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Politik

Nationale Strategie soll gegen Einsamkeit vorbeugen

Donnerstag, 11. Februar 2021

/Maridav, stock.adobe.com

Berlin – Viele Menschen leiden unter Einsamkeit oder sozialer Isolation, mit Folgen für den gesellschaft­lichen Zusammenhalt und das Gesundheitswesen. Die Coronapandemie hat diese Situation noch einmal verschärft. Die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag wirbt deshalb in einem Positionspapier für eine „natio­na­le Strategie“, um „gemeinsam gegen Einsamkeit“ vorzugehen.

Besonders stark von Einsamkeit betroffen sind dem Positionspapier zufolge hoch altrige Senioren, junge Erwachsene, aber auch Menschen mit Behinderungen und Erwerbsgeminderte. So berich­teten beispiels­weise beim Deutschen Alterssurvey 2014, knapp 40 Prozent der über 85-Jährigen von Einsamkeitsgefüh­len.

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Insbesondere junge Erwachsene zwischen 18- und 39 Jahren litten als Folge des Wegfalls familiärer und sozialer Bindungen und aufgrund der zunehmenden Digitalisierung unter Einsamkeit und Isolation. Bei jungen Menschen unter 20 Jahren nehme Einsamkeit besonders dynamisch zu, heißt es in dem Papier. Menschen mit Behinderung hätten doppelt so häufig mit Einsamkeit zu kämpfen, wie Menschen ohne Beeinträchtigung.

Mehr Singles, mehr Trennungen und mehr Computer

Bereits vor der Coronapandemie hätten Urbanisierung, zunehmende Mobilität, Digitalisierung und Über­al­terung zu einer Abnahme fester Bindungen geführt und damit zu mehr Einsamkeit geführt – in struk­tur­­schwachen Gebieten wie in Ballungsräumen, heißt es in dem Positionspapier der CDU/CSU-Fraktion weiter. „Es gibt mehr Singles, mehr Trennungen und mehr Menschen, deren erster Ansprechpartner der Computer ist.“

Gesundheitliche Folgen von Einsamkeit

Besondere Beachtung müssten die gesundheitlichen Folgen der sozialen Isolation und der Einsamkeit finden, fordern die Autoren des Papiers. Diese umfassten neben psychischen Folgen wie Stress, Angster­krankungen, Depressionen oder Demenz auch physische Folgen wie zum Beispiel eine höhere Anfällig­keit für Infektionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch Fehlernährung.

Einsame Menschen gingen häufiger zum Arzt und würden schneller pflegebedürftig. „Die Bekämpfung der sozialen Isolation und der Einsamkeit ist daher auch psychische und physische Gesundheitsvorsorge“, heißt es in dem Papier.

Auch Ärzte sind in der Verantwortung

Auf lokaler Ebene sieht die CDU/CSU-Fraktion deshalb – neben einer Reihe von anderen Maßnahmen – auch Ärzte in der Verantwortung, Einsamkeit von Patienten zu erkennen.

So soll Hausärzten ermöglicht werden, Kontaktdaten einsamer Menschen weiterzugeben, die ohne me­dizi­nisch­en Grund in die Sprechstunde kommen, sofern diese zustimmen. Des Weiteren könnten sie als Schnitt­stelle fungieren und in ihren Praxen über Netzwerke informieren, die sich gegen Einsamkeit en­ga­gieren.

Auch nicht medizinisch indizierten Notfalleinsätzen könnten genutzt werden, um Einsamkeit zu erken­nen und entsprechend zu handeln. Wenn offensichtlich der Wunsch nach menschlichem Kontakt, Anlass für den Notruf war, sollten Ärzte verstärkt ihre Möglichkeit nutzen, mit Erlaubnis der Betroffenen, deren Kontakt­daten weiterzuleiten.

Schließlich sollten Ärzten in Kliniken für die Identifizierung und ehrenamtliche sozialpsychologische Betreuung von Patienten sensibilisiert werden, deren Diagnose auf Vereinsamung schließen lässt, zum Beispiel Dehydrierung, Alkoholismus, Demenz oder unversorgte Wunden.

Die CDU/CSU-Fraktion will eine nationale Strategie in die Wege leiten, die Maßnahmen zur Bekämpfung und Prävention von Einsamkeit formuliert und ihre Umsetzung evaluiert. Dazu gehören die Bestellung eines Einsamkeitsbeauftragten bei der Bundesregierung, der zentraler Ansprechpartner sein soll und die Umsetzung der Strategie über die Ressorts und Ebenen hinweg koordiniert.

Des Weiteren will die Fraktion einen nationalen Aktionsplan Einsamkeit für Deutschland einsetzen. Er soll im Sinne der Subsidiarität Impulse für das Engagement der Zivilgesellschaft, von Unternehmen, sozialen Trägern, Ländern, Kommunen und anderen Akteuren geben, und Schritte des Bundes initiieren.

Weiter sollen die stärkere Institutionalisierung der Forschung und der Entwicklung von Strategien gegen Einsam­keit und Isolation sowie zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts gefördert werden. Maßnah­men sollen datenbasiert und zielgerichtet auf lokale Bedarfe antworten.

Eine bundesweite Kampagne soll ermutigen, Bewusstsein schaffen und auf Angebote aufmerksam ma­chen. Das Tabu, über Einsamkeit zu sprechen, muss gebrochen werden. Dabei sollen zielgruppen­spezi­fische Medien eingesetzt werden, um alle Altersgruppen zu erreichen. © PB/aerzteblatt.de

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