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Politik

Koalition beschließt Milliardenhilfen für Familien und Unternehmen

Donnerstag, 4. Februar 2021

Im Bundeskanzleramt trafen sich gestern die Spitzen der Koalition zum Koalitionsausschuss. /picture alliance, Christoph Soeder

Berlin – Die Große Koalition aus Union und SPD will die negativen Folgen der Coronapandemie für Fa­milien, Gering­verdiener, Wirtschaft und Kultur mit neuen Milliardenhilfen abfedern. So sollen Familien wie schon im vergangenen Jahr einen Kinderbonus erhalten.

Der Zuschlag auf das Kindergeld soll einmalig 150 Euro betragen, wie die Spitzen von CDU/CSU und SPD am späten gestrigen Abend nach dem Koalitionsausschuss im Kanzleramt mitteilten. Dieser Bonus soll mit dem steuerlichen Kinderfreibetrag verrechnet, aber nicht auf die Grundsicherung angerechnet werden.

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Einen einmaligen Coronazuschuss von 150 Euro sollen nun auch erwachsene Grundsicherungsempfän­ger bekommen. Für plötzlich in Not geratenen Selbstständige und Beschäftigte mit kleinen Einkommen wird der erleichterte Zugang in die Grundsicherung bis Ende 2021 verlängert.

Die Große Koalition greift zudem Unternehmen mit coronabedingten Verlusten stärker unter die Arme. Durch einen erweiterten Verlustrücktrag sollen sie diese Einbußen in der Steuererklärung umfangreicher als bisher mit Gewinnen aus den Vorjahren verrechnen können. Vorgesehen ist, den Verlustrücktrag zu verdoppeln – auf maximal 10 Millionen Euro beziehungsweise 20 Millionen bei einer Zusammen­veran­lagung.

Helfen wollen CDU/CSU und SPD auch der besonders hart vom Lockdown betroffenen Gastronomie. So soll für Speisen in Restaurants und Cafés bis Ende 2022 weiter ein verringerter Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent gelten. Ursprünglich war die Regelung bis Ende Juni befristet gewesen.

Weitere Unterstützung erhalten zudem die Kulturschaffenden. Nach dem Beschluss der Koalition wird ein Anschlussprogramm für das Rettungs- und Zukunftsprogramm „Neustart Kultur“ mit einer Ausstat­tung von einer weiteren Milliarde Euro aufgelegt.

Die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans zeigten sich sehr zufrieden mit den rund fünfstündigen Verhandlungen. „Wir haben sowohl für die Familien, für Menschen mit schwerer Einkom­mens­situation, aber eben auch für die Gewerbetätigen und die Gastronomie eine Menge rausgeholt“, sagte Walter-Borjans. Das Wichtigste sei „ein Stück Hilfe“ für Menschen, die in der Coronazeit unter Druck geraten seien. Esken betonte, es habe in keinem Punkt unter den Koalitionären große Widerstände gegeben.

Es sei ein „sehr harmonischer Koalitionsausschuss“ gewesen, sagte auch Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU). „Das zeigt also, dass in der Krise die Koalition durchaus handlungsfähig ist.“ Der neue CDU-Vorsitzende Armin Laschet, der erstmals an der Spitzenrunde teilnahm, habe sich „prima eingefügt“. Er sei ja ohnehin bestens vernetzt in Berlin und brauche keine lange Einarbeitungszeit, sagte Brinkhaus. „Es war so, als ob er immer da gewesen wäre.“

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt betonte, es sei „rundum ein gelungener Koalitionsaus­schuss“ gewesen. Man habe in sehr guter Atmosphäre beraten. „Das war nicht zwingend zu erwarten, weil man ja bei den einen oder anderen Äußerungen im Vorfeld schon das Gefühl hatte, dass man sich auch im Wahlkampfmodus befinden könnte.“ Dieser Verdacht habe sich „so nicht bestätigt“, sagte Dobrindt.

CSU-Chef Markus Söder lobte die Beschlüsse ausdrücklich. Es seien „gute Nachrichten“ in der Corona­krise, die Existenzen sicherten, notwendige Liquidität schafften und besonders Betroffenen zugute­kämen, schrieb der bayerische Ministerpräsident nach den Beratungen beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Laut Esken und Walter-Borjans können die neuen Hilfen ohne einen Nachtragshaushalt im bestehenden Finanzrahmen finanziert werden. Der Coronazuschuss für Empfänger von Grundsicherung und der Kin­der­bonus kosteten den Staat etwa drei Milliarden Euro, die geringere Mehrwertsteuer in der Gastro­no­mie schlage mit rund 3,5 Milliarden Euro zu Buche. Dazu komme eine Milliarde für die Kulturbranche. Die finanziellen Auswirkungen der Steuerentlastungen für Unternehmen ließen sich derzeit dagegen schwer schätzen.

Beim einzigen Thema ohne Coronabezug, der geplanten Euro-Drohne, vereinbarten CDU/CSU und SPD, die erforderlichen Beschlüsse herbeizuführen, damit die Verträge zur Entwicklung und Beschaffung im März unterzeichnet werden können. Der Industrievertrag umfasse keine Bewaffnung der Drohne, heißt es in ihrem Beschlusspapier. © dpa/aerzteblatt.de

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