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Medizin

Melanom: Stuhltransplantation verbessert Ansprechen auf Immuntherapie

Dienstag, 16. März 2021

/lavizzara, stock.adobe.com

Pittsburgh – Eine zuvor unwirksame Behandlung mit dem Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab hat bei Patienten mit malignem Melanom das Tumorwachstum zurückgedrängt, nachdem sie eine koloskopische Stuhltransplantation von anderen Patienten erhalten hatten, die gut auf eine Immuntherapie ange­sproch­­en hatten. Die Ergebnisse der Phase-2-Studie wurden in Science (2021; DOI: 10.1126/science.abf3363) publiziert.

Die Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren, die den Angriff der körpereigenen Abwehrzellen auf Tumo­re verstärkt, kann beim malignen Melanomen langfristige Remissionen erzielen. Es sprechen allerdings nur etwa 40 % der Patienten auf die Behandlung an. Die Gründe hierfür sind unklar. Frühere Studien hatten jedoch gezeigt, dass die Zusammensetzung der Darmflora den Therapieerfolg beeinflussen kann. Bei Mäu­sen konnte die Wirksamkeit durch die Übertragung von bestimmten Darmbakterien verbessert werden.

Ein Team um Hassane Zarour vom Hillman Cancer Center der Universität Pittsburgh hat die Behandlung jetzt an einer Gruppe von 15 Melanompatienten erprobt. Alle Patienten hatten zuvor nicht auf median 2 Behandlungen, darunter einen Checkpoint-Inhibitor, angesprochen, sodass ihr Krebs als therapierefraktär eingestuft wurde.

Den Patienten wurden in der Studie einmalig während einer Koloskopie Stuhlproben von insgesamt 7 Spendern übertragen, die selbst an einem Melanom erkrankt waren, aber gut auf eine Immuntherapie angesprochen hatten.

Am gleichen Tag erhielten die Patienten den Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab. Die Behandlung mit Pembrolizumab wurde danach alle 3 Wochen wiederholt.

Wie Zarour berichtet, wurde bei 3 Patienten bei den regelmäßigen radiologischen Kontrollen eine Verklei­ne­rung der Tumormassen beobachtet. Bei weiteren 3 Patienten konnte das Tumorwachstum gestoppt wer­den. Bei diesen 6 Patienten betrugen das mediane progressionsfreie und das Gesamtüber­leben 14,0 Mona­te (gegenüber 3,0 und 7,0 Monate in der Gesamtgruppe). 1 Patient ist laut Zarour mittlerweile mehr als 2 Jahre in partieller Remission. Er werde derzeit überwacht, 4 weitere Patienten seien in Behandlung, 1 Patient sei nach einer Wirbelsäulenoperation ohne einen Zusammenhang zum Krebsleiden verstorben.

Die Forscher haben Stuhl und Blutproben der Patienten vor und mehrmals nach der Behandlung unter­sucht. Bei den 6 Patienten, die auf die Stuhltransplantation ansprachen, hat sich die Darmflora dem Spen­der angeglichen, bei den anderen 9 Patienten habe es keine eindeutigen Veränderungen gegeben, schreibt Zarour.

Ein Patient musste im Verlauf der Behandlung wegen einer Weichteilinfektion mit Antibiotika behan­delt werden. Dies hatte eine Störung der Darmflora zur Folge, die prompt ein erneutes Tumorwachs­tum auslöste. Der Patient erhielt deshalb eine weitere Stuhltransplantation, die das Wachstum des Tumors erneut stoppte.

Die erfolgreiche Stuhltransplantation war mit einer vermehrten Aktivität von T-Helfer-Zellen und B-Zellen im Blut verbunden, während die Konzentration einiger Zytokine wie MCP1, IL-8 und IL-18, die auch in früheren Studien eine schwächere Wirkung von Checkpoint-Inhibitoren angezeigt hatten, vermindert war. In den Biopsien fanden die Forscher Hinweise auf eine gesteigerte Immunantwort auf den Tumor.

Welche Bakterien im Darm für die Veränderung verantwortlich waren, ist nicht ganz klar. Zarour vermutet, dass F. prausnitzii und Akkermansia muciniphila die Immunantwort verstärken, während Bacteroides sie vermindern könnten.

Die genauen Zusammenhänge müssen noch erforscht werden, für die Fortsetzung der klinischen Studien ist ihre Kenntnis jedoch nicht notwendig. Die Forscher hoffen, dass sie demnächst in einer größeren Studie weitere Melanompatienten behandeln können. Sie wollen die Auswirkungen der Stuhltransplantation auch bei anderen Krebsformen erproben. © rme/aerzteblatt.de

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