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Medizin

Gestationsdiabetes fördert spätere Bildung von Koronarkalk

Dienstag, 2. März 2021

/RFBSIP, stock.adobe.com

Oakland/Kalifornien – Frauen, die während der Schwangerschaft einen Diabetes entwickeln, haben in den Folgejahren selbst dann ein erhöhtes Risiko auf eine Verkalkung der Koronararterien, wenn ihr Blutzucker sich wieder normalisiert hat. Dies kam in einer prospektiven Beobachtungsstudie in Circulation (2021; DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.120.047320) heraus.

Etwa jede zehnte Frau entwickelt während einer Schwangerschaft einen Gestationsdiabetes. Bei den meisten normalisieren sich die Blutzuckerspiegel nach der Entbindung. Doch die Erholung ist häufig nicht von Dauer. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Frauen in den Folgejahren 4- bis 7-mal häufiger einen Typ-2-Diabetes entwickeln und 1,7- bis 3-fach häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder eine Koronare Herzkrankheit erleiden, die bekannte Folge eines Typ-2-Diabetes sind.

Die jetzt vorgestellten Ergebnisse der CARDIA-Studie (“Coronary Artery Risk Development in Young Adult“) zeigen erstmals, dass sich auch Frauen, deren Blutzucker normal bleibt, Sorgen machen müssen.

Die CARDIA-Studie begleitet seit 1985/86 eine Gruppe von damals zwischen 18 und 30 Jahren alten gesunden Erwachsenen aus 4 US-Metropolen, um die Ursachen für die dort häufigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu ermitteln. Unter den Teilnehmerinnen waren auch 2.787 Frauen, von denen 1.392 in den Folgejahren wenigstens ein Kind gebaren. Von diesen entwickelten 139 einen Gestationsdiabetes.

Im Zeitraum von 2000 bis 2011 wurde bei allen Teilnehmerinnen im Abstand von 5 Jahren in 3 Com­putertomografien das Ausmaß der Koronarverkalkung bestimmt. Dabei zeigte sich, dass 24,5 % der Frauen mit einem früheren Gestationsdiabetes im Alter von jetzt median 47,6 Jahren bereits Verkal­kungen in den Koronararterien hatten. Bei den Frauen ohne Gestationsdiabetes betrug der Anteil nur 15 %.

Das Risiko war nicht nur bei den Frauen erhöht, die in den Jahren nach dem Gestationsdiabetes einen Typ-2-Diabetes entwickelt hatten. Auch für die Frauen, die nach der Schwangerschaft keine erhöhten Blutzuckerwerte mehr hatten, war das Risiko signifikant erhöht.

Erica Gunderson vom Forschungszentrum des Krankenversicherers Kaiser Permanente Northern California in Oakland und Mitarbeiter ermitteln für diese Gruppe eine adjustierte Hazard Ratio von 2,34 (95-%-Konfidenzintervall 1,34 bis 4,09). Frauen die inzwischen einen Prädiabetes entwickelten, waren mit einer Hazard Ratio von 2,13 (1,09 bis 4,17) ebenfalls gefährdet.

Ein Prädiabetes liegt vor, wenn der HbA1c-Wert im oberen Normalbereich (5,7 bis 6,4 %) liegt, der Blutzucker aber leicht erhöht ist und nach den Mahlzeiten diabetische Werte erreicht. Diese beiden Gruppen waren laut der Studie im gleichen Maße gefährdet, eine Koronarverkalkung zu entwickeln, wie die Teilnehmer, die in den Jahren nach dem Gestationsdiabetes an einem Typ-2-Diabetes erkrankt waren (Hazard Ratio 2,02; 0,98 bis 4,19).

Gunderson schließt daraus, dass der Gestationsdiabetes eine breite Stoffwechselstörung anzeigt, zu der neben dem erhöhten Blutzucker auch erhöhte Blutfette, ein Blutdruckanstieg, eine zunehmende Insulin­resistenz, eine endotheliale Dysfunktion und eine Entzündungsreaktion gehören, die ein generell erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko anzeigen.

Für die Betreuung der Frauen bedeutet dies laut Gunderson, dass sich die Ärzte bei der Nachsorge nicht mit einer Normalisierung des Blutzuckers zufriedengeben sollten, sondern auch andere Stoffwechsel­störungen frühzeitig behandeln müssen. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Donnerstag, 4. März 2021, 18:58

>>> dr.med.thomas.g.schaetzler

Sehr geehrte Herr Doktor
Die Feststellung „Insulinresistenz (IR) ist die verringerte zelluläre Antwort … auf endogenes oder exogenes Insulin“ ist die Beschreibung eines Phänomens, aber nicht die einer Ursache.
Der aus der Wikipedia entnommene Satz »Die genauen Mechanismen, welche zur Insulinresistenz führen, sind deshalb in intensiver Erforschung« kann nur darauf beruhen, dass die Ursache der Insulinresistenz als ungeklärt gilt.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 3. März 2021, 00:00

Keine Ahnung von Geststionsdiabetes/Insulinresistenz

Von wegen ungeklärt: Insulinresistenz (IR) ist die verringerte zelluläre Antwort, vor allem insulinabhängiger Organe, auf endogenes oder exogenes Insulin und bezeichnet eine Eigenschaft einzelner Individuen. Deren Körperzellen reagieren auf das Hormon Insulin weniger als die Körperzellen gesunder Individuen. Vor allem die Muskulatur, die Leber und das Fettgewebe reagieren weniger empfindlich auf Insulin. Das beeinträchtigt die Wirkung sowohl des körpereigenen als auch des von außen zugeführten Insulins. Insulinresistenz tritt beim Metabolischen Syndrom auf und ist ein Marker für eine sich entwickelnde Typ-2-Diabetes-mellitus-Erkrankung. Den Begriff der Insulinresistenz gibt es seit den 1960er Jahren. Man war der Meinung, dass die Bauchspeicheldrüse bis zu 200 Internationale Einheiten (I.E.) Insulin pro Tag ausschütten könne und definierte als „schwere Insulinresistenz“ einen Insulinbedarf von mehr als 200 I.E. über mehrere Tage, um normale Blutzuckerwerte zu erreichen. Obwohl inzwischen klargestellt wurde, dass eine normale physiologische Insulinproduktion zwischen 20 und 40 Einheiten pro Tag beträgt, wird diese alte Definition weiter als sinnvoll erachtet, um damit Patienten mit schweren, ungewöhnlichen Insulinresistenzproblemen abzugrenzen. Seit 1985 wurde der Begriff allgemeiner gefasst und bezeichnet ein vermindertes Ansprechen der Zellen des menschlichen oder tierischen Körpers auf Insulin. Als Ursache gilt eine andauernde kohlenhydratreiche Ernährung und der stetige Überkonsum von Zucker, was zu einem erhöhten Insulinspiegel im Blut führt, welcher das Risiko von Übergewicht und Fettleibigkeit erhöht und auf Dauer in der Zuckerkrankheit resultiert...
Ferdinand Wolfbeißer=Johann Niedermayer aus Wien: "Über mich: Jahrgang 1946 — Bis zum Eintritt in den Ruhestand war ich Mitarbeiter bei einer Wiener Handelsfirma. Davor bis zum Jahr 1994 war ich Landwirt.
http://members.chello.at/meinewebseite/ und
http://members.chello.at/meinewebseite/
HONI SOIT QUI MAL Y PEN
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Dienstag, 2. März 2021, 19:11

Insulinresistenz

Während schulmedizinoffiziell der genaue Mechanismus der Insulinresistenz als ungeklärt gilt, beruft sich der Arzt Dr. Johann Georg Schnitzer auf Studien, gemäß welchen die Insulinresistenz auf einen über den Bedarf liegenden Eiweißkonsum beruhe. Der Artikel https://kurier.at/wissen/neue-studie-rotes-fleisch-als-ausloeser-fuer-diabetes-typ-ii/134.135.339 ist ebenfalls ein Hinweis, dass die Insulinresistenz auf einem übermäßigen Eiweißkonsum beruhen könnte. Selbst die Bauern werden darüber aufgeklärt, dass ein Bauer, der seinen Kühen zu viel Eiweiß verfüttert, diesen, der Umwelt nichts Gutes und obendrein ein Feind seines Geldbeutels: https://www.lko.at/wie-viel-eiweiß-braucht-die-milchkuh-wirklich+2500+2958055
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