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Politik

Erste Hochrechnung zur Verbreitung der Coronamutationen

Mittwoch, 3. Februar 2021

/avarooa, stock.adobe.com

Köln – Seit fast zwei Wochen wird in Köln jede positive SARS-CoV-2-Probe auf Mutationen untersucht. Damit lässt sich erstmals für eine deutsche Großstadt der Anteil der Virusvarianten an den Neuinfek­tionen abschätzen. Die Stadt hatte Anfang der Woche detaillierte Zahlen zu den gefundenen Varianten veröffentlicht. Für eine bundesweite Hochrechnung sind die Daten jedoch zu ungenau.

Sowohl die B.1.1.7 genannte Variante aus Großbritannien als auch die südafrikanische Variante B.1.351 wurden in den vergangenen Wochen in immer mehr Bundesländern identifiziert. Ein kollaboratives Projekt, das Zeitungsmeldungen darüber sammelt, zählt mittlerweile fast 1.000 Infektionen mit den verschiedenen mutierten Viren in Deutschland. Dabei fällt auf, dass die Fälle zunehmend ohne direkten Reisezusammenhang auftreten.

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Wie schnell sich die Mutanten bundesweit ausbreiten – und mit welcher regionalen Verteilung – wird derzeit am Robert-Koch-Institut berechnet. Deren Auswertungen werden in der kommenden Woche erwartet, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums heute in der Bundespresse­konferenz in Berlin.

Experten schätzen den deutschlandweit durchschnittlichen Anteil der Varianten an allen Neuinfektionen zwischen zehn und 15 Prozent. In einigen Nachbarländern, wie den Niederlanden, Österreich oder der Schweiz kommen erste Berechnungen auf etwa 40 Prozent.

Erste Hochrechnung aus Köln

Die Zahlen, die das Gesundheitsamt in Köln aktuell erhebt, erlauben nun eine erste grobe Hochrech­nung: Dort werden seit dem 21. Januar – auf Anregung der Uniklinik – sämtliche SARS-CoV-2-positiven Proben auf vorhandene Mutationen untersucht, hieß es in einer Mitteilung der Stadt.

Zu diesem Zeitpunkt seien am Uniklinikum Köln bereits 411 Proben auf SARS-CoV-2-Varianten geprüft worden. Dabei fanden die Forscher 19 Fälle von B.1.1.7 und vier Fälle von B.1.351. Darunter waren auch ältere und solche Verdachtsproben, die aus anderen Laboren zugesandt wurden, sagte ein Uniklinik­sprecher.

Zwölf Tage später, am 2. Februar, waren der Stadt insgesamt 114 Personen bekannt, bei denen die B.1.1.7-Variante nachgewiesen worden sei. In 52 weiteren Fällen war B.1.351 aus Südafrika für die Infektion verantwortlich, wie eine Sprecherin der Stadt mitteilte.

In der Zwischenzeit hatten sich 1.595 Menschen neu mit dem Coronavirus angesteckt. Dabei kamen 95 neue B.1.1.7-Fälle und 48 neue B.1.351-Infektionen hinzu. Die B.1.1.7-Mutante stellte somit sechs Prozent des Infektionsgeschehens in Köln, während B.1.351 einen Anteil von drei Prozent ausmachte.

Dies ist nur eine Schätzung, denn zur genauen Beobachtung der Ausbreitung fehlen in den offiziellen Angaben mehrere Informationen, zum Beispiel zur Gesamtzahl der auf Mutationen getesteten Proben oder deren genaues Probendatum. Auch die Methode, mit der nach Mutationen gesucht wird – per Vollgenomsequenzierung oder PCR-Test mit speziellen Primern – bleibt meist unklar.

Das zuständige Gesundheitsamt in Köln, das die Daten zusammenführt, hatte bis zum Redaktionsschluss auf eine entsprechende Anfrage nicht geantwortet.

Düsseldorf startet Studie zur Verbreitung der Mutanten

Das Konzept, alle Proben auf Mutationen zu testen, findet auch in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens Anklang. In Düsseldorf werden seit Februar ebenfalls alle positiven PCR-Proben auf Muta­tionen untersucht, teilte die Stadt Ende Januar mit.

Auf das ganze Bundesland sollte diese Praxis nicht ausgeweitet werden, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums vorgestern auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Um der weitgehenden Unklarheit über die Verbreitung der verschiedenen Virusmutationen Herr zu werden, startete das Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in der vergangenen Woche jedoch eine Punktprävalenzstudie mit dem Titel „Molekulare Surveillance von SARS-CoV-2-Varianten in NRW“. Das Projekt wird mit 200.000 Euro gefördert.

Unter Leitung der Universitätsklinik Münster (UKM), gemeinsam mit der Uniklinik Düsseldorf, soll besonders die Verbreitung der Varianten B.1.1.7 und B.1.351 in Nordrhein-Westfalen untersucht werden. „Das Modellprojekt wird ein gemeinsamer Kraftakt, der aber notwendig ist, um über die gegenwärtige Verbreitung der SARS-CoV-2-Mutationen näheren Aufschluss zu bekommen“, sagte der Projektleiter Alexander Mellmann vom Institut für Hygiene des UKM.

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erklärte, er wolle besonders Proben aus der Grenzregion zu den Niederlanden testen. „Noch diese Woche wird damit begonnen, rund 1.000 positive SARS-CoV-2 Proben insbesondere aus dieser Region zu sammeln und auszuwerten“, sagte er am 27. Januar.

Ob die Ergebnisse des Projekts trotz dieser Verzerrung durch die Auswahl der Proben repräsentativ sein werden, muss sich zeigen. Klar ist: Die Suche nach den Mutationen beginnt und die Notwendigkeit aussage­kräftiger Modelle kann nicht überschätzt werden. © jff/aerzteblatt.de

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