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Medizin

Coronakrise: Grenzschließungen Anfang 2020 kamen zu spät

Montag, 15. Februar 2021

/freshidea, stock.adobe.com

Basel – Die Grenzschließungen in Europa vor rund einem Jahr kamen einer Studie zufolge zu spät, um das Coronavirus nachhaltig aufzuhalten. Bereits am 8. März 2020 habe es in Europa etwa genauso viele lokale Ansteckungen mit dem Virus gegeben wie durch Reisende aus dem Ausland eingeschleppt wur­den, berichten Forscher um die Mathematikerin und Biostatistikerin Tanja Stadler von der ETH Zürich im Fachmagazin PNAS (DOI: 10.1073/pnas.2012008118). Die EU schloss die Grenzen erst am 17. März.

Die Forscher hatten die Ausbreitung des Erregers anhand sequenzierter Virusgenome nachvollzogen. „Wenn man die Grenzen mit dem Ziel geschlossen hat, das Virus nicht reinzulassen: Dafür war es zu spät“, sagte Stadler.

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Bei Infektionsgeschehen, wie es am 8. März bereits vorhanden war, sei eine Grenzschließung nur noch verbunden mit einer drastischen Einschränkung der Kontakte im Land sinnvoll. Dann trage die Reduzie­rung der Kontakte aus dem Ausland etwas dazu bei, die Ausbreitung zu bremsen.

Stadler hat mit Kolleginnen und Kollegen die Ausbreitung von SARS-CoV-2 in Europa anhand entzifferter Virusgenome aus 19 europäischen Ländern und der Provinz Hubei in China untersucht. Sie arbeitet im ETH-Departement für Biosysteme, das in Basel angesiedelt ist.

Aus der Aufarbeitung könnten Schlüsse für eine mögliche neue Pandemie gezogen werden, so Stadler. „Hätte man früher anerkannt, welche Gefährlichkeit die Pandemie hat, hätte man den Infektionsherd austrocknen müssen.

Aus epidemiologischer Sicht wäre eine frühe Abschottung des Ausgangsortes der Pandemie in der chinesischen Provinz Hubei zentral gewesen“, sagte die Forscherin. „Es ist extrem wichtig, am Anfang schnell zu handeln, um zu verhindern, dass ein Virus global zirkulieren kann. Aber im Nachhinein weiß man immer mehr.“

In Deutschland sei die erste bekannte Infektionskette – nach der Ansteckung von Mitarbeitern der Firma Webasto in Oberbayern bei einer chinesischen Kollegin – Ende Januar unterbrochen worden. Diese Linie sei wahrscheinlich ausgelaufen und komplett beendet. Es seien aber weitere Infektionen nach Deutsch­land gebracht worden, aus China und aus Italien, wo der erste große Ausbruch in Europa passierte.

In Italien hätten die Ansteckungen vor Ort etwa Mitte Februar begonnen. „Ende Februar fing die lokale Zirkulation in Deutschland an“, sagte Stadler. Die Virusvariante, die bis zum späten Frühjahr in Europa grassierte, habe sich wahrscheinlich großteils von Hubei aus über Italien ausgebreitet. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 16. Februar 2021, 15:04

Die chinesischen Behörden

haben ein biologisches Virus behandelt wie ein politisches: Perfekt identifiziert und isoliert.... nu war es halt ein biologisches Virus, das sih nicht "wegpropagandisieren" ließ!
Avatar #760232
penangexpag
am Dienstag, 16. Februar 2021, 05:50

Die Entscheidung

Die Studie ist ein wertvoller Beitrag zur experimentellen Bestätigung eines simplen und ubiquitären Prinzips : Das Abschottungsprinzip von Gefahrenherden. Es findet sich bei der Brandbekämpfung in Wäldern, beim Bau von Schiffen, bei dem Aufbau lebender Organismen - kurzum es ist ein Grundprinzip, aber nicht die einzige Maßnahme der Gefahrenabwehr. Sie muß und wird überall durch weitere Maßnahmen ergänzt - in Abhängigkeit von der Dynamik eines Prozesses. Die Verantwortlichen für diese Gefahrenabwehr müssen vor allem die Dynamik des Geschehens erkennen - und zwar rechtzeitig. Die Auswertung des Covid19-Prozesses wird noch eine Riesenarbeit sein, aber eines steht längst fest : Für die rechtzeitige Erkennung der Parameter der Dynamik werden Daten benötigt, schnell und in ausreichendem Umfang. Wenn eine Gesellschaft wie die gegenwärtige pandemische Prozesse steuern will, dann muß sie diese Daten haben - und das sind Daten der Menschen. Mit anderen Worten : die Verfügbarkeit über diese Daten muß neu bewertet werden, es muß eine neue Gewichtung im Datenschutz vorgenommen werden. Ein zwingende Aufgabe für das Parlament, jetzt, sofort.
Es sei nur daran erinnert, wie lange es gedauert hat, bis eine sachlich so selbstverständliche Maßnahme wie das Krebsregister etabliert werden konnte.
Wir müssen uns entscheiden, erst jeder für sich und letztlich wir alle gemeinsam - für eine wirkungsvolle Strategie oder eben dagegen.
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