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Coronapandemie: Psychische Gesundheit von Kindern hat sich weiter verschlechtert

Mittwoch, 10. Februar 2021

/picture alliance, Jens Kalaene

Hamburg – Die Lebensqualität und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat sich in Deutschland im Verlauf der Coronapandemie weiter verschlechtert. Fast jedes dritte Kind leidet ein knap­pes Jahr nach Beginn der Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten. Sorgen und Ängste haben noch einmal zugenommen, auch depressive Symptome und psychosomatische Beschwerden sind ver­stärkt zu beobachten.

Erneut sind vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Verhältnissen oder mit Migrations­hintergrund betroffen. Das sind die Ergebnisse der zweiten Befragung der COPSY-Studie (Corona und Psy­che), die Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) durchgeführt haben. Sie ist nach Angaben des UKE bundesweit die erste und international eine der wenigen Längsschnittstudien ihrer Art.

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„Unsere Ergebnisse zeigen erneut: Wer vor der Pandemie gut dastand, Strukturen erlernt hat und sich in seiner Familie wohl und gut aufgehoben fühlt, wird auch gut durch die Pandemie kommen. Wir brauchen aber verlässlichere Konzepte, um insbesondere Kinder aus Risikofamilien zu unterstützen und ihre see­lische Gesundheit zu stärken“, sagte Ulrike Ravens-Sieberer, Leiterin der COPSY-Studie und Forschungs­direktorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychoso­ma­tik des UKE heute bei einer Pressekonferenz.

Hier seien auch die Schulen gefragt, regelmäßig Kontakt zu ihren Schülern zu halten und ihnen dadurch Wertschätzung und Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Sonst bestehe die Gefahr, dass vor allem Kinder aus Risikofamilien ihre Motivation und Lernfreude verlieren. Aber auch insgesamt müssten die seeli­schen Belastungen und Bedürfnisse von Familien und Kindern während der Pandemie und während eines Lockdowns stärker berücksichtigt werden, forderte Ravens-Sieberer.

Lebensqualität, psychische und psychosomatische Auffälligkeiten

Die Ergebnisse der COPSY-Studie im Einzelnen: Vier von fünf der befragten Kinder und Jugendlichen fühlen sich durch die Coronapandemie belastet. Ihre Lebensqualität hat sich im Verlauf der Pandemie weiter verschlechtert. Sieben von zehn Kindern geben in der zweiten Befragung eine geminderte Le­bens­­qualität an. Wie schon während der ersten Befragung, leidet fast jedes dritte Kind auch zehn Mo­nate nach Beginn der Pandemie noch unter psychischen Auffälligkeiten.

Depressive Symptome und psychosomatische Beschwerden haben zugenommen

Ängste und Sorgen haben bei den Kindern im Vergleich zur ersten Befragung noch einmal deutlich zu­genommen. Sie zeigen zudem häufiger depressive Symptome sowie psychosomatische Beschwerden wie zum Beispiel Niedergeschlagenheit oder Kopf- und Bauchschmerzen.

Ungesunde Ernährung und kein Sport mehr

Auch das Gesundheitsverhalten der Kinder und Jugendlichen hat sich noch weiter verschlechtert. Sie er­nähren sich weiterhin ungesund mit vielen Süßigkeiten und zehnmal mehr Kinder als vor der Pandemie und doppelt so viele wie bei der ersten Befragung machen überhaupt keinen Sport mehr. „Sport ist ganz wesentlich für das psychische und physische Wohlbefinden.

Neben der für die gesunde Entwicklung so wichtigen Bewegung treffen Kinder und Jugendliche beim Sport auch ihre Freunde, lernen, sich in eine Mannschaft einzuordnen und mit Konflikten, Siegen und Nieder­lagen umzugehen“, sagte Ravens-Sieberer. Parallel dazu verbringen die Kinder noch mehr Zeit als im Früh­sommer 2020 an Handy, Tablet und Spielekonsole, wobei sie die digitalen Medien jetzt häufiger für die Schule nutzen.

Auch in der zweiten Befragung berichten die Kinder und Jugendlichen über mehr Streit in den Familien, über vermehrte schulische Probleme und ein schlechteres Verhältnis zu ihren Freunden. Gleichzeitig zeigt sich, dass Familien, die über einen guten Zusammenhalt berichten und viel Zeit mit ihren Kindern verbrin­gen, besser mit den Belastungen in der Pandemie umgehen können.

Doch auch viele Eltern fühlen sich mittlerweile durch die anhaltende Pandemie belastet und zeigen ver­mehrt depressive Symptome. „Die Eltern scheinen sich auf die Anforderungen durch das Homeschooling und die Doppelbelastung mit ihrer Arbeit eingestellt zu haben und versuchen, diese bestmöglich zu managen. Sie kommen dabei aber zunehmend an ihre Grenzen“, erklärt die UKE-Professorin.

In der COPSY-Studie untersuchen die UKE-Forschenden von Mitte Dezember 2020 bis Mitte Januar mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche und mehr als 1.600 Eltern mittels Onlinefragebogen befragt. Mehr als 80 Prozent der befragten Kinder und Eltern hatten bereits an der ersten Befragung im Juni 2020 teilge­nommen.

Die 11- bis 17-Jährigen füllten ihre Fragebögen selbst aus. Für die 7- bis 10-Jährigen antworteten die Eltern. Auch dieses Mal bilden die Befragten die Bevölkerungsstruktur von Familien mit Kindern im Alter von 7 und 17 Jahren ab. © PB/aerzteblatt.de

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