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Ärzteschaft

Streit in Hessen um Honorare in Impfzentren

Montag, 1. Februar 2021

/picture alliance, Flashpic, Jens Krick

Frankfurt am Main – Bei Hessens Ärzten regt sich Unmut über die Bezahlung in den Impfzentren. 120 Euro pro Stunde sollten Mediziner und Apotheker bekommen – das haben Landesregierung, Landes­ärz­te­kammer und Kassenärztliche Vereinigung ausgehandelt. Die Landkreise bezahlen aber zum Teil deut­lich weniger, beklagen die Ärztegremien – und raten den Ärzten, dies nicht zu akzeptieren. Die Kreise vertei­digen sich: Es handle sich um eine Obergenze.

„Leider müssen wir feststellen, dass diese [Summen] von Seiten der Ministerien als Höchstsätze inter­pretiert werden, so dass einzelne Gebietskörperschaften deutlich niedrigere Stundensätze von 50 bis 60 Euro anbieten“, schreibt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in einem Rundschreiben an alle hessischen Kassenärzte. Man werde „den Eindruck nicht los, dass der eine oder andere Landkreis oder Betreiber des Impfzentrums das große Geschäft wittert“.

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Auch die Lan­des­ärz­te­kam­mer (LÄK) berichtet, „es mehren sich Unmutsäußerungen“. Parallel zur offi­ziel­len Anwerbekampagne der Ärztegremien im Dezember hätten viele Kreise „unabgesprochen weitere Ge­winnungsmaßnahmen für Einsatzkräfte gestartet“, berichtet die LÄK. Die vereinbarten Honorare würden dabei „bei verschiedenen Impfzentren anders interpretiert und zum Teil weit unterschritten“. Auch die Kammer hat in dieser Sache alle Mitglieder angeschrieben.

Nach Recherchen der KV werden die niedriger dotierten Verträge vor allem in jenen Impfzenten ange­bo­ten, bei denen Dritte im Boot sind. Das Deutsche Rote Keuz (DRK) betreibt zehn der 28 Impfzentren in Hessen. Was vor Ort ausgehandelt werde, wisse man nicht, heißt es auf Nachfrage. „Der Landesverband hat keinen Einblick in die Verträge, die die einzelnen Körperschaften mit den Kreisverbänden schließen“, sagte eine Sprecherin. 120 Euro seien ein „Vorschlag“ gewesen, um die Arbeit im Impfzentrum so attrak­tiv wie möglich zu machen.

Für die Landkreise sind die vom Land gewährten Stundensätze „Erstattungshöchstbeträge“, wie Jan Hilli­gardt, der Direktor des Hessischen Landkreistags sagte. „Mit Blick auf Wirtschaftlichkeit und Sparsam­keit“ müsse die Obergrenze nicht zwingend ausgeschöpft werden.

„Die Landkreise rechnen jedenfalls nur den tatsächlich dem medizinischen Personal gewährten Stunden­satz mit dem Land ab und bekommen auch nur dies vom Land erstattet. Das heißt, jeder nicht in An­spruch genommene Cent verbleibt im Landeshaushalt beziehungsweise beim Steuerzahler.“ Der Vor­wurf, die Kreise wollten sich bereichern, seien „schlichtweg falsch“. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 2. Februar 2021, 02:08

@Besorgter Bürger

Weil im Fall von Impfkomplikationen die Anwesenheit eines Arztes bzw Durchführung durch einen Arzt Voraussetzung für Entschädigungsansprüche ist? Nur mal als Beispiel...
Der Arzt muss auch entscheiden, ob Sie ggfs überhaupt geimpft werden dürfen.
Avatar #860755
BesorgterBürger
am Montag, 1. Februar 2021, 21:07

Wozu Ärzte in Impfzentren?

Mal im Ernst: Was ist an einer Impfung, die keine sonstige Diagnose/Behandlung benötigt so kritisch, dass wir Ärzte dazu brauchen?
Avatar #88767
fjmvw
am Montag, 1. Februar 2021, 20:38

Was gibt es da zu diskutieren oder gar zu streiten?

Es gibt ein Angebot für x Euro/h an die Ärzte. Kommt kein Arzt, ist x zu niedrig. Kommen genau so viel Ärzte bei dem Angebot, ist x genau richtig. Kommen mehr Ärzte als benötigt, wird der Preis gesenkt werden.

Das alles regelt der Markt und dieses "Preis regelt Angebot und Nachfrage" ist nun mal der Marktmechanismus.
_______________
Für einen Pensionär, ist ein Preis von 80€/h "super". Der Pensionär hat keinerlei Ausfallkosten in seiner eigenen Praxis, er kann genau so viel arbeiten wie er will, er geht kein (wirtschaftliches) Risko ein und er ist vielleicht sogar froh, helfen zu können.
Ganz anders ein selbstständiger Arzt. Impft er in einem Impfzentrum, steht seine Praxis still. Die Personalkosten und die Miete laufen weiter. Erkrankt der Arzt beim Impfen, fällt er aus und damit erwirtschaftet seine Praxis in der Zeit keine Einnahmen. Je nach Fachrichtung sind die sogenannten Opportunitätskosten deutlich höher als 80€/h, bei einem Laborarzt (oder Zytologen oder Nephrologen) können diese auch deutlich über 200€/h liegen. Demzufolge wird man bei 80€/h zuerst die Rentner bekommen und die Ärzte, die niedrige Opportunitätskosten haben. Braucht man mehr Ärzte, wird man an die Ärzte herantreten müssen, die höhere Opportunitätskosten haben. Ein Arzt mit höheren Opportunitätskosten wird nur dann Impfarzt, wenn das Honorar seine Opportunitätskosten übersteigt.

Avatar #722321
Hennighausen
am Montag, 1. Februar 2021, 20:11

Angemessene Vergütung

Das Honorar von 120,- € pro Stunde erscheint manchen Außenstehenden als zu hoch. Es ist auch, volkstümlich gesagt, "viel Geld", wenn man es zusätzlich verdient. Wenn aber Ärzte und Ärztinnen dafür ihre Praxis schließen und somit einen Verdienstausfall haben (es kann ja nicht nur abends oder am Wochenende geimpft werden), sind 120 € auf jeden Fall angemessen (das Geld muss versteuert werden, ggf. erfährt es auch eine Abgabe an d. Kranken- u. Pflegeversicherung).
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