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Ärzteschaft

Unterschiede beim Digitalisierungs­tempo des Gesundheitswesens

Dienstag, 2. Februar 2021

/metamorworks, stock.adobe.com

Berlin – Während Ärzte in Krankenhäusern mehrheitlich offen für digitale Gesundheitsangebote sind, zeigen sich Ärzte in Praxen skeptischer. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die der Digitalverband Bitkom gemeinsam mit dem Hartmannbund unter mehr als 500 Ärzten in Deutschland durchgeführt und heute vorgestellt hat. Einen „digitalen Graben“ zwischen Praxen und Kliniken, wie es Bitkom-Präsident Achim Berg ausdrückte, sieht Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes, allerdings nicht.

Geprägt würden die unterschiedlichen Bewertungen nämlich nicht durch den unterschiedlichen Willen, Digitalisierung zum Nutzen von Ärzten und Patienten einzusetzen, sondern durch die sehr verschiedenen Voraussetzungen, unter denen die Befragten der Digitalisierung begegnen, betonte Reinhardt.

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Da die IT in den Krankenhäusern in spezialisierte Abteilungen ausgelagert sei, könnten sich Klinikärzte im Wesentlichen auf die Nutzung der digitalen Angebote konzentrieren. Ärzte als Praxisinhaber würden hingegen im Versorgungsalltag zu selten einen echten Mehrwert des digitalen Fortschritts für sich und ihre Patienten erleben. Zudem seien die technischen Voraussetzungen administrativ und kostentechnisch aufwendig.

Laut Umfrage sehen 86 Prozent der Krankenhausärzte in der Digitalisierung primär Chancen für das Ge­sundheitswesen – zehn Prozent halten die Digitalisierung für ein Risiko. Bei den Vertragsärzten betonen lediglich 53 Prozent die Chancen – und 39 Prozent die Risikoperspektive.

Zugleich wünschen sich vor allem stationär tätige Ärzte, dass es bei der Digitalisierung des Gesundheits­wesens schneller vorangeht: 82 Prozent der Mediziner in Krankenhäusern sagen, es sei mehr Tempo beim Ausbau digitaler Angebote nötig.

Unter den Ärzten in den Praxen sind es lediglich 38 Prozent. Folgerichtig meinen 70 Prozent der Kran­ken­hausärzte, Deutschland hänge im Vergleich zu anderen Ländern bei der Digitalisierung des Gesund­heitssystems zurück. Unter den Praxisärzten sehen das mit 53 Prozent deutlich weniger so.

Die Coronapandemie habe den Gesundheitssektor vor riesige Herausforderungen gestellt und bestehen­de Defizite offengelegt, so Berg. Dazu würden beispielweise die Nachverfolgung von Infektionsketten, die Information potenziell Infizierter oder aktuell die Terminvergabe bei der SARS-CoV-2-Schutzimpfung gehören. Wie wichtig Vernetzung, ein funktionierender, sicherer Datenaustausch und die digitale Doku­mentation von Untersuchungsergebnissen sind, sei klar zutage getreten.

Ein positives Beispiel für Weiterentwicklungen stellt aus Sicht der Digitalbranche der deutliche Zuwachs beim Angebot von Videosprechstunden dar. „Videosprechstunden werden während der Coronapandemie sehr viel häufiger genutzt und die Nachfrage auf Seiten der Patienten ist so hoch wie noch nie. Viele Ärzte haben darauf reagiert“, sagte Berg. Dazu beigetragen habe die Absenkung der bürokratischen Hür­den und die Verbesserung des Vergütungsmodells.

Zudem weckt laut Umfrage die elektronische Patientenakte (ePa) bei vielen Ärzten große Hoffnungen: Fast neun von zehn Krankenhausärzten (89 Prozent) erwarten durch die ePa eine einfachere Zusammen­arbeit zwischen Ärzten – bei den Praxis-Ärzten sind es 54 Prozent.

Risiken werden vor allem im Bereich der Gefahr des Datenmissbrauchs gesehen. Insbesondere Praxisärz­te fürchten zudem hohe Investitionskosten (60 Prozent) und eine schwierige Integration der ePa in den eigenen Behandlungsalltag (52 Prozent).

Ein ähnlich differenziertes Bild ergibt sich im Bereich der Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs). Jeder vierte Mediziner (24 Prozent) will diese künftig verordnen, zwei Prozent haben dies bereits getan. 28 Prozent schließen dies jedoch kategorisch aus. Und: Jeder zehnte Arzt weiß nach eigenem Bekunden nicht, was eine DiGA ist. © aha/aerzteblatt.de

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