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Medizin

COVID-19: Tocilizumab senkt Sterberisiko in RECOVERY-Studie

Freitag, 12. Februar 2021

/mbruxelle, stock.adobe.com

London – Das Biologikum Tocilizumab, dessen Stellenwert in der Behandlung von COVID-19 bisher unklar war, hat in der britischen RECOVERY-Studie die Sterberate von schwer erkrankten Patienten deutlich gesenkt. Dies geht aus den jetzt in medRxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.02.11.21249258) vorveröffentlichten Ergebnissen hervor. Tocilizumab verstärkte die Wirkung von Steroiden.

Der monoklonale Antikörper Tocilizumab, der 2009 zunächst zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassen wurde, bindet am Rezeptor von Interleukin 6, einer für die angeborene unspezifische Immun­antwort zentralen Signalsubstanz. Tocilizumab kann eine überschießende Immunreaktion stoppen, die als Zytokinfreisetzungssyndrom oder auch Zytokinsturm bezeichnet wird. Diese Komplikation tritt beispielsweise bei der CAR-T-Zell-Therapie auf, wo Tocilizumab offiziell zugelassen ist.

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Auch bei systemischen Infektionen mit SARS-CoV-2, wenn die Viren beispielsweise das Endothel der Blutgefäße angreifen, kann es zu einem Zytokinsturm kommen. Die Wirksamkeit von Tocilizumab wurde in den letzten Monaten in mehreren kleineren Studien untersucht, meist ohne größeren Erfolg.

Zuletzt hat sich in der etwas größeren internationalen REMAP-CAP-Studie ein Vorteil für Patienten abgezeichnet, die wegen eines Organversagens auf einer Intensivstation behandelt wurden. Eine endgültige Klärung wurde wegen der deutlich höheren Fallzahl von der laufenden RECOVERY-Studie erwartet, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

Die RECOVERY-Studie („Randomised Evaluation of COVID-19 therapy“) untersucht seit Mitte März 2020 die Wirkung verschiedener Therapien bei COVID-19. Im Juni konnte die Studie zeigen, dass eine Behand­lung mit niedrig dosiertem Dexamethason die Sterblichkeit bei schweren Verläufen um 17 % senkt. Die Behandlung hat sich – auch wegen der geringen Kosten – weltweit durchgesetzt.

In der RECOVERY-Studie wurden 4.116 Patienten auf eine Behandlung mit Tocilizumab (je nach Körper­gewicht 400 mg bis 800 mg intravenös) oder auf eine Kontrollgruppe randomisiert. Die Patienten im Alter von im Mittel 63,6 Jahren befanden sich seit durchschnittlich 2 Tagen wegen einer Verschlech­terung der Symptome in einer der 131 teilnehmenden Kliniken. Die Entzündungsparameter (CRP 143 mg/l) waren deutlich angestiegen, und mehr als die Hälfte der Patienten wurde nicht-invasiv (41 %) oder mechanisch (14 %) beatmet. Primärer Endpunkt war ein Todesfall innerhalb der ersten 28 Tage.

Wie das Team um Peter Horby von der Universität Oxford jetzt mitteilt, sind in der Tocilizumabgruppe 596 von 2.022 Patienten (29 %) gestorben verglichen mit 694 von 2.094 Patienten (33 %) in der Kontroll­gruppe. Dies ergibt eine Rate Ratio von 0,86, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,77 bis 0,96 signifikant ist. Die absolute Differenz von 4 % bedeutet, dass auf 25 Patienten, die mit Tocilizumab behandelt wurden, einem zusätzlich das Leben gerettet wurde (Number Needed to Treat).

Auch in den sekundären Endpunkten erzielte die Behandlung mit Tocilizumab signifikante Vorteile: Die Patienten wurden mit größerer Wahrscheinlichkeit innerhalb von 28 Tagen lebend aus der Klinik entlas­sen (54 % gegenüber 47 %; Rate Ratio 1,22; 1,12 bis 1,34). Bei den Patienten, die zu Studienbeginn noch keine invasive mechanische Beatmung benötigten, konnte diese oder der Tod durch Tocilizumab bei 33 % gegenüber 38 % in der Kontrollgruppe verhindert werden (Rate Ratio 0,85; 0,78 bis 0,93).

Der Vorteil der Behandlung war übrigens nur bei Patienten sicher nachweisbar, die gleichzeitig mit Steroiden behandelt wurden (Rate Ratio 0,80; 0,70 bis 0,90). Bei den Patienten ohne Steroide war das Sterberisiko sogar tendenziell erhöht (Rate Ratio 1,16; 0,91 bis 1,48). Ein weiteres interessantes Teil­ergebnis ist, dass die Behandlung mit Tocilizumab nur bei Männern wirksam war (Rate Ratio 0,81; 0,71 bis 0,93), nicht aber bei Frauen (Ratio 0,98; 0,80 bis 1,20).

Die Ergebnisse der Studie dürften dazu führen, dass die Kombination von Tocilizumab mit Steroiden bei Patienten mit Hypoxie und deutlich erhöhten CRP-Werten zum Behandlungsstandard wird. Ob sie welt­weit aufgenommen wird, erscheint jedoch fraglich, da Tocilizumab im Gegensatz zu Dexamethason ein hochpreisiges Medikament ist. Eine Durchstechflasche mit 400 mg kostet in Deutschland derzeit 1.240 Euro. © rme/aerzteblatt.de

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