangenen Frei­tag­abend. Dennoch würden alle Lieferverpflichtungen im ersten Quartal eingehalten.

Zuvor hatte Italien bekannt gegeben, im Februar zunächst weniger Dosen von Moderna zu bekommen als erwartet. Regierungskommissar Domenico Arcuri sagte in Rom, das US-Unternehmen habe mitgeteilt, dass es eine Reduktion um 20 Prozent geben solle. Eine Moderna-Sprecherin wollte auf Nachfrage keine Details nennen.

Arcuri sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa: „Moderna hat uns gerade darüber informiert, dass für die Woche vom 9. Februar von den geplanten 166.000 Dosen 132.000 geliefert werden, 20 Pro­zent weniger.“ Er fügte hinzu: „Unser Erstaunen, unsere Sorge und unsere Entmutigung wachsen.“

Das Unternehmen teilte mit, man bleibe in engem Kontakt mit allen Regierungen und erkenne die Be­deutung der Lieferplanung für die Impfkampagne an. Die Produktion werde gerade hochgefahren. So sei man im Plan, um die Lieferziele für das erste Quartal und auch danach zu erfüllen.

EU plant neue Behörde zu Pandemiebekämpfung

Trotz der Lieferengpässe bei den von der EU bestellten Coronaimpfstoffen sieht Kommissionspräsiden­tin den Staatenverbund auf dem richtigen Weg. Inzwischen seien zwölf Millionen Menschen in der Euro­päischen Union geimpft worden, das sei eine „stattliche Zahl“ im Verhältnis zu den rund 370 Millionen erwachsenen EU-Bürgern. Man sei „gut vorangekommen“, bilanzierte die CDU-Politikerin gestern im ZDF-„heute journal“.

Zwar gebe es nun „noch mal eine schwierige Phase“ im Februar und März. Aber im zweiten Quartal seien dann deutlich mehr Impfdosen zu erwarten, weil es Startschwierigkeiten überwunden und weitere Impf­stoffe zugelassen werden. Ziel der EU sei es, dass bis zum Ende des Sommers 70 Prozent der Erwachse­nen in der EU geimpft seien. „Wenn wir das geschafft haben, ist das eine gewaltige Leistung.“

Von der Leyen besprach sich gestern in einer Videoschalte mit den Chefs von sieben Impfstoff-Herstell­ern, mit denen die EU Lieferverträge hat, auch um den Ausbau der zurzeit begrenzten Produktionskapa­zi­täten zu diskutieren. Sie kündigte an, im Kampf gegen künftig drohende Pandemien eine neue Behör­de namens HERA gründen zu wollen, die gemeinsam mit dem Privatsektor neue Gefahren früh erkennen und passende Antworten geben soll. © dpa/afp/kna/aerzteblatt.de

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