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Vermutlich höhere Dunkelziffer an Kindeswohl­gefährdungen

Mittwoch, 10. Februar 2021

/Gerhard Seybert, stock.adobe.com

Hamburg – Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die Fälle von Kindeswohlgefährdungen in deutschen Kinderkliniken und Kinderschutzambulanzen im März und April 2020 zurückgegangen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Forschungsnetzwerks Medizinischer Kinderschutz des Universitätsklini­kums Hamburg-Eppendorf (UKE), an der 159 Kinderschutzambulanzen und Kinderschutzgruppen in Deutschland teilgenommen haben.

Die Mitarbeiter des Forschungsnetzwerks vermuten daher, dass die Dunkelziffer von Misshandlung und Vernachlässigung betroffener Kinder weiter gestiegen sein könnte.

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„Grund für die anzunehmende Vergrößerung des Dunkelfelds könnte unter anderem die durch den pan­de­­miebedingten Lockdown fehlende soziale Kontrolle sein, die sonst zum Beispiel in Schulen oder Kitas stattfindet“, sagte Silke Pawils, Leiterin Forschungsgruppe Prävention im Kindes- und Jugendalter des Instituts für Medizinische Psychologie. Zeitweise hätten auch die Jugendämter und freie Träger der Ju­gendhilfe wegen des Lockdowns ihre aufsuchende Arbeit deutlich eingeschränkt.

„Kinder haben in Zeiten der sozialen Isolation weniger Möglichkeiten, Hilfssignale zu senden. Aus an­de­ren Studien wissen wir, dass insbesondere Kinder, die bereits vor der Pandemie von Gewalt betroffen waren, im ersten Lockdown mit höherer Wahrscheinlichkeit erneut betroffen waren“, erklärte Jo Ewert, Kinderschutz­koordinator in der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKE. Bei Ver­dacht auf Kindeswohlgefährdung gelte „Hinschauen statt Wegschauen“.

Wenn Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen mit misshandelten oder vernachlässigten Kindern in Kon­takt kommen, bietet die Medizinische Kinderschutzhotline unter 0800/1921000 fachliche Unterstützung, um Handlungssicherheit zu erlangen. Betroffene können unter 116111 die Nummer gegen Kummer erreichen um sich beraten zu lassen.

In die Studie sind die Daten von deutschlandweit 159 Kinderschutzgruppen und -ambulanzen einge­flos­sen. Die Daten bilden sowohl den stationären als auch den ambulanten Bereich ab und zeichnen den Wissen­schaftler zufolge ein klares Bild: In den Ambulanzen ist ein Rückgang von 15 Prozent festzu­stel­len, im stationären Bereich sogar um 20 Prozent im Vergleich zu den Monaten März und April 2019.

Im Forschungsnetzwerk Medizinischer Kinderschutz am UKE haben sich Ärzte und Wissenschaftler aus dem Institut und der Poliklinik für Medizinische Psychologie, dem Kinderkompetenzzentrum des Instituts für Rechtsmedizin und dem Kinder-UKE zusammengeschlossen, um an der Schnittstelle zwischen For­schung und Patientenversorgung Erkenntnisse im medizinischen Kinderschutz zu gewinnen und die Versorgung der Kinder zu verbessern. © PB/aerzteblatt.de

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