szmtag Scharfe Kritik an Reimanns Krisenmanagement
NewsPolitikScharfe Kritik an Reimanns Krisenmanagement
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Scharfe Kritik an Reimanns Krisenmanagement

Montag, 1. Februar 2021

Carola Reimann (SPD), Ge­sund­heits­mi­nis­terin Niedersachsen/ picture alliance, Julian Stratenschulte

Hannover – Die oppositionelle FDP-Fraktion im niedersächsischen Landtag hat in einem Brief an Minis­ter­präsident Stephan Weil (SPD) die Entlassung von Ge­sund­heits­mi­nis­terin Carola Reimann (SPD) ge­for­dert. „Meine Fraktion sieht mit großer Sorge, dass es im Verantwortungsbereich der Landesregierung in den letzten Wochen und Monaten zu schwerwiegenden Versäumnissen bei der Bewältigung der Co­ro­na­krise gekommen ist“, steht in dem Schreiben des Vorsitzenden Stefan Birkner von gestern.

Dazu zählt er unter anderem das Chaos um die Vergabe von Impfterminen an über 80-Jährige. „Neben dem verpatzten Impfstart im Dezember und dem nicht nachvollziehbaren Versand von Briefen mit In­for­matio­nen zu den Impfungen mittels eines externen Dienstleisters wiegt besonders schwer, dass es bis heute nur unzureichend gelingt, die Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen ef­fek­tiv zu schüt­zen.“

Anzeige

Heute nehmen die ersten der 50 Impfzentren im Land die Arbeit auf. So sollen in Hannover, Wallenhorst, Lingen, Papenburg und Georgsmarienhütte die ersten Spritzen gesetzt werden. Frauen und Männer in Niedersachsen, die 80 Jahre und älter sind, können seit Donnerstagmorgen per Telefon oder im Internet einen Impftermin anfragen. Allerdings waren die meisten freien Termine schnell vergriffen. Angesichts unzähliger Anrufe und Zugriffe erschwerten technische Probleme das Prozedere zusätzlich.

Reimann hatte die technischen Schwierigkeiten beim Start der Terminvergabe bedauert. Es tue ihr „wirk­lich leid“, dass Anrufer nicht durchgekommen seien, hatte sie der Hannoverschen Allge­meinen Zeitung (HAZ) gesagt. Der Ansturm sei enorm gewesen, und es habe technische Probleme gege­ben.

Am ersten Tag der Impfvergabe riefen laut Reimann 700.000 Menschen in der ersten Stunde an. Im Laufe des Tages habe es rund 8,9 Millionen Anrufversuche gegeben, beim Onlineportal seien 5,9 Millionen Zu­griffe in den ersten anderthalb Stunden registriert worden. „Über den ganzen Tag verteilt waren es im Durchschnitt 1,4 Millionen Anfragen pro Stunde. Das ist schon extrem.“

Reimann betonte, dass alle 500.000 Impfberechtigten, also alle über 80 Jahre, das gleiche Recht hätten, einen Impftermin zu bekommen. „Wir haben uns jetzt noch einmal alles angeschaut und die fehlerhaften Telefonansagen behoben“, sagte die Ministerin.

Auch die Überlastung des Telefonnetzes habe der Anbie­ter behoben. Die Frage, bis wann alle über 80-Jährige in Niedersachsen geimpft seien, ließ Reimann offen. Dies lasse sich wegen Lieferverzögerungen der Impfstoffe nicht sagen. Niedersachsens Corona­krisen­stab hatte angekündigt, dass die Terminvergabe auch in den kommenden Wochen zäh bleiben werde.

Auch Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU) hatte angesichts der Pannen bei der Impforganisation einen Wechsel an der Spitze des Sozialministeriums gefordert. „Was aus dem Sozialministerium heraus seit nun einem Jahr zusammengeschustert wird, reicht in anderen Bundesländern mindestens für eine Versetz­ung; möglicherweise in den einstweiligen Ruhestand“, bemängelte Junk. Pleiten, Pech und Pan­nen habe es bei der Verteilung des Impfstoffes auch in anderen Bundesländern gegeben, in Bayern etwa seien jedoch schnell personelle Konsequenzen gezogen worden.

Birkner betont in seinem Schreiben, dass der Mangel an Impfstoff sicherlich derzeit das größte Hindernis sei – und dass dieser Umstand nicht durch die Landesregierung zu verantworten sei. „Umso wichtiger ist es aber, dass die Landesregierung dort, wo sie Verantwortung trägt, zielgerichtet, bürgerorientiert und effektiv handelt.“ Reimann sei offenkundig „nicht hinreichend in der Lage, ihr Amt in der gebotenen Weise auszu­üben, um die aktuelle Krise zu bewältigen“.

SPD-Fraktionsvorsitzende Johanne Modder stellte sich gestern hinter die Ministerin: „Carola Reimann hat in den vergangenen Monaten bewiesen, dass sie als Ge­sund­heits­mi­nis­terin stets verantwortungsbewusst handelt und Niedersachsen sicher durch die Coronakrise lenkt“, wurde sie in einer Mitteilung zitiert. An­gesichts der bundesweit begrenzten Verfügbarkeit des Impfstoffs sei der Gipfel heute dringend notwen­dig. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS LNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER