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Medizin

Studie: Pariser Klimaziele könnten jährlich Millionen vorzeitiger Todesfälle verhindern

Mittwoch, 10. Februar 2021

/Leo Lintang, stock.adobe.com

London – Das Pariser Abkommen vom Dezember 2015 könnte nicht nur die globale Erwärmung auf weniger als 2 Grad begrenzen. Die mit der Reduktion der CO2-Emissionen verbundene Verbesserung der Luftqualität und der Ernährung sowie eine zunehmende körperliche Aktivität der Bevölkerung könnten auch die Mortalität senken.

Nach Berechnungen in Lancet Planetary Health (2021; DOI: 10.1016/S2542-5196(20)30249-7) könnten in 9 Ländern (darunter Deutschland) im Jahr 2040 jedes Jahr 1,18 Millionen Todesfälle durch sauberere Luft, 5,86 Millionen Todesfälle durch gesündere Nahrungsmittel und 1,15 Millionen Todesfälle durch gesteigerte körperliche Bewegung vermieden werden. Die Berücksichtigung weiterer Gesundheitsziele könnte den Nutzen noch weiter steigern.

Das Team um Ian Hamilton vom University College London hat für seine Berechnungen Brasilien, China, Deutschland, Großbritannien Indien, Indonesien, Nigeria, Südafrika und die USA ausgewählt, weil in ihnen 50 % der Weltbevölkerung leben und sie für 70 % der CO2-Emissionen verantwortlich sind. Die Länder hatten sich auf der UN-Klimakonferenz in Paris (unverbindlich) zu national festgelegten Beiträgen („nationally determined contributions“, NDC) verpflichtet.

Deutschland hatte beispielsweise versprochen, bis 2030 die CO2-Emissionen um 55 % zu senken. Die NDC werden nach Ansicht von Klimaschützern allerdings nicht ausreichen. Hamilton legt seinen Berechnungen deshalb das „Sustainable Development Scenario“ der Internationalen Energieagentur zugrunde. Dieses Szenario würde grundlegende Reformen in Landwirtschaft, Industrie, Energie­erzeugung, Wohnungsbau, Verkehr und in der Abfallwirtschaft erforderlich machen.

In 3 dieser Bereiche könnten sich die Reformen günstig auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirken. Ein verminderter Ausstoß von Abgasen würde die Luftqualität verbessern. In der Landwirtschaft müssten mehr pflanzliche Nahrungsmittel statt des als ungesund eingestuften „roten“ Fleischs produziert werden. Die Verkehrsreformen könnten dazu führen, dass die Menschen mehr Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen.

Diese Veränderungen könnten nach den Berechnungen von Hamilton die Gesundheit der Bevölkerung verbessern und vorzeitige Todesfälle vermeiden. Im Bereich der Luftqualität ist dies durch zahlreiche epidemiologische Untersuchungen belegt. Die Auswirkung der Diät schätzen die Forscher über 9 Risiko­faktoren und 5 Krankheiten.

Die Risikofaktoren sind zu viel rotes Fleisch und zu wenig Obst, Gemüse, Nüsse/Samen, Fisch und Leguminosen, sowie Untergewicht, Übergewicht und Fettleibigkeit. Die 5 Krankheiten sind die koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes, Krebs und Atemwegserkrankungen.

Im Bereich der körperlichen Aktivität geht Hamilton davon aus, dass 37,5 % der erwachsenen Bevöl­kerung künftig 210 Minuten in der Woche zu Fuß unterwegs ist und 180 Minuten mit dem Fahrrad. Zu den Auswirkungen der körperlichen Aktivität auf die Sterblichkeit gibt es ebenfalls epidemiologische Studien.

Sofern das „Sustainable Development Scenario“ eingehalten wird und die erwarteten Auswirkungen auf Luftqualität, Ernährung und körperliche Aktivität eintreten, ergeben sich nach den Berechnungen von Hamilton die oben genannten Zahlen der bis 2040 jährlich vermiedenen vorzeitigen Todesfälle. In Deutschland wären dies 8.770 weniger Todesfälle aufgrund schlechter Luft, 143.770 weniger Todesfälle aufgrund einer gesünderen Ernährung und 2.856 weniger Todesfälle durch gesteigerte körperliche Bewegung.

Ein noch größerer Nutzen könnte erzielt werden, wenn gesundheitliche Ziele stärker bei den Reformen berücksichtigt würden. In einem „Health in all climate policies“-Szenario würde die Luftqualität noch weiter verbessert, die Hälfte der Bevölkerung würde sich flexitarisch und die andere Hälfte vegan ernäh­ren und statt 36 wären 75 % der Bevölkerung viel zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs.

In Deutschland würden dann bis 2040 jährlich 15.614 weniger Menschen an den Folgen der Luftver­schmutzung, 143.710 weniger an den Folgen einer ungesunden Ernährung und 5.631 Menschen weniger an den Folgen des Bewegungsmangels sterben.

In den 9 Ländern könnten 1,6 Millionen vorzeitige Todes­fälle durch sauberere Luft, 6,4 Millionen Todesfälle durch eine bessere Ernährung und 2,1 Millionen Todesfälle durch mehr Bewegung vermieden werden – wenn die Länder die „Health in all climate policies“ umsetzen und die Berechnungen von Hamilton korrekt sind. © rme/aerzteblatt.de

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