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Medizin

Extreme Frühgeburt: Omega-Fettsäuren halbieren in Studie Risiko einer Retinopathie

Freitag, 19. Februar 2021

/picture alliance, Kopp/CBM

Göteborg – Die tägliche orale Behandlung mit 2 langkettigen Fettsäuren, die für die Entwicklung der Netzhaut im Auge benötigt werden, hat in einer randomisierten Studie in JAMA Pediatrics (2021; DOI: 10.1001/jamapediatrics.2020.5653) bei extremen Frühgeborenen die Häufigkeit einer Retinopathia praematurorum halbiert, die unbehandelt zur Erblindung führen kann.

Bei einer Frühgeburt kommt es zu einer Unterbrechung der Nährstoffversorgung durch das Blut der Mutter. Zu den Folgen gehört ein Mangel an den mehrfach ungesättigten Omega-Fettsäuren Arachidonsäure (AA) und Docosahexaensäure (DHA), deren Konzentration in der Muttermilch und den empfohlenen Babynah­rungen von einigen Ernährungsexperten als zu gering angesehen wird.

AA und DHA werden für die Bildung von Zellmembranen benötigt. Ein Mangel könnte an der Entwicklung einer Retinopathia praematurorum beteiligt sein, die zu den häufigen Komplikationen von extremen Früh­geburten gehört.

Die schwedische MDM-Studie („Mega Donna Mega“) hat zwischen 2016 und 2019 in 3 Neugeborenen­zentren an 206 Kindern, die vor der 27. Woche geboren wurden, untersucht, ob die tägliche orale Gabe von 100 mg/kg AA plus 50 mg/kg DHA die Zahl der Retinopathien bei Frühgeborenen senken kann.

Die Hälfte der Kinder wurde auf eine tägliche Behandlung mit dem Nahrungsergänzungsmittel rando­misiert. Die andere Hälfte der Kinder erhielt die normale auf den Neugeborenenstationen übliche Ernäh­rung. Die Behandlung wurde spätestens 72 Stunden nach der Geburt begonnen und bis zum normalen Geburtszeitpunkt in der 40. Woche fortgesetzt.

Die Studie war nicht placebokontrolliert. Die Teams auf den neonatologischen Stationen wussten, ob die Neugeborenen behandelt wurden. Den Ophthalmologen, die die Diagnose der Retinopathie stellten und die Behandlung durchführten, waren jedoch nicht informiert.

Der primäre Endpunkt der Studie war eine schwere Retinopathie (Stadium 3 und/oder Typ 1). Er trat nach den jetzt von Ann Hellström vom der Sahlgrenska Academy in Göteborg und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnissen in der Behandlungsgruppe bei 16 von 101 Frühgeborenen (15,8 %) auf gegenüber 35 von 105 Frühgeborenen (33,3 %) in der Kontrollgruppe.

Dies ergibt ein adjustiertes relatives Risiko von 0,50, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,28 bis 0,91 signifikant war. Die begleitenden Laboruntersuchungen ergaben, dass die Behandlung zu einem, wenn auch nur leichten Anstieg der Serumkonzentration von AA und DHA geführt hat.

Andere Komplikationen, die ebenfalls mit einem Mangel an den beiden Omega-Fettsäuren in Verbin­dung gebracht werden, traten unter der Behandlung nicht seltener auf. Bei der nekrotisierenden Entero­kolitis kam es zu einem tendenziellen Rückgang der Häufigkeit von 10,5 auf 9,9 % (relatives Risiko 0,96; 0,41 bis 2,26).

Die bronchopulmonale Dysplasie trat unter der Behandlung mit AA plus DHA sogar tendenziell häufiger auf (47,5 versus 45,7 %; relatives Risiko 1,11; 0,74 bis 1,65). Auch beim Ductus arteriosus persistens kam es zu einem Anstieg von 48,6 auf 52,5 %. Noch gravierender könnte eine Zunahme der Todesfälle sein: In der Behandlungsgruppe starben 16 von 101 Frühgeborenen (15,8 %) gegenüber 13 von 106 Frühgebo­renen (12,3 %) in der Kontrollgruppe. Die Hazard Ratio von 1,32 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,63 bis 2,74 allerdings nicht signifikant.

Dennoch dürfte der numerische Anstieg der Todesfälle dazu führen, dass die prophylaktische Behand­lung mit den beiden Omega-Fettsäuren weiter umstritten bleibt. Die Substitution mit Omega-Fettsäuren war schon mehrmals Gegenstand klinischer Studien. Vor 3 Jahren kamen australische und neusee­ländische Forscher in einer Studie an 1.205 extrem Frühgeborenen zu dem Ergebnis, dass eine Behandlung mit DHA (ohne AA) die Häufigkeit der bronchopulmonalen Dysplasie nicht senkt (NEJM, 2017; DOI: 10.1056/NEJMoa1611942).

Eine kanadische Studie zu dieser Frage wurde sogar vorzeitig abgebrochen, nachdem es zu einem Anstieg der Todesfälle gekommen war (JAMA, 2020; DOI: 10.1001/jama.2020.8896). © rme/aerzteblatt.de

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