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Medizin

3 Impfstoffe aus China drängen auf weltweiten Einsatz

Mittwoch, 3. Februar 2021

/picture alliance, NurPhoto, Artur Widak

Berlin – Mit Sinopharm, Sinovac und CanSinoBIO haben 3 chinesische Hersteller haben die klinischen Tests zu ihren Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 weitgehend abgeschlossen. 2 haben ihren Impfstoff bereits in mehreren Ländern eingeführt, der 3. dürfte bald folgen. Über die Schutzwirkung der Impfstoffe gibt es unterschiedliche Angaben, da die Ergebnisse der Phase-3-Studien noch nicht publiziert wurden.

Am 30. Dezember erhielt der von Sinopharm zusammen mit dem Wuhan Institute of Biological Products und dem Wuhan Institute of Virology entwickelte Impfstoff in China eine Zulassung. Zuvor war er bereits am 9. Dezember in den Vereinigten Arabischen Emiraten und am 12. Dezember in Bahrain zugelassen worden.

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Der Impfstoff mit der Bezeichnung Vero besteht aus dem Wildtyp von SARS-CoV-2, der in Verozellen vermehrt und dann chemisch inaktiviert wird. Es handelt sich demnach um einen konventionellen Impfstoff, wie er seit Jahrzehnten gegen Diphtherie, Hepatitis B, Polio, Keuchhusten und Tetanus im Einsatz ist.

Die Ergebnisse der Phase-1/2-Studie wurden im Oktober in Lancet Infectious Diseases (2020; DOI: 10.1016/S1473-3099(20)30831-8) veröffentlicht. Der Impfstoff erzielte dort eine robuste Immunantwort. Bereits 4 Tage nach der 1. von 2 Impfungen waren Antikörper nachweisbar. Nach 42 Tagen war es bei allen Teilnehmern zu einer Serokonversion gekommen.

Der Impfstoff wurde laut dem Hersteller in einer Phase-3-Studie in angeblich 125 Ländern („nationalities“) an 60.000 Personen getestet (die Studie ist nur in China registriert und nicht auf clinicaltrials.gov gelistet). Diese Studie scheint inzwischen abgeschlossen zu sein. Der Hersteller gibt die Wirksamkeit in seiner Pressemitteilung am 2. Januar anlässlich der Zulassung in China mit 86 % an. Die Serokonversionsrate für neutralisierende Antikörper soll bei 99 % gelegen haben. Mittelschwere und schwere Fälle von COVID-19 sollen zu 100 % vermieden worden sein.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern – aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde eine Effektivität von 86 % gemeldet, in China soll sie 79 % betragen haben – führt der Hersteller auf die unterschiedlichen Kriterien in der Diagnose von COVID-19 in den einzelnen Ländern zurück.

Am 15. Januar teilte der Hersteller mit, dass in China bereits 10 Millionen Menschen geimpft worden seien, darunter 1 Million Menschen in Peking und 602.000 in Shanghai. Die bisherige Produktion wird mit fast 100 Millionen Dosen angegeben. Laut Presseberichten vom 29. Januar hat Ungarn bei Sino­pharm fünf Millionen Dosen des in der EU nicht zugelassenen Impfstoffs bestellt. Serbien hat den Impfstoff Mitte Januar als erstes europäisches Land zugelassen. Die erste Million Dosen wurde von der Botschafterin vor kurzem symbolisch übergeben.

Sinopharm hat eine Zulassung von Vero bei der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) beantragt. Das Dossier ist dort Ende Dezember eingetroffen. Die WHO untersucht derzeit die Daten. Eine Entscheidung wird frühestens für März erwartet.

Der zweite chinesische Hersteller, Sinovac, hat ebenfalls einen Impfstoff, CoronaVac, aus inaktivierten Erregern in der klinischen Entwicklung. Im November wurden in Lancet Infectious Diseases (2020; DOI: 0.1016/S1473-3099(20)30843-4) die Ergebnisse der Phase-1/2-Studie publiziert. Danach kam es nach der Impfung bei 97 % zur Serokonversion. Der Titer (GMT) der neutralisierenden Antikörper blieb mit 23,8 bis 65,4 in den unterschiedlichen Dosierungsschemata hinter den Erwartungen zurück. Im Serum von rekonvaleszenten Patienten waren mit der gleichen Methode GMT von 163,7 gefunden worden.

Sinovac gab sich jedoch überzeugt, dass die Impfstoffwirkung ausreicht. Phase-3-Studien wurden in der Türkei, in Chile und in Brasilien begonnen. In Brasilien wurden die Tests im November wegen Zwischen­fällen vorübergehend unterbrochen. Die Zwischenfälle waren laut einer Pressemitteilung von Sinovac jedoch nicht auf den Impfstoff zurückzuführen. Die Studie wurde danach fortgesetzt.

Aus den einzelnen Ländern wurden unterschiedliche Zahlen zur Effektivität in der Phase-3-Studie gemeldet, deren Ergebnisse noch nicht publiziert wurden. Laut einer Recherche von Reuters war der Impfstoff in der Türkei zu 91,25 % wirksam. Aus Indonesien wurde eine Impfstoffwirkung von 65 % verlautet. In Brasilien soll die Effektivität nur 50,4 % betragen haben. Als Gründe für die differierenden Ergebnisse werden die unterschiedlichen Teilnehmergruppen genannt.

In Brasilien wurde die Studie nur an Mitarbeitern des Gesundheitswesens durchgeführt, während in der Türkei und Chile neben medizinischen Mitarbeitern auch Personen aus der Allgemeinbevölkerung teilnahmen. In Indonesien war die Teilnahme auf letztere beschränkt. Die Wahrnehmung von Sympto­men, die einen Arztbesuch und damit eine Diagnose veranlassen, könnten sich in den Gruppen unterscheiben, meint der Hersteller. Dies könnte sich auf die ermittelte Schutzwirkung auswirken.

Der Impfstoff CoronaVac wurde Mitte Januar in Brasilien zeitgleich mit AZD1222 von AstraZeneca zugelassen. Der Regierung standen dort zu Beginn 6 Millionen Dosen zur Verfügung. In Indonesien wurde ebenfalls Mitte Januar eine Impfkampagne mit zunächst 3 Millionen Dosen begonnen.

Sinovac hat Mitte Januar ein Dossier bei der WHO eingereicht. Die Unterlagen werden derzeit gesichtet. Mit einer Entscheidung ist laut WHO frühestens im März zu rechnen.

Eine dritte chinesische Firma, CanSinoBIO, hat einen adenovirusbasierten Impfstoff in der klinischen Entwicklung. In der Phase-1/2-Studie, deren Ergebnisse bereits im Mai im Lancet (2020; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)31208-3) veröffentlicht wurden, erzielte der Ad5-Vektor-COVID-19-Impfstoff eine gute Immunogenität. Ein Anstieg der Antikörper war ab dem 14. Tag nachweisbar. Die Titer erreichten am 28. Tag den höchsten Wert.

Die zelluläre Immunantwort setzte ebenfalls rasch ein mit einer maximalen T-Zell-Reaktion am 14. Tag. Im Juli wurden im Lancet (2020; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)31605-6) die Ergebnisse der Phase-2-Studie veröffentlicht. Der Hersteller begann daraufhin eine Phase-3-Studie in Argentinien, Chile, Mexiko, Pakistan und Russland, deren Ergebnisse noch nicht vorliegen. CanSinoBIO hat eine Zulassung bei der WHO angemeldet. Am 22. Juni gab es laut WHO eine Diskussion über „Inhalt und Form“. Einen Entscheidungstermin steht noch nicht fest. © rme/aerzteblatt.de

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